Dass batteriebetriebene Güterzüge entlang des Nordufers des Bodensees schon in naher Zukunft durchaus fahren könnten, haben Vertreter der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) verdeutlicht. Studenten um Professor Nicola Schulz präsentierten im Gemeinderat ihre Studie in Bezug auf die Machbarkeit solcher Züge.

Hintergrund ist, dass sich die Gemeinde Sipplingen zwar auch für die Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn ausspricht, aber lieber eine schnell umsetzbare Batteriespeisung des elektrischen Antriebs sehen würde. Dazu bräuchte es keine Oberleitung. Das Fazit der Untersuchung: technisch machbar, aber derzeit noch schwierig umsetzbar und hohe Kosten.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Ausgangslage ansprechend, sagten die Studenten, die Zugstrecke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen diene zurzeit für Güterbetrieb nur mit Dieselloks als Ausweichstrecke. Diese seien laut und umweltschädlich, die geplante Elektrifizierung indes teuer, langwierig und unansehnlich. Ziel des Projekts war es laut den Referenten, Anforderungen an eine Batterie zu testen und die Kosten zu schätzen. Unter dem Motto „Powerbank für einen Zug“ verdeutlichten sie zunächst, dass für einen „realistischen Zug“ eine Batterie mit einer Kapazität von 2500 Kilowattstunden erforderlich wäre. Das entspreche 416 666 Handy-Akkus mit einer angenommenen Kapazität von sechs Wattstunden und einer Höhe von 0,25 Zentimetern, übereinandergestapelt ein Turm von 1041 Meter Höhe. Das Problem sei das Gewicht: Mit rund 50 Tonnen pro Batterie müsse man derzeit rechnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie die Studenten weiter informierten, hat man anhand schon bekannter Daten Batterie-Anforderungen bestimmt. Da es sehr viele Variablen, wie Zuggewicht, Geschwindigkeit, Streckenprofil oder Fahrverhalten gebe, habe man eine Fahrt mit einer Computersimulation berechnet, um an die Anforderungen für eine Batterie zu gelangen. Die Daten konnten laut den Ausführungen in Teilen von einem Vorgängerprojekt übernommen werden. Angesprochen wurde dabei eine Bachelorarbeit, die Pascal Häfliger, Student der Energie- und Umwelttechnik an der FHNW, im Vorjahr angefertigt hatte. Der angehende Ingenieur hatte im Auftrag der Bombardier Transportation GmbH Simulationen vorgenommen und sich mit Personenzügen befasst. Er kam unter anderem zum Schluss, dass batteriebetriebene Züge auf der 60 Kilometer langen Strecke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen durchaus fahren könnten, nicht aber, ohne nachzuladen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Studenten erklärten, dass ein Batteriegüterzug technisch zwar möglich, die Umsetzung „zumindest heute noch schwierig“ sei. Außerdem seien die Kosten, vor allem pro Fahrt, hoch. Die Batterietechnik entwickele sich aber äußerst schnell. Zudem schlugen sie eine spezielle Batterielok vor, bei der eine Lokomotive umgebaut werden könnte und einen Batterie-Anhänger zieht.