Sipplingen – Bedeutend tiefer in die Tasche greifen müssen Sipplinger, um ihr Abwasser für die Jahre 2018 und 2019 zu zahlen: Der Gemeinderat beschloss, für Wohngrundstücke und Grundstücken, die überwiegend Wohnzwecken dienen, pro Wohneinheit die Schmutzwassergebühr (Leistungsgebühr) von 64 Cent auf 1,44 Euro pro Kubikmeter, die Niederschlagswassergebühr von 42 auf 61 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche zu erhöhen. Außerdem wird die Abwasser-Grundgebühr von 60 auf 96 Euro pro Jahr je Wohneinheit angehoben. Bei Grundstücken mit gewerblicher, landwirtschaftlicher oder sonstiger Nutzung beträgt die Gebühr bei einer jährlichen Abwassermenge bis 800 Kubikmeter ebenfalls 96 Euro (bisher 60), bis 1200 Kubikmeter 120 Euro (75) und je weitere 500 Kubikmeter 24 Euro (15) im Jahr.

„Bisher waren wir sehr, sehr günstig. Jetzt sind wir immer noch günstig“, fasste Gemeinderat Clemens Beirer (CDU) den Beschluss zusammen. Er bezog sich auf den bundesweiten Durchschnitt. Bürgermeister Oliver Gortat fügte an, man habe in den zurückliegenden Jahren diesbezüglich „tatsächlich im Schlaraffenland gelebt, aber man muss sich das auch leisten können“.

Gebühren waren zuletzt 2011 kalkuliert worden

Das Thema lag den Bürgervertretern bereits bei einer Sitzung im April auf dem Tisch vor, wurde jedoch vertagt, damit das Gremium genügend Zeit hatte, sich in die umfangreiche Materie der Gebührenkalkulation der Firma Allevo Kommunalberatung einzuarbeiten. Die Abwassergebühren waren zuletzt 2011 im Rahmen der Einführung der gesplitteten Abwassergebühr für die Jahre 2010 bis 2014 kalkuliert worden. Wie Bürgermeister Oliver Gortat informierte, hatte das Landratsamt im Rahmen der überörtlichen Prüfung die Aktualisierung der Kalkulation angemahnt. „Aufgrund der Komplexität und eines Fehlers in der Kalkulation von 2011 mussten die Ergebnisermittlung und die Neukalkulation extern vergeben werden“, erklärte Gortat. Der jetzige deutliche Anstieg sei neben der allgemeinen Preissteigerung seit 2011 auf umfangreiche Investitionen im Abwasserbereich sowohl bei der Gemeinde als auch beim Abwasserzweckverband zurückzuführen. Dadurch seien die Abschreibungen stark gestiegen. „Auch die Betriebskosten beim Abwasserzweckverband sind stark gestiegen“, meinte der Rathauschef.

Gebühr lag bisher deutlich unter dem Landesschnitt

Wie Gortat weiter erläuterte, lagen die bisherigen Gebühren deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Die Gemeinde habe aber auch nicht alle Anforderungen erfüllt, beispielsweise in der Regenwasserbehandlung. „Mittlerweile werden diese erfüllt und die neuen Sätze liegen leicht über dem Landesdurchschnitt.“ Weiterhin sei zu berücksichtigen, dass von 2010 bis 2014 insgesamt gut 291 000 Euro weniger Kosten angefallen seien. Diese habe man ausgleichen müssen, was den Bürgern zugutekam. Gortat erklärte: „Allein durch deren Wegfall steigt die Gebühr um 26 Cent pro Kubikmeter.“

Das Gremium stimmte schließlich der Änderung der Abwassersatzung zu. Sie wird rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten. Die CDU-Fraktion regte an, die Neukalkulation der Gebühren künftig alle zwei Jahre vorzunehmen, um solchen gravierenden Abweichungen vorbeugen zu können.

Abwassergebühr

Seit 2011 werden in der Gemeinde Sipplingen die Abwassergebühren getrennt für das Schmutz- und das Niederschlagswasser berechnet. Die Gebühr setzt sich zusammen aus einer Grundgebühr für Schmutzwasserbeseitigung, der Mengengebühr für Schmutzwasser und der Flächengebühr für Niederschlagswasser. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden wird in Sipplingen eine Grundgebühr je Wohneinheit erhoben. Damit soll sichergestellt werden, dass sich auch Eigentümer von Wohnungen mit geringem Wasserverbrauch, wie Zweitwohnungen oder Ferienwohnungen, angemessen an den Kosten der Abwasserbeseitigung beteiligen.