111 Jahre Sipplinger Fastnachtsgesellschaft und 20. Geburtstag des Präsidenten und des "Vize", der sogenannten Sipplinger Zwillinge: Das feierten die Narren am Abend vor dem Schmotzigen Dunschtig. Und zwar nicht nur die Sipplinger Narren, sondern auch die vielen befreundeten Linzgauer Zünfte, die ihre Glückwünsche und Geschenke überbrachten. Vor allem die Überlinger – Hänsele, Löwen, Alte Wieber – waren stark vertreten. "Wir Überlinger füllen ja heute Abend den halben Saal", stellte deren Narrenvater Thomas Pross fest.

Auch die andere Hälfte der Turn- und Festhalle war gut gefüllt mit geladenen Gästen und Vorfreude auf die voll durchstartende Fastnacht. Dennoch galt die ganze Aufmerksamkeit den Jubilanten Karl Heinz Rimmele und Willi Schirmeister, die gemeinsam mit ihren Ehefrauen Birgit Rimmele und Gaby Schirmeister durch den Abend führten. Bürgermeister Oliver Gortat im Hemdglonker begrüßte die Gäste.

Dann war es nur eine Frage der Zeit, bis die "Weißwurst-Affäre" aufgerollt wurde. Landvogt Michael Walser erklärte den Sachverhalt: dass der Bürgermeister eine 40 Jahre alte Tradition des gemeinsamen Weißwurstessens Sipplinger Alt-Kommunalpolitiker nicht weiter zu finanzieren gedenke. Walser äußerte in der Folge Bedenken, ob die Stadt denn zukünftig noch die Kosten des Fastnachtsumzugs tragen wird. Falls nicht, so sein Vorschlag, sei eine "Fastnachtsgesellschaft Abschleppunternehmen" zu gründen, die dann die Kosten erwirtschaften müsse. Wie fast nicht anders zu erwarten, bekam Bürgermeister Gortat von Michael Walser ein passendes Geschenk überreicht: Weißwürste, süßen Senf sowie Wecken.

Worin sich die Gäste einig waren: Die 1907 gegründete Sipplinger Fastnachtsgesellschaft sei groß, alt, bunt – und bei sehr vielen Umzügen vertreten. Die Sipplinger hätten wohl fast jedes Jahr etwas zu feiern, und das am liebsten mit Umzügen, erkannten Willi Schirmeister und Karl-Heinz Rimmele, als sie – in historischer Zunftkleidung – die Chronik des Vereins vorstellten. Ein bisschen Geschichte musste schließlich sein, um die 111 Jahre Bestehen der Fastnachtsgesellschaft zu feiern. Besonderes Gedenken galt den elf Sipplingern, die im Jahr 1576 auf dem Rückweg vom Holen der Fasnetküchle in Bodman bei einem Schiffsunglück im Sturm ertrunken waren. Seit 1976 wird zum Gedenken alle fünf Jahre eine Fasnetsküchlefahrt mit dem Schiff von Bodman nach Sipplingen gemacht. Am kommenden Fasnet-Sunntig wollen erstmals wieder zwölf Sipplinger Narren mit einem Boot von Sipplingen nach Bodman rudern.