Aufgabe des Hochbehälters Stich und der Eigenwassernutzung, Neubau eines Hochbehälters auf der Gemarkung Himberg: Die Gemeinde erhält ein völlig neues Wasserversorgungskonzept. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, insbesondere ein Notfallkonzept für einen möglichen Katastrophenfall zu erarbeiten.

Um für künftige Vorhaben in der Wasserversorgung entsprechende Entscheidungsgrundlagen zu haben und auch, um die Löschwasserzufuhr sicher zu stellen, hatte der Gemeinderat im Mai vorigen Jahres Aufträge für die Erstellung eines neuen Wasserversorgungskonzepts sowie einer Rohrnetzanalyse an ein Spezialunternehmen vergeben. Die „RBS Wave“, ein Tochterunternehmen der EnBW Energie Baden-Württemberg, hatte das Konzept erstellt und die Wasserrohrnetzanalyse und -berechnung vorgenommen. Bereits im Februar zuvor hatte sich das Gremium für einen neuen Hochbehälter auf der Gemarkung Himberg auf der Höhe von etwa 500 Meter über Normalnull ausgesprochen, um die Druckwasserverhältnisse im Dorf wesentlich zu verbessern und um sich eine aufwendige Sanierung einer Kammer im Hochbehälter Stich zu ersparen.

Wie Marion Zehendner von der RBS Wave berichtete, wurden im Rahmen der Rohrnetzanalyse keine Auffälligkeiten im Rohrnetz festgestellt, welche die derzeit hohen Wasserverluste erklären. Drei öffentliche Brunnen, die mit Trinkwasser betrieben werden, seien als zusätzliche, bisher nicht erfasste Verbraucher festgestellt worden. Laut der RBS Wave handelt es sich bei einem Großteil der Wasserverluste um sogenannte scheinbare Verluste, sprich um nicht erfasste Wasserverbräuche wie etwa Bewässerung und Feuerwehrübungen. Der neue Hochbehälter Himberg sollte mit einem Speicherraumvolumen von 1000 Kubikmetern realisiert werden, so Zehender. Mit Kosten von 1,87 Millionen Euro müsse gerechnet werden. Bei einem Abschreibungszeitraum von 50 Jahren ergebe das 73 000 Euro im Jahr.

RBS Wave hatte zudem vier mögliche Alternativen der Eigenwassernutzung untersucht. Das Ratsgremium sprach sich für die wirtschaftlichste Alternative aus, derzufolge die eigenen Quellen zur Trinkwasserversorgung nicht mehr genutzt werden und der Hochbehälter Stich aufgegeben wird. Lediglich im Katastrophenfall würden die Quellen noch verwendet werden. Die Bodensee-Wasserversorgung käme für die Notversorgung auf. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich auf rund 17 000 Euro jährlich. Es hätte unter anderem auch die Möglichkeit bestanden, die Eigengewässer weiter zu nutzen sie am Hochbehälter Stich aufzubereiten, wobei diese 46 Prozent des mittleren Tagesbedarfs gedeckt hätten. Dann aber hätten sich die Jahresmehrkosten auf 45 000 Euro belaufen.

Der aktuelle Stand

Die Sipplinger Wasserversorgung erfolgt zurzeit über den Hochbehälter Stich, der vom Hochbehälter der Bodensee-Wasserversorgung Sipplinger Berg gespeist wird. Er besteht aus zwei Kammern: Der erste Behälter wurde 1906 mit einem Volumen von 90 Kubikmetern gebaut und ist im schlechten Zustand. Der zweite Behälter aus dem Jahr 1951 hat ein Volumen von 150 Kubikmetern, auch bei ihm wären Sanierungsarbeiten nötig. Eine Zufahrt zum Hochbehälter Stich ist nicht vorhanden, seine getrennten Kammern entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik und sein Speichervolumen reicht nicht aus. Im Notfallbetrieb ist eine Einspeisung über die örtlichen Quellen möglich. (hk)