„Die Natur hier ist wirklich wundervoll. Ich mag es besonders, so nahe am Wasser zu sein, viel schwimmen und stehpaddeln zu können.“ Selja ist glücklich. Die 21-jährige Finnin ist eine von 15 jungen Menschen, die derzeit am zweiwöchigen Workcamp „Lake, Hills and Environment“ des Service Civil International (SCI) teilnimmt.

Selja (21), Finnland: „Ich mag es besonders, so nahe am Wasser zu sein, viel schwimmen und stehpaddeln zu können.“
Selja (21), Finnland: „Ich mag es besonders, so nahe am Wasser zu sein, viel schwimmen und stehpaddeln zu können.“ | Bild: Holger Kleinstück

Organisiert worden ist das Camp von der Gemeinde Sipplingen und dem Regierungspräsidium Tübingen. Die jungen Menschen stammen aus den unterschiedlichsten Ländern.

Vom Aussterben bedrohte Tierarten

Im Mittelpunkt stehen wie schon bei den Camps in der Vergangenheit Arbeiten in der Bodensee-Steiluferlandschaft. Denn auf den Wiesen, die durch EU-Richtlinien besonders geschützt sind, leben zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. „Sie müssen regelmäßig gepflegt werden, damit Bäume und Büsche nicht die schutzwürdige Vegetation verdrängen und der Artenreichtum erhalten bleibt“, beschreibt das SCI das Camp.

Daniel (22), Frankreich: „Neue Menschen zu treffen, die ein ganz anderes Leben als ich führen, das ist für mich einfach erstaunlich.“
Daniel (22), Frankreich: „Neue Menschen zu treffen, die ein ganz anderes Leben als ich führen, das ist für mich einfach erstaunlich.“ | Bild: Holger Kleinstück

Die Aufgabe der Freiwilligen ist es deshalb, gemeinsam mit Fachleuten die Steilhänge zu säubern, Gehölze zu roden, Reisig und Grasschnitt mit Rechen und Heugabeln von den Pflegeflächen zu entfernen und einen Pflegeweg anzulegen. Der Studienteil befasst sich insbesondere mit Biotop- und Artenschutz; mit der Entwicklung der Kulturlandschaft; der Bodenseewasserversorgung und mit Erklärungen von Flora und Fauna. Als lokaler Partner agiert das Owinger Landschaftspflegeunternehmen Proland von Gerhard Weyers.

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Als Unterkunft dient den jungen Helfern ein Zeltlager am Westhafen. Die Gemeinde stellt dem Workcamp die Fläche, das Wasser und den Strom zur Verfügung, das Land übernimmt die übrigen Kosten und vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Sipplingen stammen Feldbetten und Decken. In der Freizeit stehen Ausflüge zur Bodenseewasserversorgung, Segeltörns mit dem Sipplinger Yachtclub, Schiffsrundfahrten sowie Grill- und Konzertabende auf dem Programm.

Junge Menschen sollen zusammenkommen

Monika Preuß von der SCI-Bundesgeschäftsstelle Bonn unterstreicht die Relevanz, dass junge Menschen zusammenkommen, um über Landesgrenzen hinweg gemeinsam in Frieden zu leben. Neu sei, dass man sich zunehmend mit dem Klimawandel beschäftige. Campleiterin ist die 24-jährige Antonia aus Deutschland.

Antonia (24), Deutschland, Campleiterin: „Die Verkehrsanbindung für Ausflüge ist gut, die Gemeinde Sipplingen ist sehr übersichtlich.“
Antonia (24), Deutschland, Campleiterin: „Die Verkehrsanbindung für Ausflüge ist gut, die Gemeinde Sipplingen ist sehr übersichtlich.“ | Bild: Holger Kleinstück

Dass den jungen Menschen der Aufenthalt in Sipplingen viel Spaß macht, wird im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. „Die Kombination aus Wasser, Bergen und ganz viel Natur beeindruckt. Die Verkehrsanbindung für Ausflüge ist gut, Sipplingen ist sehr übersichtlich“, unterstreicht Antonia. Daniel aus Frankreich wiederum hebt den internationalen Aspekt des Bodensees hervor, Alejandro aus Mexiko die gute Aussicht, die man von fast jedem Platz aus genießen könne.

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Warum sie an dem SCI-Workcamp teilnehmen? Während Alejandro den Ort und die Menschen, mit denen er zusammenkommt, unterstreicht, ist für Selja wichtig, helfen zu können, neue Menschen aus aller Welt zu treffen und neue Gebiete Europas kennenzulernen. „Neue Menschen zu treffen, die ein ganz anderes Leben als ich führen, das ist für mich einfach erstaunlich zu entdecken“, betont Daniel aus Frankreich. Der 22-Jährige nimmt zum fünften Mal an einem Workcamp teil.

Unterschiede zu ihrer Heimat

Welche Unterschiede sie zu ihrer Heimat festgestellt haben? Für Selja ist das klar: Das Wetter sei bedeutend besser, schließlich stamme sie aus Nordfinnland. Alejandro aus Mexiko sind dagegen die Nächte zu kalt. „Die Leute hier essen dauernd Brot und die Geschäfte sind nicht 24 Stunden geöffnet“, hat der 24-Jährige herausgefunden.

Alejandro (24), Mexiko: „Die Leute hier essen dauernd Brot und die Geschäfte sind nicht 24 Stunden geöffnet.“
Alejandro (24), Mexiko: „Die Leute hier essen dauernd Brot und die Geschäfte sind nicht 24 Stunden geöffnet.“ | Bild: Holger Kleinstück

Zwar unterschieden sich Mexiko und Deutschland in vielen Dingen, aber die Menschen strebten seinen Angaben zufolge eines gemeinsam an: „Glücklich sein.“ Und gefällt ihnen auch irgendetwas nicht? „Ja“, sagt Alejandro. „Das Wasser ist super kalt, und wenn es anfängt zu regnen, muss man mit allem aufhören.“

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