Für eine Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen-Stadtbahnhof hat sich der Gemeinderat ausgesprochen. Die Zustimmung ist aber an die Bedingung geknüpft, dass eine oberleitungsfreie Elektrifizierung zumindest von Radolfzell nach Uhldingen-Mühlhofen vom Interessenverband Bodenseegürtelbahn weiter untersucht und in Betracht gezogen werden soll.

15 200 Euro werden im Haushalt bereitgestellt

Damit unterstützt der Gemeinderat das Bemühen des Verbandes, die Elektrifizierung voranzutreiben und das Angebot auf der Strecke zu verbessern. Zudem stimmte das Gremium der Aufteilung der Kosten für die Planung im Bodenseekreis auf der Grundlage eines Finanzierungsschlüssels zu: Gut 15 200 Euro wird die Gemeinde in den Haushalt 2019 einstellen. Ergänzt wurde die Maßgabe, dass die oberleitungsfreie Elektrifizierung insbesondere mit Zügen erfolgen sollte, die aus Oberleitungen ebenso wie aus Batterien gespeist werden können. Bürgermeister Oliver Gortat sagte: "Mit dem Beschluss setzen wir ein deutliches Signal nach außen, dass wir die Elektrifizierung wollen und nicht verhindernd sein wollen."

Dieseltriebwagen sollen möglichst bald ausgemustert werden

Gemeinderat Clemens Beirer (CDU) hatte zuvor gesagt, man müsse möglichst schnell den Einsatz von Dieseltriebwagen auf der Gürtelbahn beenden. Auf diese Weise könne man die Emissionen durch den Bahnverkehr erheblich reduzieren. Selbst wenn es gelänge, die bestehenden Regionalverbindungen auf die Batteriezüge umzustellen, die Sipplingen mehrfach ins Gespräch gebracht hat, wäre schon ein großer Schritt zur Reduzierung der Emissionen getan. „Die Lösung dürfte jedenfalls schneller zur Verfügung stehen als die Elektrifizierung der Strecke mittels Oberleitungen." Man wolle nicht als Verhinderer einer Elektrifizierung dastehen. Man wolle vielmehr durch den Einsatz moderner Technologien einen möglichst schnellen Abschied von der veralteten Dieseltechnologie möglich machen. Hier dürfe es keine Denkverbote geben.

Für eine Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen-Stadtbahnhof – hier die Strecke in Sipplingen an der alten Bundesstraße 31 – hat sich der Gemeinderat ausgesprochen. Die Planung für eine oberleitungsfreie Elektrifizierung sollte aber verfolgt werden. Bild: Michael Schnurr
Für eine Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen-Stadtbahnhof – hier die Strecke in Sipplingen an der alten Bundesstraße 31 – hat sich der Gemeinderat ausgesprochen. Die Planung für eine oberleitungsfreie Elektrifizierung sollte aber verfolgt werden. | Bild: Schnurr, Michael

Seine Ausführungen wollte Beirer als Anhang zum Beschlussvorschlag sehen, was aber nicht einhellig auf Zustimmung stieß. Der Inhalt sei zwar richtig, werde aber nicht gelesen, war Patric Geiger (FW) überzeugt. Er schlug vor, den Beschlussvorschlag zu ergänzen, dass eine oberleitungsfreie Elektrifizierung weiter in Betracht gezogen und untersucht wird. „Wir wollen die Elektrifizierung, ohne Oberleitung wäre es aber billiger und schneller.“

Lohrer: "Verdacht, dass Auftrag zur Elektrifizierung schon vergeben ist"

Thomas Biller (FW) meinte, selbst wenn man dem Beschlussvorschlag einer finanziellen Beteiligung nicht zustimme, werde die Elektrifizierung mit Oberleitung genauso geplant. Er sprach sich sogar für eine Vertagung aus, „bis wir eine andere Stellungnahme ausformuliert haben“. „Das bringt nichts“, entgegnete Elisabeth Lohrer (CDU). Sie habe den Verdacht, dass der Auftrag zur Elektrifizierung schon vergeben sei und alle anderen Verbesserungsvorschläge ignoriert würden. „Es wird nicht über die Sache gesprochen.“ Man müsse versuchen, die Diskussion zu versachlichen, „ohne übereinander herzuziehen“, ergänzte Günther Völk (CDU). „Ich bin überzeugt, dass unsere Lösung die schnellere wäre, weil wir sonst bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten müssen." Das Ratsgremium beschloss schließlich die Mitfinanzierung der Planung mit der von Geiger formulierten Ergänzung.