„Begrüße das neue Jahr vertrauensvoll und ohne Vorurteile, dann hast du es schon halb zum Freunde gewonnen“: Mit diesen Worten des deutschen Schriftstellers und Philosophen Novalis begrüßte Bürgermeister Oliver Gortat beim ersten offiziellen Neujahrsempfang in der Turn- und Festhalle mehr als 300 Gäste. Der Empfang wurde musikalisch umrahmt von der Musikkapelle Sipplingen, den Sternsingern sowie dem viel beklatschten Auftritt von Eckhard Grauer als „Leibssle“, dessen schwäbisches Mundart- Kabarett die Lachmuskeln der Gäste strapazierte.

Gortat macht gleich zu Beginn klar, auf was es ihm an diesem Abend ankam und in Zukunft ankommen wird: Er wolle ganz bewusst nicht über die große Politik sowie die Ereignisse in Deutschland und der Welt des Vorjahres sprechen, sondern über ein viel wichtigeres Thema: Das Rezept zum Glück. Doch bis es soweit war, hielt er einen Rück- und Ausblick. Es sei ein „sehr turbulentes“ Jahr gewesen. Aufgrund der derzeit laufenden Sanierung musste die komplette Rathausverwaltung in die Schule umziehen. Sein Dank galt Rektorin Nadja Wintermeyer für die „jederzeit kooperativen, lösungsorientierten und sympathischen Gespräche". Beschäftigt habe man sich mit dem Bau des nun fertiggestellten Hafenmeistergebäudes, das am 10. April offiziell seiner Bestimmung übergeben werden soll. „Ich vergleiche unser Hafenmeistergebäude aus bestimmten Gründen immer gerne mit der Elbphilharmonie in Hamburg. Ein bezaubernder Bau in Sipplingen, der sich in keiner Weise verstecken muss.“

Sein persönlicher Höhepunkt im vergangenen Jahr sei die Bürgermeisterwahl mit einem für ihn sehr erfreulichen Ergebnis gewesen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir zusammen mit dem Gemeinderat und meiner top motivierten Verwaltung in den nächsten Jahren sehr viel erreichen werden.“ Sein Dank galt seinem Vorgänger Anselm Neher, der im Juli 2017 nach 16 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Gortat: „Ein emotionaler Abend mit Standing Ovation als Würdigung seiner geleisteten Arbeit.“

Kurz war sein Ausblick auf dieses Jahr „mit viel Neuem“. Die gemeinsamen Ziele möchte er im Rahmen eines Masterplanes gemeinsam mit den Bürgern und dem Gemeinderat in Workshops durch externe Begleitung erarbeiten. „Dieser Masterplan ist in meinen Augen von elementarer Bedeutung, um Sipplingen als Gesamtes zu entwickeln“, sagte er, die Zukunftswerkstatt habe hier bereits eine gute Grundlage geschaffen. Schließlich die finanzielle Entwicklung der Gemeinde ansprechend, sagte der Bürgermeister, der Abschluss des Haushaltes 2017 werde wie schon die Vorjahre gut ausfallen. Die derzeit unter dem Landesdurchschnitt mit 157 Euro liegende Pro-Kopf-Verschuldung werde in den kommenden Jahren aber durch die anstehenden Investitionen unter anderem im Bereich Straßen und Abwasser und wegen der Rathaussanierung auf einen Wert über dem Landesdurchschnitt steigen.

Bürgermeister Oliver Gortat (rechts) begrüßt seinen Amtsvorgänger Anselm Neher.
Bürgermeister Oliver Gortat (rechts) begrüßt seinen Amtsvorgänger Anselm Neher. | Bild: Holger Kleinstück

Schließlich sein Rezept zum Glück, indem er eine kurze Geschichte eines buddhistischen Meisters ansprach. Dieser war zu entnehmen, dass sich Achtsamkeit in einem bewussten Erfassen der gegenwärtigen Situation zeigt. „Und diese ist frei von Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft. Es gilt den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen, so wie er ist. Dies hört sich leicht an, ist aber wegen den hohen Anforderungen und Ablenkungen, denen wir heute gegenüberstehen, nicht leicht zu erreichen“, so Gortat.

Der Besuch der Sternsinger ist üblich beim Neujahrsempfang in Sipplingen. Von links: Bürgermeister a. D. Anselm Neher, Gabriele Neher, Heidi Binder, Bürgermeister a. D. Kurt Binder, Ex-CDU-Landtagsabgeordneter Ulrich Müller und Rainer Stolz, Bürgermeister Stockach.
Der Besuch der Sternsinger ist üblich beim Neujahrsempfang in Sipplingen. Von links: Bürgermeister a. D. Anselm Neher, Gabriele Neher, Heidi Binder, Bürgermeister a. D. Kurt Binder, Ex-CDU-Landtagsabgeordneter Ulrich Müller und Rainer Stolz, Bürgermeister Stockach. | Bild: Holger Kleinstück

Eine Premiere

Der Neujahrsempfang in Sipplingen war zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit zugänglich und Bürgerinnen und Bürger, sowie Gäste und geladene Gäste hatten im Anschluss gemeinsam die Möglichkeit, aufs neue Jahr anzustoßen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das war bislang nicht möglich: Denn bisher fand der Empfang stets im Bürgersaal des Rathauses statt, und das aufgrund der beengten Verhältnisse immer nur für geladene Gäste. Dass der Empfang wie in vielen anderen Gemeinden üblich erstmals öffentlich zugängig war, stieß auf breite Zustimmung. Bürgermeister Gortat konnte daher auch all jene begrüßen, die im vergangenen Jahr nach Sipplingen gezogen sind. Und noch einen weiteren Vorteil gab es: Nicht nur eine kleine Abordnung wie bisher, sondern die gesamt Musikkapelle Sipplingen konnte aufspielen. Und mit dem Auftritt des schwäbischen Kabarettisten Eckhard Grauer alias "Leibssle" erhielt der Empfang eine weitere Aufwertung.

 

Stimmen zum Neujahrsempfang

 

"Für den Anfang war es wirklich nicht schlecht und der Leibssle hat alles rausgerissen." - Willi Schirmeister, Narrenpräsident
"Für den Anfang war es wirklich nicht schlecht und der Leibssle hat alles rausgerissen." - Willi Schirmeister, Narrenpräsident | Bild: Holger Kleinstück.
"Es war okay und eine runde Sache. Er hat alles angeschnitten und seine Redezeit eingehalten." - Edgar Raff, Yachtclub.
"Es war okay und eine runde Sache. Er hat alles angeschnitten und seine Redezeit eingehalten." - Edgar Raff, Yachtclub. | Bild: Holger Kleinstück
"Es war äußerst aufgelockert und spannend. Seine Rede war sehr erfrischend und informativ." - Antje Schramm, Bürgerin.
"Es war äußerst aufgelockert und spannend. Seine Rede war sehr erfrischend und informativ." - Antje Schramm, Bürgerin. | Bild: Holger Kleinstück

 

"Ein neuer Bürgermeister bringt etwas Neues und das war gut. Mir hat es sehr gut gefallen."

Karl-Heinz Brand, Vorsitzender Wandervereinigung