Dorffasnet vom Feinsten. Ohne Anspielungen auf die große Politik und ohne platte Stammtischwitze feierten sich die Sipplinger Narren beim närrischen Abend selbst. Nach einigen Jahren in der Wirtschaft fand der bunte Abend wieder in der Turn– und Festhalle statt und viele Narren kamen, um mitzufeiern. Anlässlich des 110. Geburtstages der Fastnachtsgesellschaft Sipplingen 1907 stand der närrische Abend unter dem Motto "Damals und Heute." Immer wieder wurde dazu die Leinwand aufgestellt, um Filme und Bilder der vergangenen Jahre zu zeigen. Getreu dem Motto traten auch Präsident Willi Schirmeister und sein Vize Karl-Heinz Rimmele in historischen Gewändern vor das Publikum. Vor 1957 trugen die Narren noch Frack und Zylinder, darauf folgten rote Kittel und Narrenkappe. Auch Narrenpolizist und Fahnenträger trugen Kostüme, die mindestens 50 Jahre alt sind.

Relativ alt ist auch die Ehe der Narreneltern "Gofine" Gottfried Harder und Lothar Brosowsky. Seit zehn Jahren glücklich verheiratet, feiern sie dieses Jahr Rosenhochzeit. Nachdem sie Gratulationen und Geschenke entgegengenommen hatten, sangen sie sich selber noch ein Ständchen über ihre gemeinsame Zeit, wozu der Narrenvater auf der Gitarre spielte.

Der Auftritt der Zimmermannsgilde mit Gesang und Zimmermannsklatsch sorgte für beste Stimmung und Zugaben. Eine Gaudi war der anschließende Wettbewerb im Holz sägen. Die Narreneltern und die Präsidenten der einzelnen Zünfte Trube-Kriese-Rätscher, Store und Krisewieber mussten ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Aber auch der scheidende Bürgermeister Anselm Neher musste mit dem einzigen anwesenden Bewerber ums Amt, Oliver Gortat, zeigen, wie schnell er sägen kann. Dass die Gäste der befreundeten Zimmermannsgilde Bermatingen am Ende siegten, war fast nebensächlich, einzig der Spaß zählte.

Nach der Kapelle "Jack" spielte Hubert Widenhorn am Akkordeon selbst getextete Fasnetslieder. Der Über-80-Jährige nahm das Dorfgeschehen aufs Korn. Das Publikum jubelte und spendete stehend Applaus. Als Überraschungsgäste sprangen die Guggenmusiker der "Allensbacher Guggufa" ein. Auf den Tischen tanzend und spielend, brachten sie mit ihrer fetzigen Musik neben dem Saal auch so manches Trommelfell zum Beben.

Musikalisch ging es weiter und Matthias Widenhorn reimte über die Sorgen und Nöte der Narrenkapelle. Ein Musiker-Shuttle-Bus wäre schick und neue Kittel könnten sie auch brauchen. Schließlich würden sie mit ihren Auftritten "Werbung für die Perle am See" machen. Doch resümierte er resigniert: "Bischt een Sipplinger Musikus, macht des alles nix us.

" Edeltraud Schillinger und Renate Märter schufen als Landwirte neue Bauernregeln: "Sitzt der Hahn auf der Krähe, waren keine Hennen in der Nähe." Mit dem Auftritt des Sängerbundes endete der Abend, durch den Gabi Schirmeister und Christel Kessler humorvoll führten.