Eine Ära ist bei der Musikkapelle Sipplingen zu Ende gegangen: Zwei Jahrzehnte, von Januar 2000 bis Januar 2020, war Adrian Staiger deren Vorsitzender. Jetzt hat er das Amt abgegeben, ebenso wie sein Stellvertreter Bernhard Bittlingmaier. Dem Verein stehen ab sofort Manuel Müller und Stellvertreter Marek Widenhorn vor. Adrian Staiger aber bleibt dem Verein, dem er seit 1975 angehört, als Baritonsaxofonist erhalten. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER blickt er zurück.

2003 der Schritt von der Männerkapelle zur gemischten Kapelle

Seine Aufgabe als Vorsitzender habe ihm „eigentlich immer“ Spaß gemacht. Er habe gern „zusammen mit dem Vorstand Ideen generiert und diese dann im Team mit den Musikerinnen und Musikern umgesetzt.“ Als Beispiel nennt Adrian Staiger den Schritt von einer reinen Männerkapelle zu einer gemischten Kapelle im Jahr 2003. Weiter erinnert er an 2015, als der Verein anlässlich seines 225. Jubiläums das Verbandsmusikfest des Blasmusikverbands Bodenseekreis ausrichtete. Oder als er die Ausrichtung des Seezaubers von Rotem Kreuz und Tourist-Förderverein übernahm.

Wichtig war Staiger, Jugendliche an den Verein zu binden

Wichtig war Adrian Staiger zum einen, Jugendliche zu gewinnen, um den Fortbestand der Kapelle zu sichern. Zum anderen, dass die Musikkapelle Heimat für alle sein konnte, egal welchen Alters. Staiger sagt: „Heute haben wir Jung und Alt von 12 bis 85 Jahren bei uns, die gemeinsam musizieren.“ Auch die Besetzung der Dirigentenstellen aus den eigenen Reihen war ihm ein großes Anliegen.

Kurioses am Rande: Noten fürs Torkelfest vergessen

Als besondere Anekdote fällt ihm das Torkelfest in Bermatingen ein. Durch Zufall sei die Kiste mit den Noten des Vereins in Sipplingen stehengeblieben. „Als wir beginnen sollten, hatten wir keine Noten, nur unser Marschbuch“, erinnert sich Staiger. Arthur Widenhorn, Sohn des damaligen Dirigenten Hubert Widenhorn, sei nach Sipplingen zurückgefahren und habe die Notenkiste geholt. In der Zwischenzeit habe man die Festbesucher mit Märschen aus dem Marschbuch unterhalten. „Wir haben natürlich schon gemerkt, dass die Festbesucher gedacht hatten, ob wir nichts anderes könnten als Märsche?“ Nach einer Stunde seien alle Noten aber vor Ort gewesen „und es konnte dann richtig losgehen“.

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Gesetzliche Vorschriften schränken Vorstandsarbeit immer mehr ein

Natürlich habe es auch Situationen gegeben, wo es mal „gemenschelt“ habe, besonders dann, wenn Privates und Verein vermischt worden sei. „Aber so richtig Unerfreuliches fällt mir nicht ein.“ Allerdings habe man früher im Vorstand viel pragmatischer arbeiten können. „Es gab viel weniger Vorschriften und Regeln als heute.“ Staiger nennt als Beispiele Besteuerung, Datenschutz, Ehrenamtspauschale oder Kinder- und Jugendprävention. „Das erwartet einen gewissen Formalismus, der die Vereinsarbeit verkompliziert.“

Blasmusik ist Staiger in mehrfacher Hinsicht wichtig

Blasmusik ist ihm in mehrfacher Hinsicht wichtig. „Auf der einen Seite habe ich Freude an meinem Hobby und kann meine musische Seite ausleben und die Seele baumeln lassen.“ Auf der anderen Seite verbindet er damit Begriffe wie gemeinsame Ziele erreichen, Kameradschaft, Freundschaft, Zuverlässigkeit, Tradition, Motivation. „Außerdem sich im Dorf einzubringen, für andere da zu sein in unterschiedlichen Lebenslagen und Vorbild zu sein“, hebt Staiger hervor. 1972 hatte er bei seinem Musiklehrer Josef Beirer begonnen, Tenorsaxofon zu lernen.

Ein Höhepunkt in der Ära Staiger (rechts): das Verbandsmusikfest zum 225. Jubiläum der Musikkapelle Sipplingen im August 2015.
Ein Höhepunkt in der Ära Staiger (rechts): das Verbandsmusikfest zum 225. Jubiläum der Musikkapelle Sipplingen im August 2015. | Bild: Kleinstück, Holger

Adrian Staiger bleibt weiter ehrenamtlich im Einsatz

Ehrenamtlich bleibt er weiter tätig, so als Hauptmann und Kommandant der Bürgermiliz, die die kirchlichen und weltlichen Feste umrahmt. „Die Bewahrung dieser schönen Tradition unseres Dorfs liegt mir dabei besonders am Herzen, außerdem die Weitergabe des Erbes unserer Väter an die nachfolgenden Generationen getreu des Mottos ‚Zukunft braucht Herkunft‘.“ Außerdem steht er als Bezirksvorsitzender im Blasmusikverband Bodenseekreis sieben Kapellen rund um Überlingen vor und vertritt sie im Präsidium des Verbands.

Seinen Nachfolgern im Musikverein wünscht Staiger vor allem viel Spaß bei der Vorstandsarbeit, „dass sie den Verein erfolgreich in die Zukunft führen und sich immer so gut verstehen wie Bernhard Bittlingmaier und ich“. Er hofft, dass es dem Verein auch weiterhin gelingen möge, Kinder und Jugendliche zu motivieren, damit der Verein noch eine lange Zukunft habe. „Für mich selber hoffe ich, dass ich gesund bleibe und noch viele Jahre weiter aktiv musizieren kann.“