Große Freunde bei der katholischen Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde: 150.000 Euro hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale für die Sanierung des Turmdaches der Pfarrkirche St. Martin und St. Georg zur Verfügung gestellt. Lotto-Regionaldirektor Frank Eisele überreichte gemeinsam mit Ortskurator Wolfgang Meinhardt von der DSD den symbolischen Förderscheck an Pfarrer József Biró.

1,1 Millionen Euro für Sanierung nötig

Nach derzeitigem Stand belaufen sich die Kosten der Renovierung auf knapp 1,1 Million Euro. 180 000 Euro können über Landesmittel finanziert werden, 160.000 Euro übernimmt die katholische Kirche, sodass die Gemeinde Sipplingen 600.000 Euro für die Renovierung des Kirchturmes zuschießen muss. Der Betrag ist bereits in den diesjährigen Haushalt eingestellt worden.

Vertrag von 1896 nimmt Gemeinde in die Pflicht

Allerdings sind derzeit Kirchengemeinde und die Gemeinde Sipplingen noch in Verhandlung bezüglich Aufteilung der Restkosten, wie Bürgermeister Oliver Gortat mitteilte. Entsprechend einer 1896 von Gemeinderat und Bürgermeister unterzeichneten Urkunde muss die bürgerliche Gemeinde den Unterhalt des Kirchturms übernehmen, so, als wäre die Gemeinde der Eigentümer. Das Hauptschiff ist weiterhin in der Unterhaltspflicht der Kirchengemeinde.

Parrgemeinderat und Handwerker waren bei der symbolischen Scheckübergabe von 150.000 Euro dabei (vorne, von links): Pfarrer József Biró, Lotto-Regionaldirektor Frank Eisele, Wolfgang und Renate Meinhardt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Ortskuratorium Villingen-Schwenningen), Bürgermeister Oliver Gortat und Architektin Corinna Wagner-Sorg.
Parrgemeinderat und Handwerker waren bei der symbolischen Scheckübergabe von 150.000 Euro dabei (vorne, von links): Pfarrer József Biró, Lotto-Regionaldirektor Frank Eisele, Wolfgang und Renate Meinhardt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Ortskuratorium Villingen-Schwenningen), Bürgermeister Oliver Gortat und Architektin Corinna Wagner-Sorg.

Auf Mittel von Dritten angewiesen

Oliver Gortat sagte, es sei relevant, dass bei einem Investitionsvolumen von über einer Millionen Euro politische und Kirchengemeinde an einem Strang zögen. „Das machen wir auch und wir sind auf einem guten Weg.“ Nichtsdestotrotz sei man auf Geldmittel Dritter angewiesen.

Ziegel fallen vom Turm

Sein Dank galt Architektin Corinna Wagner Sorg für die Projektleitung. „Das funktioniert einwandfrei. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen“, hob der Bürgermeister hervor. Die Architektin sagte, dass seit mindestens zwei Jahre die buntglasierten Ziegel vom Turm fielen, „und zwar ganz massiv“. Außerdem gebe es Wassereinbrüche und Holzschäden.

Sie zeigte sich dankbar über die Spende, denn allein für das jetzt aufgestellte Gerüst müssten rund 100.000 Euro aufgewendet werden. Nicht zuletzt machte sie auf das schwere Erreichen des Kirchturms aufmerksam. Die Anfahrtsituation sei extrem schlecht, außerdem hätten die Bauarbeiter in luftiger Höhe oft mit Winden zu kämpfen, die man am Erdboden gar nicht spüre.

Lotterie-Gewinne retten Kulturdenkmale

„Mit der Förderung durch die Glücksspirale soll nach außen sichtbar werden, wohin die Mittel der Rentenlotterie über die DSD fließen“, sagte Frank Eisele. „Unsere Mittel machen es möglich, wertvolle Kulturdenkmale zu sichern und vor dem Verfall zu retten“, betonte er. Die Pfarrkirche gehöre zu den über 310 Projekten, welche die DSD dank Spenden, Erträge ihrer Treuhandstiftungen und Mittel der Glücksspirale alleine in Baden-Württemberg fördere, machte Wolfgang Meinhardt klar.

 

Die Kirche

Die katholische Pfarrkirche St. Martin und St. Georg wurde erstmals in einer Urkunde von 1155 als "ecclesia zu Sipelingen" erwähnt. Über die genaue Bauzeit der Kiche herrscht Unklarheit, ältester Teil dürfte der 58 Meter hohe dreigeschossige Turm sein.

Der im Kern spätmittelalterliche Bau wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts barock umgestaltet, bevor er 1904 neogotisch überarbeitet wurde. Letztmals wurde die Kirche 1979 für 240.000 Mark saniert; dabei wurden auch Kugel und Kreuz der Turmspitze repariert und neu vergoldet.

Die charakteristische Dachdeckung des Kirchturms mit den bunt glasierten Turmziegeln ist zu großem Teil schadhaft: Im Sommer 2016 hatten sich zahlreiche Dachziegel gelöst. Da das zuständige Erzbischöfliche Bauamt in Konstanz kurzfristig kein Gerüst am Kirchturm hatte aufstellen können, beauftragte es eine Fachfirma. Deren Industriekletterer konnten aber nur einen Teil schadhafter Ziegel im oberen Bereich befestigen.

Ein wesentlich größerer Teil im unteren Bereich konnte aufgrund von Verwitterung nicht mehr verwendet werden. Seit Februar vorigen Jahres ist das sehr steile Turmdach vollständig mit einem Fangnetz überzogen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Bei einer Begehung des Kirchturms wurde festgestellt, dass das Dach undicht ist und Wasser bis in die erste Geschossebene des Turms eindringt. Das seit drei Wochen stehende Gerüst wird auch gleich genutzt, um Schäden an der Turmfassade zu beheben. (hk)