Die monatelange Sanierung des Glockenturms der katholischen Pfarrkirche St. Martin und St. Georg war zweifelsohne ein Mammutprojekt. Im Februar wurden die Arbeiten beendet, die sich auf insgesamt 1,14 Millionen Euro beliefen. „So eine Aufgabe in zehn Monaten zu bewältigen und das bei der derzeitigen Vollauslastung aller Handwerksbetriebe, das ist schon eine starke Leistung“, freute sich Bauleiterin und Architektin Corina Wagner-Sorg im Februar. Sie wies darauf hin, dass das Superwetter des vergangenen Jahres ebenfalls seinen Beitrag geleistet hätte.

Die Renovierung des Kirchenturms war notwendig geworden, nachdem im Sommer 2016 Dachziegel vom Turmdach gefallen und Kirchgänger gefährdet hatten. Da das zuständige Erzbischöfliche Bauamt in Konstanz kurzfristig kein Gerüst am Kirchturm hatte aufstellen können, informierte es eine Fachfirma. Deren Industriekletterer hatten einen Ring um den Turm gelegt, von dem aus sie sich abseilten, um die Ziegel auf ihren Sitz zu prüfen und die vom Absturz bedrohten Pfannen zu sichern. Die Arbeiter konnten allerdings nur einen Teil schadhafter Ziegel im oberen Bereich befestigen; ein wesentlich größerer Teil im unteren Bereich war aufgrund von Verwitterung hierfür nicht mehr geeignet. Trotz dieser ersten Sofortmaßnahmen wurde nicht erreicht, dass die Gemeinde von der Verkehrssicherungspflicht befreit werden konnte. Bei genauer Bestandsaufnahme der Schäden am Turm war daher schnell klar geworden, dass an einer gründlichen Renovierung kein Weg vorbeiging.

Kostenübernahme war unklar

Anfangs war nicht klar, wer die Kosten übernimmt: Denn eine Anerkennungsurkunde aus dem Jahr 1896 verpflichtet die politische Gemeinde Sipplingen, die Sanierung aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Bürgermeister Oliver Gortat erreichte aber in Verhandlungen mit Vertretern der Kirche und der Erzdiözese Freiburg, dass Sipplingen nur 590 000 Euro der Gesamtkosten übernehmen musste. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) spendete aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale 150 000 Euro und hat noch einmal 60 000 Euro zusätzlich zugesagt, nachdem die Sanierungskosten höher ausfielen als ursprünglich kalkuliert. Die Kirche war zuletzt 1979 für 240 000 Mark saniert worden; dabei waren auch Kugel und Kreuz der Turmspitze repariert und neu vergoldet worden.

Besonders freut es Bürgermeister Oliver Gortat, dass bei einer Spendenaktion im Rahmen des vorjährigen Dorffestes wie auch durch Geldeingänge auf der Gemeindekasse sowie einer Sammelaktion eines Gemeinderates mit dessen Partnerin aus Sipplingen im Rahmen der Fastnacht ein Betrag von rund 8300 Euro als Spende verbucht werden konnte. Diese Spende reduziert den Anteil der Gemeinde entsprechend. „Diese Spendenaktion ist mal wieder ein Paradebeispiel, wie die Gemeinschaft hier in Sipplingen gelebt wird“, sagte Gortat beim diesjährigen Neujahrsempfang.

Zur Sanierung des Turmes gehörte die Ausbesserung des Daches, deren Ziegel soweit wie möglich erhalten wurden. Alle zusätzlichen benötigten neuen Dachziegel wurden von Hand gebrannt, um die ursprünglich vorhandene unterschiedliche Färbung der Dachziegel zu erhalten. „Wir haben die Ziegel nach einem historischen Verfahren nachproduziert“, erläuterte Sebastian Schmäh von der ausführenden Firma Holzbau Schmäh aus Meersburg. Zu den Arbeiten gehörten ferner die Überarbeitung des Glockenstuhls, die Ausbesserung des Putzes und ein neuer Anstrich des Kirchturms. Das Uhrenzifferblatt sowie die Spitze des Kirchturmes wurden neu vergoldet und im Turm die Treppen und der Aufgang renoviert. Auch das Geläut funktioniert wieder: In der Osternacht auf Sonntag werden die aus dem Jahr 1961 stammenden Glocken wieder erklingen; am Ostermontag erfolgt bei der Heiligen Messe um 10.30 Uhr die Segnung des Kirchturms unter Mitwirkung der Gesanggruppe „Laudato si“ und des Kirchenchores Andelshofen.