Für die 1962 gegründete Wandervereinigung Sipplingen hat eine neue Ära begonnen: Karl-Heinz Brand hat das Amt des Vorsitzenden an Hüttenwart Alwin Beirer abgegeben. 40 Jahre stand Brand an der Spitze des Vereins, hat in dieser Zeit viel bewegt und unzählige Wanderungen organisiert. "Ich denke, es wird Zeit aufzuhören", sagte Karl-Heinz während der Jahresversammlung des Vereins vergangenes Wochenende. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER blickt der 75-Jährige zurück.

„Wandern hilft, die eigene Region bewusst als Heimat zu erleben. Oder, um es mit den Worten des ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss zu sagen: Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns ist es, unterwegs zu sein“, sagt Brand über die Faszination des Wanderns. Schon früh kam er in den Genuss des Wanderns. Seine Eltern waren Mitglied im sauerländischen Gebirgsverein, einem der größten Freizeit- und Wandervereine Deutschlands, und waren mit ihm viel unterwegs. Nachdem Karl-Heinz Brand 1968 an den Bodensee gekommen war, nahm ihn sein Schwiegervater mit auf Bergtouren. Schon zwei Jahre später trat er der Wandervereinigung Sipplingen bei, war ab 1973 vier Jahre stellvertretender Vorsitzender. "Weite erleben, Atmung spüren, Natur fühlen, Düfte entdecken, Energie tanken und Ruhe genießen": All das lässt sich Brand zufolge bei der Wandervereinigung erleben. Der Verein sei attraktiv und biete seinen Mitgliedern viel: Man sei sportlich, kameradschaftlich, gesundheitsfördernd, gesellig und familienfreundlich, „bei uns kann die ganze Familie mit Kind und Hund mitlaufen.“ Gern sei er vier Jahrzehnte Vorsitzender des Vereins gewesen. Durch die vielen Wanderungen habe er viel gesehen, was er auch nicht missen wolle.

Brand erinnert an den Bau der Wanderhütte im Blockhausstil, die zehn Monate nach dem Spatenstich im November 1984 ihrer Bestimmung übergeben worden sei. „Das war zweifelsohne ein Meilenstein in der Geschichte unseres Vereins, als wir gegen viele Widerstände diese Schutz- und Wanderhütte in eigener Regie auf Sipplinger Gemarkung bauten. Es war damals eine Aufbruchstimmung im Verein, dass man eine Hütte bauen musste“, ruft Brand in Erinnerung. Viele Mitglieder des Vereins hätten beim Bau mitgeholfen, allen voran der Ehrenvorsitzende Erwin Widenhorn. Die reinen Materialkosten betrugen Brand zufolge 47 000 Mark. Die Wanderhütte sei seitdem der Treff- und Mittelpunkt für den Verein, für die Feste, allen voran am 1. Mai jeden Jahres.

Noch frisch in Erinnerung ist Brand die Feier zum 50. Jubiläum des Vereins 2012 im Rathaussaal. Als sichtbares Zeichen für die Nachkommen habe man seinerzeit ein Kreuz gestiftet, was im Grenzgewann zwischen Mauergarten und Sulz stehe mit einer Inschrift, die an die ehemalige Jakobskapelle im Gewann Hörnle erinnern soll. Beim weiteren Rückblick auf seine 40 Jahre als Vorsitzender spricht Brand zahlreiche Hüttenaufenthalte an, unter anderem im Allgäu und Bregenzerwald, außerdem Bergtouren, beispielsweise in die Alpen, und Vereinsausflüge per Bus, Bahn und Schiff.

Der neue Vorstand: (vorn, von links) Alwin Beirer (Vorsitzender und Hüttenwart), Barbara Stierle, Uli Widenhorn, Helene Keller (alle Ausschuss), Gertrud Brandl (Schriftführerin), Willi Schmidberger (Auschuss), (hinten, von links) Renate Märte (stellvertretende Vorsitzende), Roswitha Frevel (stellvertretende Hüttenwartin), Bettina Beirer (Kassiererin), Kurt Römer, Ruth Bonauer und Monika Loeper (alle Ausschuss).
Der neue Vorstand: (vorn, von links) Alwin Beirer (Vorsitzender und Hüttenwart), Barbara Stierle, Uli Widenhorn, Helene Keller (alle Ausschuss), Gertrud Brandl (Schriftführerin), Willi Schmidberger (Auschuss), (hinten, von links) Renate Märte (stellvertretende Vorsitzende), Roswitha Frevel (stellvertretende Hüttenwartin), Bettina Beirer (Kassiererin), Kurt Römer, Ruth Bonauer und Monika Loeper (alle Ausschuss). | Bild: Karl-Hein Brand

Insbesondere erwähnt der gebürtige Sauerländer die gemeinsamen Wandertage mit den Wanderfreunden aus dem sächsischen Langenwolmsdorf. Zum ersten Mal habe man sich 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung, getroffen. Jeweils mehrere Tage im Jahr komme man seitdem abwechselnd in den alten und neuen Bundesländern zusammen, meist über den Feiertag zum Tag der Deutschen Einheit. „Wir haben durch diese Begegnungen vieles in unserem Deutschland gesehen, was ich persönlich nicht missen möchte.“ Dieses Jahr stehe das 25. Treffen in Bad Kösen im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt an. „Wir leben seit der Wende eine Freundschaft zwischen Ost und West vor. Ich glaube, dass es so etwas in Deutschland nicht mehr gibt.“

Wenn der 75-Jährige zuhause in Sipplingen unterwegs ist, dann stehen ihm viele Wanderwege, insbesondere durch den Wald, zur Verfügung. So etwa der über den Haldenhof führende Premium-Streckenwanderweg „SeeGang“ zwischen Konstanz und Überlingen. Die Zertifizierung des 2014 fertiggestellten Wanderwegs, der auf rund 53 Kilometern Attraktionen rund um den nordwestlichen Teil des Bodensees bietet, soll Sipplingen als Wanderdestination stärken. Brand erwähnt auch den Blütenweg, der in den Bodensee-Rundwanderweg integriert ist, sowie den Otto-Haag-Weg, der vom Blütenweg aus zu erreichen ist und ihm besonders gut gefällt. „Dieser Weg hat leicht alpinen Charakter mit ganz vielen Ausblicken. Das finde ich das Schöne an dem Weg."

Ein weiteres seiner Hobbys ist das Rad fahren, das jüngst sogar in den Vordergrund getreten ist und auch von der Wandervereinigung angeboten wird. Mit Reisegruppen war Brand unter anderem schon in Vietnam, Südafrika und vielen anderen Ländern. Auch in Norddeutschland war er bereits drei Wochen allein mit dem Fahrrad unterwegs. „Meine Hobbys – wandern, Rad fahren, reisen und fotografieren – lassen sich bestens miteinander verbinden“, sagt Brand.

Er bleibt auch künftig Mitglied des Vereins und möchte sich zur Verfügung stellen, wenn er gebraucht wird. So wird er die herbstlichen Wandertage mit den sächsischen Wanderfreunden weiter mitorganisieren. Neues ist ihm zufolge ohnehin in der Wandervereinigung geplant, die zurzeit über 147 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von 72,5 Jahren hat: Neben Abend- und Mondscheinwanderungen seien auch Frühwanderungen mit Frühstück unterwegs vorgesehen.

Die Wandervereinigung im Internet: www.wanderverein-sipplingen.weebly.com

Zur Person

Karl-Heinz Brand wurde 1943 in Dortmund geboren. Bevor er 1968 an den Bodensee kam, war er Unteroffizier bei der Bundeswehr, anschließend in der Werbefotografie tätig, unter anderem in der Schweiz. Er bildete sich als Fotografenmeister weiter und war bei Foto Lauterwasser in Überlingen beschäftigt. Seinen Dienst als Tourismuschef in Sipplingen trat Brand am 1. April 1978 zunächst im Untergeschoss des Rathauses an, nachdem er sich gegen zwölf Bewerber durchgesetzt hatte. Diese Position hatte er rund 25 Jahre inne, bevor er im November 2004 offiziell verabschiedet wurde. 40 Jahre lang war Karl-Heinz Brand Vorsitzender der Wandervereinigung Sipplingen, der er 1970 beitrat und deren Ehrenvorsitzender er jetzt ist.