Sipplingen (hk) Ida und Willi Kuhn sind schon verheiratet, unglaubliche 70 Jahre schon. Da hat es sich natürlich auch Bürgermeister Oliver Gortat nicht nehmen lassen und dem Paar bei Kaffee und Kuchen zur Gnadenhochzeit gratuliert.

Kennengelernt haben sich die beiden bereits 1943, rein zufällig in Meßkirch, wo sie seinerzeit eine Freundin besuchte. Doch die „Liebe auf den ersten Blick“ wurde schnell durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs unterbrochen. Denn Willi Kuhn musste zum Militärdienst nach Frankreich einrücken und geriet später in französische Gefangenschaft. Aus den Augen haben sich die beiden während dieser Jahre indes nicht verloren. Nach dem Wiedersehen 1946 wurde ein Jahr später in Blaubeuren in seiner Heimat im heutigen Alb-Donau-Kreis geheiratet. 1948 zog das jungvermählte Paar nach Sipplingen, die Heimatgemeinde von Ida Kuhn, geborene Widenhorn. Damals wurde sie gefragt, warum sie denn unbedingt einen Auswärtigen zum Ehemann habe nehmen müssen, schließlich gäbe es ja genug junge Burschen in Sipplingen. „Es ist kein Fehler, wenn neues Blut ins Dorf kommt“, sagte sie dem damaligen Bürgermeister Jakob Biller.

Fünf Kinder wurden geboren, von denen eines im Säuglingsalter verstarb. „Die Kinder sind alle gut geraten und mit ihnen hatten wir nie Sorgen“, sagt Ida Kuhn. „Eben eine große Familie“, fügt ihr Mann Willi an. Und in der Tat: Mittlerweile haben sie zehn Enkel und sechs Urenkel. Fast genauso wichtig wie ihre Nachkommenschaft ist dem Paar ihr in eigener Tatkraft erbautes Häuschen in der Haldenhofstraße, das es 1959 beziehen konnte und in dem heute auch ihr jüngster Sohn Georg wohnt. „Es war eine schwierige Zeit. Es gab ja keinerlei Unterstützung“, erinnert sich Ida Kuhn. „Kindergeld hat man damals noch nicht gekannt. Aber wir haben es geschafft.“ Während sie sich um die Kinder kümmerte, ging Willi Kuhn seiner Beschäftigung als Zimmermann in Radolfzell nach – von früh morgens bis spät abends. Ihr Grundstück hatten sie für fünf Mark pro Quadratmeter erworben. Was heute wenig klingt, weiß Willi Kuhn gleich zu relativieren. 90 Pfennig verdiente er in der Stunde, „und die Brezel gab es für fünf Pfennig“, erinnert er sich, schaut seiner Ida tief in die Augen und streicht ihr zärtlich über die Wange.

Übrigens: Die Bezeichnung „Gnadenhochzeit“ kommt laut christlichem Glauben von Gottes Gnade und Geschenk, die einem Paar ein langes und gemeinsames Leben beschert.