Werden bald Studenten zur Verjüngung der Bevölkerung von Sipplingen beitragen? Die 25-jährige Anja Straub jedenfalls hat im Gemeinderat im Rahmen eines Impulsvortrags vorgeschlagen, eine Zweigstelle einer Hochschule in Sipplingen einzurichten. „Bei uns werden viele Räume nicht genutzt“, sagte die Studentin. „Die Konsequenz einer Zweigstelle wäre eine Zuwanderung von jungen Leuten.“

Schon seit vielen Jahren ist landauf und landab zu beobachten, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung ansteigt. Grund sei nicht nur, dass die Menschen immer älter werden, sondern dass junge Menschen – besonders im Alter von 19 bis 24 Jahren – ihre Kommune verlassen. So auch in Sipplingen. „Junge Sipplinger wandern ab“, sagte die Studentin.

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So betrug Straub zufolge das durchschnittliche Alter in Sipplingen im Jahr 1995 noch 42,7 Jahre, bis 2018 sei es auf 49,4 Jahre angestiegen. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung sei mittlerweile über 65 Jahre, nur acht Prozent zwischen 15 und 25 Jahren alt.

Dass so wenige junge Menschen in Sipplingen leben, müsse aber nicht sein, sagte Anja Straub. Wegen der in Zukunft zu erwartenden geringen Schülerzahlen und des im Herbst 2020 geplanten Umzugs der Gemeindeverwaltung in das renovierte Rathaus seien viele Räume in der Schule ungenutzt. „Totes Kapital“, nennt es die 25-Jährige.

Leere Räume für Vorlesungen nutzen

Sie schlägt vor, leer stehende Räume als Vorlesungsräume zu nutzen, indem Hochschulen wie Konstanz, Friedrichshafen oder Ravensburg dort Außenstellen einrichten. Die Gemeinde würde Einnahmen durch Vermietungen an die jeweilige Hochschule erhalten, wodurch der Schuldenstand gesenkt werden könnte, so die Sipplingerin. Außerdem seien Zuschüsse von Land, Bund oder Europa zu erwarten.

„Die Entwicklungsmöglichkeiten sind vielfältig“

Straub führte Schlagworte wie ein erweitertes Angebot von ÖPNV, Kneipen, Freizeitmöglichkeiten, junge Start-Ups in kleineren Büros, erhöhte Gewerbesteuereinnahmen sowie eine Kräftigung der Infrastruktur durch Zuwanderung und eine Stärkung der Region ins Feld. „Die Entwicklungsmöglichkeiten sind vielfältig“, unterstrich die 25-Jährige.

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Auch in Bezug auf die Unterbringung der Studenten hatte die Referentin Vorschläge parat. Unter dem Motto „Gemeinsam wohnen – den Alltag erleichtern“ sei es denkbar, Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen aus verschiedenen Generationen zusammenzuführen. Senioren, Familien, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderung, die einen eigenen Haushalt führen und sich Gesellschaft, Unterstützung und Sicherheit durch einen Studenten wünschen, könnten Wohnraum zur Verfügung stellen. „Im Gegenzug unterstützt der Student den Wohnraumanbieter bei alltäglichen Dingen“, sagte die Studentin.

„Adler“ als mögliches Wohnheim

Als mögliches Studentenwohnheim schlug sie den „Adler“ vor: Zimmer seien bereits ausgestattet, eine Küche vorhanden, Speisesaal und Adlerkeller als Begegnungsstätte für Jung und Alt denkbar. Auch im Altenheim Silberdistel stünden nach der zu erwartenden Schließung Räume und Küche zur Verfügung. Den Speisesaal stellt sich Anja Straub als Mensa für ortsansässige Senioren, Kindergarten, Schule und Studenten vor.

„Eine super Idee, sie spricht mir aus dem Herzen“

„Eine super Idee, sie spricht mir aus dem Herzen“, unterstrich Gemeinderat Arne Schuldt (Sipplinger Freie Wähler). Auch Christine Kessler (CDU) empfand es als „tolle Sache“, dass sich jemand Gedanken um die Zukunft mache. Der Gemeinderat nahm die Ausführungen der Studentin ohne Beschluss zur Kenntnis.