Knapp zehn Monate nach der Einrüstung des Sipplinger Kirchturms gehen die Renovierungsarbeiten nun dem Ende entgegen. Gestern begann die Firma Quadrex Gerüstbau mit der Demontage der ersten 20 Meter Gerüst. In der kommenden Woche hofft Ralf Edinger von der Herrenberger Niederlassung der Firma, mit der restlichen Abbau beginnen zu können. "Wenn das Weter mitspielt", sagte er im SÜDKURIER-Gespräch. Eigentlich hatte seine Firma schon Mitte Januar mit der Demontage beginnen sollen.

Urlaubs- und wetterbedingt habe sich der Abbau aber um vier Wochen verschoben, erklärte Architektin Corinna Wagner-Sorg. Die Bauleiterin zeigte sich dennoch stolz auf die Leistung der beteiligten Handwerksbetriebe: "Wir waren superschnell! So eine Aufgabe in zehn Monaten zu bewältigen und das bei der derzeitigen Vollauslastung aller Handwerksbetriebe, das ist schon eine starke Leistung." Sie räumte allerdings ein, dass das Superwetter des vergangenen Jahres ebenfalls seinen Beitrag geleistet hätte.

Tonnen schweres Gerüst verankert

Die Demontage des Gerüstes kann in einer Höhe von 60 Metern nur bei guten Wetterbedingungen erfolgen, so Ralf Edinger. Es dürfe nicht zu windig sein. Auch Vereisungen könnten seine Kollegen bei der Arbeit gefährden. Schon der Aufbau des Gerüstes hatte die Gerüstbauer gefordert. Schließlich ist der Sipplinger Kirchturm nicht exakt in die Höhe gebaut. Er hat nach Norden eine Neigung um 60, nach Osten um 40 Zentimeter. "Wir müssen unten richtig anfangen zu bauen, sonst liegt oben irgendwann der Kirchturm am Gerüst an", sagte Edinger. Zudem habe man das Tonnen schwere Gerüst am Turm fixieren und die 1,60 Meter dicken Turmwände für Spezialverankerungen durchboren müssen. "Das Dach des Kirchschiffes hätte die Last allein nicht tragen können", so Edinger.

Zusatzspende von Denkmalstiftung

Die Renovierung des Glockenturms der katholische Pfarrkirche St. Martin und St. Georg war notwendig geworden, nachdem Dachziegel vom Turmdach gefallen und Kirchgänger gefährdet hatten. Bei genauer Bestandsaufnahme der Schäden am Turm war schnell klar geworden, dass an einer gründlichen Renovierung kein Weg vorbeiging. Ein teures Unterfangen: Auf 1,14 Millionen Euro hatte Bürgermeister Oliver Gortat die Sanierungskosten für den Turm im Gemeinderat bezifferte.

Knapp die Hälfte davon musste die politische Gemeinde übernehmen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) spendete aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale für die Sanierung des Turmdachs 150 000 Euro, den Rest übernahm die Erzdiözese in Freiburg. Im SÜDKURIER-Gespräch berichtete Corinna Wagner-Sorg, dass ihr eine mündliche Zusage der DSD vorläge, weitere 60 000 Euro für die Renovierung zur Verfügung zu stellen. Die Kosten der Sanierung waren durch weitere, erst im Lauf der Sanierung erkannte Schäden am Turm gestiegen.

Dachziegel von Hand gebrannt

Zur Sanierung des Turmes gehörte die Ausbesserung des Daches, deren Ziegel soweit möglich erhalten wurden. Alle zusätzlichen benötigten neuen Dachziegel wurden von Hand gebrannt, um die ursprünglich vorhandene unterschiedliche Färbung der Dachziegel zu erhalten. Zur Instandsetzung gehörte ebenso die Ausbesserung des Putzes sowie ein neuer Anstrich des Kirchturms. Das Uhrenzifferblatt sowie die Spitze des Kirchturmes wurden neu vergoldet und im Turm die Treppen und der Aufgang renoviert. In zwei bis drei Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann werden die Sipplinger wieder morgens vom vertrauten Klang ihrer Kirchturmglocken geweckt.