Maria del Mar Espinás Salla gerät ins Schwärmen, wenn sie beschreibt, was ihr in Sipplingen und am Bodensee gut gefällt. „Das Wasser des Bodensees ist sehr klar. Überall wo wir sind, genießen wir herrliche Ausblicke auf den See. Und die Leute, mit denen wir in Kontakt kommen, sind sehr freundlich zu uns und froh, ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit uns zu teilen. Außerdem sind sie interessiert, was wir hier machen. Das motiviert uns.“ Die 21-Jährige aus Katalonien ist eine von 19 jungen Menschen, die derzeit beim zweiwöchigen Workcamp „Lake, Hills and Environment“ des Service Civil International (SCI) zu Gast sind und die aus 14 verschiedenen Ländern stammen.

Artenreichtum erhalten

Wie schon in den Workcamps in den zurückliegenden Jahren stehen Arbeiten in der Bodensee-Steiluferlandschaft im Mittelpunkt. Denn auf den Wiesen, die durch EU-Richtlinien besonders geschützt sind, leben zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie müssen regelmäßig gepflegt werden, damit Bäume und Büsche nicht die schutzwürdige Vegetation verdrängen und der Artenreichtum erhalten bleibt. Die Aufgabe der Freiwilligen ist es deshalb, die Steilhänge zu säubern. Als lokaler Partner agiert das Owinger Landschaftspflegeunternehmen Proland von Gerhard Weyers.

Abwechselnd steht Küchendienst im Lager am Westhafen an. Heute müssen die Aufgaben Daniela, Dragan und Maria übernehmen.
Abwechselnd steht Küchendienst im Lager am Westhafen an. Heute müssen die Aufgaben Daniela, Dragan und Maria übernehmen. | Bild: Holger Kleinstück

Als Unterkunft dient den jungen Helfern ein Zeltlager am Westhafen. Die Gemeinde stellt dem Workcamp die Fläche, das Wasser und den Strom zur Verfügung, das Land übernimmt die übrigen Kosten und vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Sipplingen stammen Feldbetten und Decken. In der Freizeit stehen Ausflüge zur Bodensee-Wasserversorgung, Segeltörns mit dem Sipplinger Yachtclub, Schiffsrundfahrten sowie Grill- und Konzertabende auf dem Programm.

Gemeinsam in Frieden leben

Monika Preuß von der SCI-Bundesgeschäftsstelle Bonn unterstreicht die Relevanz, dass junge Menschen zusammenkommen, um über Landesgrenzen hinweg gemeinsam in Frieden zu leben. Das sei schon von Anfang an das zentrale Anliegen der SCI-Camps gewesen. Neu sei jetzt, dass man sich mehr mit dem Klimawandel beschäftige. "Das haben wir dieses Jahr an der Dürre und an der Hitze gesehen. Andere Länder, aus denen auch unserer Teilnehmer kommen sind allerdings noch stärker betroffen", sagt Preuß, die sich ehrenamtlich für den SCI einsetzt. Auch mit den Auswirkungen des überhandnehmenden Plastikmülls beschäftige man sich. "Das rückt bei uns immer stärker in den Mittelpunkt."

Übernachtet wird in Zelten am Westhafen. "In den Zelten ist es derzeit sehr heiß. Das ist aber nicht so ein großes Problem, weil wir uns tagsüber gewöhnlich im Freien aufhalten", sagt Erna aus der Slowakei.
Übernachtet wird in Zelten am Westhafen. "In den Zelten ist es derzeit sehr heiß. Das ist aber nicht so ein großes Problem, weil wir uns tagsüber gewöhnlich im Freien aufhalten", sagt Erna aus der Slowakei. | Bild: Holger Kleinstück

Dass den jungen Menschen der Aufenthalt in Sipplingen viel Spaß macht, wird im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. „Der Ort ist so schön klein, man erreicht alles ohne Auto und Bus“, hebt Erna Löfflenová aus der Slowakei hervor. Besonders freut es die 23-Jährige, dass ihr Camp so nah am Wasser liegt. „Jeden Tag nach unserer Arbeit können wir schwimmen gehen.“ Während Dragan Milanov aus Mazedonien die Berge mit den Wäldern hervorhebt, sagt Daniela Méndez aus Mexiko: „Es gibt erstaunliche Aussichten und Menschen in Sipplingen.“

Menschen aus der ganzen Welt treffen

Warum sie an dem SCI-Workcamp teilnehmen? Für Daniela Méndez ist das klar: „Ich wollte Menschen aus der ganzen Welt treffen, eine andere Kultur kennenlernen und unterstützend in der Umwelt tätig sein.“ In die gleiche Kerbe schlägt Erna Löfflenová: „Ich wollte andere Kulturen, Länder und ihre Traditionen kennenlernen.“ Dragan Milanov sagt, dass Arbeiten in der Natur für ihn wie Meditation ist. "Und dass die Bevölkerung Nutzen aus dem ziehen kann, was ich hier mache, macht mich glücklich."

Gibt es Unterschiede zur eigenen Heimat?

Und welche Unterschiede haben sie zu ihrer Heimat festgestellt? „Der Zeitplan. Leute vom Mittelmeer erledigen alles später. Allerdings ist das kein Problem für mich“, sagt Maria del Mar Espinás Salla. Während Erna Löfflenová außer „den vielen Touristen“ keine nennenswerten Unterschiede zur Slowakei einfallen, hebt Daniela Méndez hervor, dass die Menschen am See besser organisiert seien und sich für die Natur besser einsetzen als in Mexiko."Das beeindruckt mich schon.“

Sinn und Zweck der SCI-Camps

  • Die Organisation: Der Service Civil International (SCI) ist eine gemeinnützige, internationale Freiwilligenorganisation, die sich für Frieden, Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch einsetzt. Das erste Projekt, ins Leben gerufen von Schweizer Pazifisten, bestand 1920 im Wiederaufbau eines Dorfs bei Verdun. Der SCI verfügt über ein Netzwerk von 45 nationalen Zweigen auf fünf Kontinenten und arbeitet mit mehr als 100 Partnerorganisationen zusammen. Der deutsche Zweig des SCI wurde 1946 gegründet.
  • Die Workcamps: Der wichtigste Arbeitsschwerpunkt des SCI sind die Workcamps. Das sind Freiwilligeneinsätze in internationalen Gruppen, die meist zwei bis vier Wochen dauern. Meist kommen zehn bis 20 Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen und unterstützen mit ihrer Arbeit beispielsweise soziale Projekte. Workcamps bedeuten aber nicht nur arbeiten und lernen, sondern auch zusammen leben, Kontakte knüpfen und Spaß haben. Seine Freiwilligendienste richtet der SCI mit lokalen Partnern aus. Die Workcamps finden in 90 Ländern statt, allein in Deutschland organisiert der SCI etwa 50 pro Jahr. Neben der Arbeit im Workcamp – fünf bis sechs Stunden am Tag – beschäftigen sich die Freiwilligen im Studienteil mit Hintergrundthemen. Die Unterbringung ist häufig einfach, in Schulräumen, Zelten oder Häusern. Die Teilnehmer kochen reihum für die Gruppe. Durch die gemeinsame Arbeit und das Zusammenleben im Camp lernen sich die Teilnehmer schnell kennen. Unterstützt werden sie durch ehrenamtliche Campleiter. Campsprache ist in der Regel Englisch. Teilnehmen kann jeder ab 16 Jahren, unabhängig von Nationalität oder Religion.
  • Das Hauptziel: Für den SCI steht der Beitrag im Vordergrund, den das Zusammenleben zu Frieden und Völkerverständigung leistet.

Informationen im Internet:
http://www.sci-d.de