Sipplingen – Ilse Fark möchte verstanden werden. Zur Eröffnung ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie im Bahnhof in Sipplingen hatten Fark und ihr Kurator Christian Scheel auf die Laudatio verzichtet. Stattdessen wollten die beiden anhand des Referenzbildes "Der Lebensbaum" ein Künstlergespräch führen. Mehr als eine Frage konnte Scheel nicht stellen. Fark war sofort in ihrem Element. Auch mit fast 90 Jahren sprüht sie vor Energie, so wie sie vor den Kunstinteressierten über ihr Lebenswerk und ihre Sichtweise referierte. "Ich musste das doch tun", wird sie später erzählen, schließlich sei das ihre letzte Ausstellung und ihr Vermächtnis. "Dass ich 100 werde, ist unwahrscheinlich", ist sich Fark bewusst. Sie musste das tun, sie musste den Menschen ihr Vermächtnis näherbringen.

Die Menschen brauchen den Schlüssel, den Zugang zu ihren Werken. Sie sollen verstehen, wie ihr Vermächtnis entstanden ist. Deshalb wird sie nicht müde ihren Zugang zu der Welt, in der wir alle leben, immer wieder aufzusagen. Das mag auf den Zuhörer zuweilen ermüdend und verwirrend wirken, doch faszinierend ist es allemal. Denn Ilse Fark hat nicht nur ein Leben gelebt.

Geboren am 1. Mai 1927 in Dortmund, kam die Familie bald nach Salem. Ihr Vater war Träger des Prinz-Max-Ordens und Mitglied der badischen Truppen. Beim Markgrafen in Salem hoffte er auf Unterstützung. "Wir waren mittellos und hoffnungslos", beschreibt Fark die damalige Situation. Ein Zustand, der sich in ihrem Leben wiederholen sollte. Sie durfte die Schule Schloss Salem besuchen, war aber nicht auf dem gleichen Stand ihrer Mitschüler, musste mehr lernen als die anderen. Sie holte den Stoff nach. Ihr Umfeld legte keinen großen Wert auf eine solide Ausbildung. Heirat und Familienversorgung sollten ihre Zukunft sein, dafür bräuchte sie keine Examina. Sie wollte mehr. Fark entwickelte Selbstbewusstsein, Willenskraft und Durchsetzungskraft.

"Macht es so, dass ihr der Gesellschaft nützlich seid, hat uns Vater immer gesagt." Fark hielt sich daran, machte aus ihren Interessen jeweils einen Beruf. Sie wurde Lehrerin für Grund-, Haupt- und Sonderschule, Werklehrerin, Krankenschwester, Restauratorin, Bergführerin. Berufe, aber nicht Berufung. "Ich war schon immer eine Künstlerin, seit meiner frühesten Jugend", beschreibt sie sich. Als Künstlerin hat sie eine breite Ausbildung genossen. Meisterschule für gestaltendes Handwerk in Dortmund, Kunstakademie in München, Akademie Stuttgart, Cité Internationale des Artes in Paris heißen ihre Stationen. Alle Kunstrichtungen, inklusive Tanz, hat sie kennengelernt. Kein Wunder, dass sie Polyästhetin am Mozarteum an der Universität Salzburg wurde. Fark wurde mit dem Deutschen Kunstpreis der Jugend in Baden-Baden, dem Förderpreis des Oberschwäbischen Kunstpreises der Jugend in Saulgau ausgezeichnet.

Sie kann auf eine gemeinsame Zeit mit dem bekannten Kunsthistoriker Kurt Badt verweisen. Eine geistige Verbindung, von der sie noch heute zu zehren scheint. Ebenfalls war sie im Austausch mit Otto Dix, Erich Heckel und anderen künstlerischen Größen am Bodensee. Seit 1956 lebt sie in Sipplingen. Hier hat sie ihre Mutter gepflegt. Hat nebenbei gemalt. Wenn sie durch ihr Atelier führt, erzählt sie. Hunderte Bilder, Federzeichnungen, Drucke. Erzählt mit reiner Klarheit die Geschichte der Kunstwerke, die auch ihre Geschichte ist. Mehr noch: ihr Vermächtnis.

Person und Ausstellung

  • Ilse Fark wurde am 1. Mai 1927 in Dortmund geboren. Sie zog mit ihrer Familie in jungen Jahr nach Salem. Seit 1956 lebt sie in Sipplingen.
  • Ihre aktuelle Ausstellung "Sichtweisen – vor und nach 2000" läuft bis 14. Mai in der Galerie im Bahnhof Sipplingen. An ihrem 90. Geburtstag richtet ihre Gemeinde für sie in der Galerie eine Geburtstagsfeier aus. Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Freitag von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 14 Uhr.