Geweih- und Knochenartefakte, Mal- und Schleifsteine, Beile, Schmuck und insbesondere Töpfe zeigt die Unesco-Pfahlbautenausstellung in der Galerie am Bahnhof. Viele dieser Fundstücke gehen auf den 2007 verstorbenen Bernhard Regenscheit zurück. Er hat sie in den 1970er bis 1990er Jahren in der Sipplinger Bodenseebucht zusammengetragen.

Nachdem sie jahrelang bereits in kleinerem Rahmen in der Tourist-Information zu sehen waren, hat sich die Gemeinde jetzt entschlossen, die Privatsammlung als Dauerausstellung in einem größeren Raum zu zeigen. Dort sind außerdem Arbeiten zu sehen, die Kinder in der Burkhard-von-Hohenfels-Schule und dem Kinderhaus „Kleine Raupe“ erstellt haben.

Bernhard Regenscheit nutzte den niedrigen Wasserstand im Winter

Regenscheits Initiative ist es zu verdanken, dass seinerzeit viele Funde vor Zerstörung und Erosion gerettet werden konnten. Seine Sammlung umfasst eine Vielzahl vorgeschichtlicher Gegenstände, die er im Winter bei niedrigem Wasserstand sammelte. Zu sehen sind rund 300 Funde, insbesondere aus Stein und Keramik. Sie haben ihren Ursprung in den jungstein- und auch bronzezeitlichen Feuchtbodensiedlungen in der Sipplinger Bodenseebucht. Die Fundstücke zeugen vom Alltag der Pfahlbaubewohner. Gezeigt werden eine große Auswahl an Werkzeugen und Gebrauchsgegenständen, aber auch seltene Luxus- und Handelsgüter.

Rund 300 Fundstücke aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit hat Bernhard Regenscheit in der Bodenseebucht vor Sipplingen zusammengetragen. Er starb im Mai 2007.
Rund 300 Fundstücke aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit hat Bernhard Regenscheit in der Bodenseebucht vor Sipplingen zusammengetragen. Er starb im Mai 2007. | Bild: Holger Kleinstück

"Absolut fachmännische" Rekonstruktion fehlender Teile

Mitunter mühselig hatte Regenscheit diese aus gefundenen Scherben mit Hilfe eines Zweikomponentenklebers aus dem Baumarkt zusammengesetzt und dabei fehlende Teile rekonstruiert – "absolut fachmännisch", wie ihm das Landesamt für Denkmalpflege seinerzeit bescheinigte. "Interessiert hat mich's schon immer, wo wir herkommen. Wir sind ja nicht einfach vom Himmel herabgefallen", hatte Regenscheit seine Begeisterung für die 1970 begonnenen Ausgrabungen im Mai 2005 gegenüber dem SÜDKURIER erklärt.

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Zur Sammlung gehören insbesondere Gefäße der sogenannten "Pfyner Kultur", etwa 3900 bis 3500 vor Christus, benannt nach dem schweizerischen Fundort Pfyn im Kanton Thurgau. Aber auch die "Horgener Kultur", 3300 bis 2800 vor Christus, die sich durch dickwandige Gefäße auszeichnet, ist vertreten. Vor allem Kochtöpfe, in denen einst Eintöpfe aus Getreide, Fleisch, Fisch und Gemüse zubereitet wurden, hatte Regenscheit der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Zu sehen sind ferner große Mahl- und kleine Reibsteine aus Molassesandstein und sogenannte Läufer, mit denen einst gereinigtes Getreide zu Schrot und Mehl zermahlen wurde.

Grund- und Vorschüler steuern Ausstellungsstücke bei

Bürgermeister Oliver Gortat machte bei der Eröffnung der Ausstellung darauf aufmerksam, dass die jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen des Alpenvorlandes aufgrund außergewöhnlicher Erhaltungsbedingungen unter Wasser zu den herausragenden archäologischen Fundstätten Europas gehören. "Seit mehr als 150 Jahren kommen sensationelle Funde ans Tageslicht", sagte er. Ein Teil dieser Funde, die Regenscheit gesichert habe, sei im neuen Ausstellungsraum zu sehen, so Gortat.

Schüler der dritten und vierten Klasse der Burkhard-von-Hohenfelsschule haben mit Acrylfarben viele Bilder auf Keilrahmen gemalt.
Schüler der dritten und vierten Klasse der Burkhard-von-Hohenfelsschule haben mit Acrylfarben viele Bilder auf Keilrahmen gemalt. | Bild: Holger Kleinstück

Neben den Fundstücken werden Acrylbilder gezeigt, die Schulkinder der dritten und vierten Klasse unter Leitung der Künstlerin Christiane Pieper auf Keilrahmen angefertigt haben. Vorschulkinder des Kinderhauses "Kleine Raupe" wiederum haben während Projektwochen das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen besucht, Kohle hergestellt, ein Mammut gebastelt, Schmuck hergestellt und mit Naturmaterialien Bilder gemalt. Wie den Arbeiten zu entnehmen ist, wurde den Kindern erklärt, mit welchen Hilfsmitteln und Materialien die Menschen seinerzeit gemalt haben könnte. Während der Beschäftigung mit Werkzeugen wurde auf das Steinbeil eingegangen, in der Schmuckwerkstatt der Schule stellten die Kinder aus Holz, Federn, Leder und Paketschnur einfachen Schmuck her. Bei einem Feuertanz, der außerdem einstudiert wurde, bewegten sich die Kinder auf und nieder wie die Flammen eines Feuers.

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