Zum ständigen Austausch zwischen Verwaltung, Gemeinderat und Bürgern hat Bürgermeister Oliver Gortat die Gäste beim dritten offiziellen Neujahrsempfang in der Turn- und Festhalle aufgerufen. Der Rathauschef gab einen dreiviertelstündigen Eindruck über die Fülle an Aufgaben und Begebenheiten des Gemeindelebens. Die Veranstaltung wurde von der Musikkapelle Sipplingen unter der Leitung von Patric Geiger und dem Besuch der Sternsinger umrahmt.

Bürgermeister: Neujahrsempfang muss öffentlich sein

Zu Beginn seiner Ausführungen machte der Bürgermeister darauf aufmerksam, dass ein Neujahrsempfang eine öffentliche Veranstaltung sein müsse. „Wenn wir wollen, das sich die Menschen für Lokalpolitik interessieren und engagieren, dann müssen wir Plattformen für einen offenen und regelmäßigen Austausch schaffen“, sagte er. „Nur informierte Bürgerinnen und Bürger können sich eine fundierte Meinung bilden, ihr Wissen und ihre Kompetenzen einbringen und kritische Fragen stellen.“

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Aber auch Verwaltung und Gemeinderat bräuchten diesen Dialog, um ihre Argumente zu prüfen, um Stimmungen aufzunehmen sowie um zum ständigen Austausch mit der Bürgerschaft zu gelangen. Gerade in Zeiten der „fake news“, in denen Populisten reihenweise Wahlen gewönnen, weil sie komplexe Zusammenhänge vereinfachten, „weil sie vor allem Gefühle und selten genug den gesunden Menschenverstand ansprechen“.

Gortat (rechts) ehrt die im Vorjahr ausgeschiedenen Gemeinderäte (von links) Michael Thiel, Uli Kammerer, Lothar Popp und Patric Geiger.
Gortat (rechts) ehrt die im Vorjahr ausgeschiedenen Gemeinderäte (von links) Michael Thiel, Uli Kammerer, Lothar Popp und Patric Geiger. | Bild: Kleinstück, Holger

Im Vorjahr sind nach Darstellung Gortats in Sipplingen „viele Dinge geschehen“. Einige Projekte seien abgeschlossen, andere angestoßen worden und man habe sich auch mit Themen und Entwicklungen befasst, die einen längeren Zeitraum als den eines Kalenderjahres in Anspruch nehmen würden.

Pro-Kopf-Verschuldung steigt wegen Investitionen

Die Finanzen der Gemeinde seien auf den ersten Blick nicht schlecht, dennoch werde die zurzeit unter dem Landesdurchschnitt liegende Pro-Kopf-Verschuldung aufgrund geplanter Investitionen für die Sanierung beziehungsweise den Neubau des Feuerwehrgerätehauses und die Modernisierung von kommunalen Gebäuden steigen.

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Zur Schaffung von Wohnraum sagte der Verwaltungschef, die Erschließung des Bauerwartungslandes „Hohfelser“ sei infolge verschiedener Vorstellungen der Eigentümer gescheitert, die Entwicklung eines Baugebietes in Sipplingen werde für einen langen Zeitraum kein Thema mehr sein. Gortat: „Kurzfristig Bauwillige müssen sich woanders umsehen. Punkt.“ 

Ziel, Grundstücke für Baugebiet zu kaufen, bleibt

Die Gemeinde habe aber auch weiterhin Interesse am Ankauf von Grundstücken. „Unser Ziel ist, sukzessive die Grundstücke während der nächsten Jahre zu erwerben, damit wenigstes irgendwann einmal die Entwicklung zum Baugebiet vorgenommen werden kann“, erläuterte der Bürgermeister. Er kündigte an, dass es aufgrund beschränkter Erweiterungen von Gewerbeflächen bereits erste Gedanken und Gespräche über ein interkommunales Gewerbegebiet in Andelshofen bei Überlingen gäbe.

Die ehemaligen Sipplinger Bügermeister Kurt Binder und Anselm Neher im Gespräch mit Rechtsanwalt Hans-Peter Wetzel, ehemaliges Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und Bürger von Sipplingen (von links).
Die ehemaligen Sipplinger Bügermeister Kurt Binder und Anselm Neher im Gespräch mit Rechtsanwalt Hans-Peter Wetzel, ehemaliges Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und Bürger von Sipplingen (von links). | Bild: Kleinstück, Holger

Das Reizthema ungeklärte Wasserverluste auf dem Gemeindegebiet fand ebenfalls Erwähnung. Gortat sagte, man werde die Untersuchungen fortsetzen und defekte Leitungen sanieren. „Sollte ich einem illegalen Verhalten auf die Spur kommen, werde ich die Verursacher zur Verantwortung ziehen.“

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In Bezug auf das Pflegeheim Silberdistel, das voraussichtlich nur noch bis Ende dieses Jahres betrieben werden könne, werde man Lösungen entwickeln, die für Sipplingen zukunftsfähig seien. Gortat: „Den alten Menschen und ihren Angehörigen möchte ich mögliche Ängste nehmen. Ich verspreche, wir lassen Sie nicht alleine und werden gegebenenfalls auch Übergangslösungen finden.“

Für eine Abrundung des zweieinhalbstündigen Programms sorgte Kabarettistin Marianne Schätzle aus Hilzingen als Angela-Merkel-Imitatorin, wobei sie für Lacher bei den Gästen sorgte, bevor sich diese in Gespräche beim Stehempfang vertiefen konnten.

Kabarettistin Marianne Schätzle aus Hilzingen tritt als Angela-Merkel-Imitatorin auf.
Kabarettistin Marianne Schätzle aus Hilzingen tritt als Angela-Merkel-Imitatorin auf. | Bild: Kleinstück, Holger