Warum haben Sie sich gerade für Sipplingen entschieden, was gefällt Ihnen hier?

Weil Sipplingen für mich als Bürgermeisterin die ideale Lage, die ideale Struktur und die ideale Bevölkerungsgröße hat. Mir gefällt es generell am Bodensee, er bietet sehr viele Chancen. Die wirtschaftliche und finanzielle Situation einer Gemeinde wird ja zu einem großen Teil durch den Tourismus und den Bodensee beeinflusst, auf der anderen Seite ist der Bodensee natürlich auch eine sehr große Herausforderung für die Entwicklung einer Gemeinde.

Sehen Sie denn in Sipplingen irgendeinen Vorteil für einen Bürgermeister in seinem Wirken gegenüber einer größeren Stadt? Zum Beispiel verwaltungstechnisch?

In Sipplingen ist der Bürgermeister sehr viel mehr direkter in die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung eingebunden als in einer größeren Stadt. Er oder sie kann sein Wissen und seine Erfahrung viel mehr einbringen.

Warum halten Sie sich für dieses Amt für geeignet?

Weil ich sehr viel in die direkte Führung einer Gemeinde eingebunden war und nun selbst direkt mit der Bevölkerung und dem Gemeinderat die Entwicklung gestalten und den persönlichen Kontakt haben will.

Wenn Sie gewählt würden, zögen Sie nach Sipplingen?

Ich habe mir dazu natürlich Gedanken dazu gemacht, weil es immer eine der ersten Fragen ist. Mein Mann ist Pfullendorfer, hat dort sein Geschäft und seinen Lebensmittelpunkt. Aber ich bin mir sicher, dass ich genug „Sipplingerin“ sein kann, um für alle eine allseits präsente Bürgermeisterin zu sein.

Stichwort Ferienwohnung. Der Gemeinderat ist der Auffassung, möglichst keine Ferien- und Zweitwohnungen mehr. Welche Meinung haben Sie?

Den Status quo sollte und muss man auch halten. Es ist für viele Menschen die Wirtschaftsgrundlage. Die Begrenzung von Zweitwohnungen wird man nie ganz verhindern können, auch bei einem noch so hohen Zweitwohnungssteuerhebesatz. Richtig finde ich es, das über Bebauungspläne zu regeln. Dann hätte man auch die entsprechende Rechtsgrundlage und könnte dagegen vorgehen.

In den zurückliegenden Jahren ist der Tourismus ja ziemlich ausgebaut worden: Es kommen immer mehr Leute. Würden Sie hier den eingeschlagenen Weg fortsetzen wollen?

Der Wunsch der Bevölkerung ist ja eigentlich, dass der Tourismus sich nicht mehr weiterentwickelt. Der Status quo sollte auch hier auf jeden Fall gehalten werden, weil natürlich sehr viele Menschen vom Tourismus leben und ihn benötigen. Der Tourismus ist in Teilen auch notwendig, um generell die örtliche Infrastruktur zu halten. Ein großes Problem ist der Verkehr, nicht nur in Sipplingen, sondern rund um den See. Hier werden wir uns auf jeden Fall – gemeinsam – Lösungen überlegen müssen. Mittelfristig wird der öffentliche Nahverkehr ein wichtiger Partner sein.

Sie hatten eben die Infrastruktur angesprochen. Auf Ihrer Homepage steht, dass Sie diese auf dem neuesten Stand halten wollen?

Das betrifft zum einen die ganz klassische kommunale Infrastruktur Wasser, Abwasser und Straßen, zum anderen aber auch Breitband. Es wird ein immer wichtigerer Standortfaktor, da die Menschen öfters von daheim arbeiten. Enorme Datenmengen müssen hin und her geschickt werden und da muss einfach das Datennetz dann auch entsprechend ausgebaut sein.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ansiedlung junger Familien. Sipplingen ist ja mit einem Durchschnittsalter von 48,8 Jahren eine der ältesten Gemeinden in Baden-Württemberg.

Zum einen sind die Familien als Großfamilie erst mal selber gefordert. Es gibt sehr viele Baulücken. Wohnen für junge Familien kann in einer Gemeinde wie Sipplingen leider nicht das Einfamilienhaus auf 600 Quadratmetern sein. Ich finde, hier gibt es ganz viele Möglichkeiten wie beispielsweise das Elternhaus an- oder umbauen, um mehr Wohnfläche zu schaffen. Dem könnte die Gemeinde entgegenkommen, indem die Bebauungspläne einfach das zulässige Maß erhöhen und einen größeren Rahmen vorgeben. In der Fläche wird es nämlich sehr schwierig, weil Bodensee, Steilufer, und Landschaftsschutzgebiet sehr viele Einschränkungen bieten. Die Regionalplanung sieht für Sipplingen eigentlich keine großartige Entwicklung vor, um größere Wohngebiete zuzulassen, die andere Gemeinden haben und gerade umsetzen. Parallel dazu ist das einzig mögliche Baugebiet über die Gemeinde voranzutreiben.

Diese Einschränkungen, die Sie eben ansprachen, gelten ja auch für Gewerbetreibende. Haben Sie da irgendeinen Vorschlag, wie man das Gewerbe in Sipplingen forcieren könnte?

Hier ist die Bürgermeisterin sehr gefragt. Sie muss dort, wo Gewerbebetriebe aufgegeben werden, wo Gewerbeflächen verfügbar sind oder werden, einfach im Kontakt bleiben. Auch sollte in Richtung Betriebsnachfolger Unterstützung angeboten werden, damit diese Betriebe einfach weiter bestehen. Für diejenigen, die von der Nutzung des Gewerbegebiets unabhängig sind, kann man genauso Möglichkeiten schaffen wie etwa das Heimbüro. Und schon sind wir wieder beim Thema Ausbau vom Wohnhaus.

Kommen wir jetzt zum Thema Vereine. Wie gut kennen Sie diese? Die Frage auch vor dem Hintergrund, dass Sie als Bürgermeisterin automatisch Mitglied der Bürgermiliz würden.

Ich mache mir schon Gedanken, wir mir ein Zylinder steht (lacht). Ich bin bereits sehr intensiv mit den Vereinen und den Vereinsvorständen in Kontakt. Ich bin beeindruckt, wenn ich höre, wie viele Mitglieder jeder einzelne Verein hat. Das ist wirklich vorbildhaft, welches Engagement die Bürgerinnen und Bürger bieten.

Das gilt auch für die Fastnachtsgesellschaft, dem zahlenmäßig größten Verein, fast jeder Dritte im Ort ist Mitglied. Herr Neher ist ja hier Narrenrat. Könnten Sie sich vorstellen, als Store mitzuwirken?

Ich habe Herrn Willi Schirmeister (Präsident, d. Red.) schon gesagt, da muss er noch an mir arbeiten (lacht). Das werden wir ausdiskutieren.

Stichwort Neher – was meinen Sie denn, was seine Arbeit in den zurückliegenden 16 Jahren ausgezeichnet hat?

Er hat die Gemeinde sehr vorangebracht, gerade was den Tagestourismus angeht. Die ganze Ufergestaltung ist auf seine Initiative hin entstanden. Er hat sehr viele Zuschüsse generiert, weshalb die Errungenschaften auch relativ kostengünstig finanziert worden sind.

Herr Neher hat sich immer für den Radweg entlang der Bundesstraße 31 eingesetzt. Welche Meinung haben Sie dazu? Und sehen Sie irgendeine Chance, den Lkw-Verkehr zu reduzieren?

Ich kann hier leider – noch – keine Patentlösung aus dem Ärmel ziehen. Das kann Sipplingen nicht alleine, sondern nur in Zusammenarbeit mit Bodman-Ludwigshafen und Espasingen lösen. Man muss für alle der Gemeinden abwägen, welche Variante die größten Vor- und welche die geringsten Nachteile hat. Nur wenn alle drei an einem Strang ziehen, kann man wirklich eine vernünftige Lösung finden. Und in dem Zuge gehört da auch die Gestaltung Radweg mit hinein, welche Alternativen habe ich denn überhaupt, um diesen Radweg zu führen?

Viele gibt es nicht.

Nein, viele gibt es nicht. Aber ich sehe da durchaus Alternativen.

Durchaus Alternativen, wie der Radweg künftig geführt werden könnte, sieht Heike Sonntag. Das Problem des Lkw-Verkehrs könne Sipplingen nicht alleine, sondern nur in Zusammenarbeit mit Bodman-Ludwigshafen und Espasingen lösen. Nur wenn alle drei an einem Strang zögen, könne man eine vernünftige Lösung finden.
Durchaus Alternativen, wie der Radweg künftig geführt werden könnte, sieht Heike Sonntag. Das Problem des Lkw-Verkehrs könne Sipplingen nicht alleine, sondern nur in Zusammenarbeit mit Bodman-Ludwigshafen und Espasingen lösen. Nur wenn alle drei an einem Strang zögen, könne man eine vernünftige Lösung finden. | Bild: Holger Kleinstück

Sie werben damit, dass Ihnen Bürgernähe sehr wichtig ist.

Bürgernähe bedeutet für mich zum einen, dass ich im Ort unterwegs bin, dass ich nicht alles vom Schreibtisch aus regeln möchte, dass meine Tür immer offensteht. Zum anderen, dass die Bürger in Entscheidungen mit eingebunden werden. Diese müssen transparent und für jeden nachvollziehbar sein. Ich wünsche mir von den Bürgern, dass sie auf den Bürgermeister zukommen, wenn sie mit irgendwas unzufrieden sind. Die Kommunikation mit und zu Sipplingen ist ein wichtiges Thema für mich.

Thema Kultur: Es gibt Rathauskonzerte, ein paar Ausstellungen in der Bahnhofsgalerie und die Hörspielkirche. Ließe sich das Kulturprogramm ausbauen oder eignet sich hierzu Sipplingen nicht so mit seinen derzeit 2078 Einwohnern?

Kultur ist in jedem Fall ein wichtiges Thema, weil es zu den schönen und lebenswerten Dingen gehört. Wir werden die Waage halten müssen zwischen öffentlich finanzierter und privat-ehrenamtlicher Unterstützung.

Angenommen, Sie würden zur Bürgermeisterin gewählt, was wollten Sie gleich angehen?

Wichtiges Ziel sind Verkehr und Bebauungspläne. Beide Themen sind schon angestoßen und die Erwartungshaltung der Bürger ist hier natürlich vorhanden. Die Prozesse werden sich noch lange hinziehen, deswegen finde ich, dass man so schnell wie möglich daran weiterarbeiten sollte, damit sie in Bewegung kommen.

Letzte Frage: Was macht die Privatperson Heike Sonntag in ihrer Freizeit?

Ich tauche gern, meistens im Urlaub. Im Bodensee zwar auch, aber eher selten. Daher versuche ich, meine freie Zeit möglichst mit Sport in irgendeiner Weise zu füllen, dass man einfach fit und gesund bleibt.

Fragen: Holger Kleinstück

Kandidat und Wahl

  • Heike Sonntag lebt in Pfullendorf, ist 40 Jahre alt, evangelisch und verheiratet. Sie studierte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg und legte die Staatsprüfung für den gehobenen Dienst mit Abschluss als Diplom-Verwaltungswirtin (FH) und Zusatzqualifikation Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre ab. Seit dem Jahr 2014 ist sie Kämmerin der Stadt Meersburg und der Gemeinde Daisendorf. Seit 2016 ist sie zusätzlich Geschäftsführerin des Gemeindeverwaltungsverbandes Meersburg. Internet: www.heikesonntag.com
  • Am 12. März wählt Sipplingen einen neuen Bürgermeister. Neben Heike Sonntag kandidieren Oliver Gortat, Ralph Freund und Stefan Metzger. Eine Podiumsdiskussion, moderiert vom SÜDKURIER, findet am Dienstag, 7. März, um 19 Uhr in der Turn- und Festhalle statt.