An Fronleichnam wird es in Sipplingen traditionell voll. Der Blumenteppich ist mittlerweile so bekannt, dass man neben vielen Einheimischen auf viele Touristen aus der ganzen Welt trifft. Menschen aus Finnland, Frankreich, Estland und der Schweiz, um nur ein paar Länder aufzuführen, folgen mit Bewunderung und Freude dem Weg der kunstvoll arrangierten Blumenbilder auf der Straße. Der Sipplinger Parkplatz ist vollbelegt und an der Hauptstraße unterhalb der Kirche halten Busse und lassen immer wieder zahlreiche Menschen aussteigen.

Das Ehepaar Christel und Wolfram Schlör aus Köln ist schon zum zweiten Mal dabei: „Wir übernachten in Sipplingen und dann geht es weiter zu unserer Tochter, die in der Schweiz wohnt.“
Das Ehepaar Christel und Wolfram Schlör aus Köln ist schon zum zweiten Mal dabei: „Wir übernachten in Sipplingen und dann geht es weiter zu unserer Tochter, die in der Schweiz wohnt.“ | Bild: Petra Hofmann

Die Pfarrkirche St. Martin ist ebenfalls vollbelegt. Vor der geöffneten Kirchentür drängen die Menschen in die Kirche, um einen Blick auf die feierliche Fronleichnamsprozession zu erhaschen. Die gemeinsam gesungenen Lieder werden, ebenso wie die Predigt, über Lautsprecher nach draußen übertragen. Kurz nach zehn Uhr ist es dann soweit: Angeführt von der Bürgermiliz, dem Spielmannszug und den Kommunikanten trägt Pfarrer József Biró unter dem prächtigen Baldachin die Monstranz mit der Hostie zu den vier Stationsaltären.

Pfarrer József Biró, unter dem „Baldachin“, trägt in seinen Händen die Monstranz mit der Hostie.
Pfarrer József Biró, unter dem „Baldachin“, trägt in seinen Händen die Monstranz mit der Hostie. | Bild: Petra Hofmann

„Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“, spricht er das Evangelium nach Matthäus, Kapitel 28, an der ersten Station. Der Pfarrer betet gemeinsam mit den Menschentrauben, die der Prozession folgen. Nach der Segnung erfolgen laute Gewehrschüsse von der Miliz sowie Kanonenschüsse. Behutsam gehen die Menschen neben dem Blumenteppich. Denn die Blumenpracht soll schließlich noch bis in den späten Nachmittag schön aussehen. Einzig der Pfarrer darf auf dem Blumenteppich wandeln.

Christa Seeger aus Friedrichshafen und Elizabeth Nisch aus Sipplingen zusammen mit ihrem Urenkel Tobias Schwörer. „Der Urenkel darf für das Foto auch mal kurz auf den Blumenteppich“, meint sie augenzwinkernd.
Christa Seeger aus Friedrichshafen und Elizabeth Nisch aus Sipplingen zusammen mit ihrem Urenkel Tobias Schwörer. „Der Urenkel darf für das Foto auch mal kurz auf den Blumenteppich“, meint sie augenzwinkernd. | Bild: Petra Hofmann

Seit den frühen Morgenstunden haben die Sipplinger an ihrem Blumenteppich sorgfältig, fantasievoll und liebevoll gearbeitet. Der grüne Rasenschnitt, auf denen biblischen Motive und Blumenornamente mit Blumenblättern ausgelegt sind, stammt zum Teil vom Sportplatz. Jeder, der ein Stück des Teppichs mitgestaltet, kann sich dort frisches Grün abholen.

Impression vom Blumenteppich zur Heiligen Messe der Eucharistie in Sipplingen.
Impression vom Blumenteppich zur Heiligen Messe der Eucharistie in Sipplingen. | Bild: P. Hofmann

Doch was ist mit den Insekten? In Aasen – einem Teilort von Donaueschingen – hat sich die Kirchengemeinde aufgrund des zu drastischen Rückgang der Insekten und Bienen in diesem Jahr dazu entschieden, auf einen Blütenteppich zu verzichten.

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Die Bedenken werden in Sipplingen nicht geteilt. So verweist Elizabeth Nisch auf die „alte Tradition und den großen Zulauf der Besucher.“ Außerdem kämen die Blumen aus den Gärten der Sipplinger, „und nicht“, wie ein anderer Besucher erklärt, „von Wiesenblumen“.