Es sind Bilder, die berühren. Die Fotografien der jungen baschkirischen Regisseurin Gulnaz Makieva, die seit gestern in der Sipplinger Bahnhofsgalerie zu sehen sind, spiegeln menschliche Nähe wider und stellen bestenfalls Beziehungen zwischen Bild und Betrachter her, wie es Nadja Wintermeyer bei der Eröffnung der Ausstellung formulierte. Sprache und Worte kommen oft an Grenzen, die Fotografien helfen dagegen, Grenzen zu überwinden, ja, neue Dimensionen des "Einander-erfahrens" zu ermöglichen, erklärte die Vorsitzende des Freundeskreises "Brücke nach Ufa", der nach dem Absturz eines baschkirischen Flugzeuges im Juli 2002 über Überlingen, bei dem 49 Kiinder ums Leben kamen, entstanden ist. Vorsitzende Nadja Wintermeyer dankte insbesondere Bürgermeister Oliver Gortat für die Gastfreundschaft der Gemeinde bei der Ausstellung und dem Betreuer der Galerie, Christian Scheel, für dessen professionelle Hilfe.

Die Fotografin Gulnaz Makieva (32) hat als junge Filmregisseurin begonnen und ihren Beruf ohne Studium von der Pike auf gelernt. Hier bei ihrem Besuch Anfang November. Bild: Hanspeter Walter
Die Fotografin Gulnaz Makieva (32) hat als junge Filmregisseurin begonnen und ihren Beruf ohne Studium von der Pike auf gelernt. Hier bei ihrem Besuch Anfang November. Bild: Hanspeter Walter

Anlass zu Begegnungen und Gesprächen seien Ausstellungen an sich, sagte Bürgermeister Gortat in seiner Begrüßung. Für jeden Küsntler sei es wichtig, seine Werke zu zeigen und ein Gespräch darüber in Gang zu bringen. "Er will wissen, wie seine Werke wirken", sagte Gortat, "und Impulse für neue Ideen bekommen."

Die Bilder von Gulnaz Makieva erzählen nicht nur die Geschichte einer traditionellen Hochzeit. Zu sehen sind baschkirische historische Kostüme, zu denen für die Frauen ein ganz besonderer Schmuck gehört, der Monisto. Er gab zugleich der ganzen Ausstellung ihren Namen, dessen sprachliche Wurzeln Wintermeyer mit Hinweisen auf indoeuropäische, lateinische und griechische Begriffe zu nähern versuchte. Bilder der baschkirischen Fotografin waren schon 2014 im Rahmen eines Wettbewerbs "Vermächtnis der Generationen" gewürdigt worden.

Schönheit und Grazie vor morbider Ruinenkulisse der Vergänglichkeit.  Bild: Gulnaz Makieva
Schönheit und Grazie vor morbider Ruinenkulisse der Vergänglichkeit. Bild: Gulnaz Makieva

Die Motive stellen baschkirische Frauen in landestypischen traditionellen Trachten den alten Gebäuden und ihren schmucken Details gegenüber, von denen bisweilen nur noch Ruinen geblieben sind. "Vielleicht sind wir die letzte Generation, die das bewundern darf", erklärte Nadja Wintermeyer. Zu ahnen ist dies schon in Fotografien, wo das alte Brauchtum von der modernen Stadt verschluckt zu werden droht. Ungeachtet dessen dominiert in den Bildern die Schönheit, die zum einen in Gefahr ist, zum anderen aber dazu geeignet ist, Brücken zwischen Menschen zu bauen, wie es auch der Freundeskreis "Brücke nach Ufa" versucht.

 

Ausstellung und Film

Die Fotoausstellung "Monisto" von Gulnaz Makieva ist bis zum 21. Dezember in der Galerie im Bahnhof in Sipplingen zu sehen, Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 11 bis 14 Uhr. Am kommenden Sonntag um 18 Uhr wird in der Galerie der Dokumentarfilm "Erreichen den Himmel" von Gulnaz Makieva gezeigt, der die Folgen des Flugzeugabsturzes für die Familien beleuchtet.