„Ich möchte unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Ländern treffen, mehr über andere Kulturen kennen lernen und neue Freunde gewinnen.“ Rui Han aus China ist eine von 18 jungen Menschen im Alter zwischen 19 und 29 Jahren, die derzeit in einem Workcamp des Service Civil International (SCI) zu Gast in Sipplingen sind. Sie kommen aus Deutschland, China, Italien, Kroatien, Russland, Serbien, Spanien, Taiwan, Tschechien und der Türkei. Die Leitung haben der 20-jährige Thomas Huber aus Lörrach und die ein Jahr ältere Iryna Rohoza aus der Ukraine. „Alles ist ausgezeichnet und die Teilnehmer sind sehr angenehmen“, hebt Iryna hervor.

Wie schon in den Workcamps in den zurückliegenden Jahren stehen Arbeiten in der Bodensee-Steiluferlandschaft im Mittelpunkt. Denn auf den Wiesen, die durch EU-Richtlinien besonders geschützt sind, leben zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten, deren Lebensraum ohne die Kultivierung der Landschaft verloren ginge. Die Aufgabe der Freiwilligen ist es deshalb, die Steilhänge zu säubern. Außerdem mähen die SCI-Teilnehmer Flächen am Südhang. Als lokaler Partner agiert das Owinger Landschaftspflegeunternehmen Proland von Gerhard Weyers.

Als Unterkunft dient den jungen Helfern ein Zeltlager am Westhafen, bestehend aus drei Übernachtungs- und einem großen Küchenzelt. Die Gemeinde stellt dem Workcamp die Fläche, das Wasser und den Strom zur Verfügung, während das Land die Kosten übernimmt und das Deutsche Rote Kreuz Feldbetten liefert. In der Freizeit stehen Ausflüge zur Bodensee-Wasserversorgung, Segeltörns, Schiffsrundfahrten, Grillabende und eventuell der Goldbacher Stollen auf dem Programm. Außerdem ist das Ökomobil des Regierungspräsidiums zum Thema Wasser vor Ort .

Im Mittelpunkt ihres Aufenthaltes stehen das Roden von Gehölzen sowie das Entfernen von Reisig und Grasschnitt von den Pflegeflächen in der Bodensee-Steiluferlandschaft.
Im Mittelpunkt ihres Aufenthaltes stehen das Roden von Gehölzen sowie das Entfernen von Reisig und Grasschnitt von den Pflegeflächen in der Bodensee-Steiluferlandschaft. | Bild: Holger Kleinstück

Dass den jungen Menschen der Aufenthalt am Bodensee viel Spaß macht, wird im Gespräch mit dem SÜDKURIER deutlich. Rui Han aus China mag insbesondere den See und seine Umgebung und weist darauf hin, dass Naturschutz in ihrer Heimat keine Rolle spielt. „Ich denke aber, dass jeder eine Verantwortung hat, die Umwelt und die Erde zu schützen“, sagt die 23-Jährige. Hsin-Ying Chan aus Taiwan liebt es zu sehen, wie die Menschen am See ihre Zeit verbringen. „Es sieht so aus als dass jeder Moment kostbar ist“, so die 24-Jährige. Während die Spanierin Anna Traver Ramos die unternommenen Besichtigungen und hübsche Wanderungen hervorhebt, rühmt Iryna Rohoza den grandiosen Blick auf die Alpen. „Und ich habe zum ersten Mal einen Zeppelin gesehen.“

Warum sie an dem SCI-Workcamp teilnehmen? Für Rui Han ist das klar: „Ich möchte verschiedene Erfahrungen in meinem Studentenleben sammeln.“ Ins gleiche Horn bläst Anna Traver Ramos, die mit anderen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zusammen leben möchte, um mit ihnen Wissen und Erfahrungen zu teilen. „Dieses Camp ist ein große Erfahrung für unser Leben“, fügt die 22-Jährige an. Den Unterschied zu ihrer Heimat verdeutlicht Rui Han, die in der Mitte von China lebt. „In meiner Stadt leben rund zehn Millionen Menschen. Hier in Sipplingen sind es gerade einmal 2200“, sagt die 23-Jährige, die seit einem Jahr in Deutschland ist. „Deutschland ist schön und freundlich. Ich liebe dieses Land.“

Monika Preuß von der SCI-Bundesgeschäftsstelle Bonn, die die jungen Menschen einen Vormittag besucht, unterstreicht die Relevanz, dass junge Menschen zusammenkämen, um über Landesgrenzen hinweg gemeinsam in Frieden zu leben. „Die SCI-Camps stellen unter Beweis, dass das geht.“


Sinn und Zweck der SCI-Camps

Die Organisation: Der Service Civil International (SCI) ist eine gemeinnützige, internationale Freiwilligenorganisation, die sich für Frieden, Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch einsetzt. Das erste Projekt, ins Leben gerufen von Schweizer Pazifisten, bestand 1920 im Wiederaufbau eines Dorfes bei Verdun. Der SCI verfügt über ein Netzwerk von 45 nationalen Zweigen auf fünf Kontinenten und arbeitet mit mehr als 100 Partnerorganisationen zusammen. Der deutsche Zweig des SCI wurde 1946 gegründet.

Der SCI in Deutschland ist als gemeinnütziger Verein organisiert.

Die Workcamps: Der wichtigste Arbeitsschwerpunkt des SCI sind die Workcamps. Das sind Freiwilligeneinsätze in internationalen Gruppen, die meist zwei bis vier Wochen dauern. In der Regel kommen 10 bis 20 junge Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen, um für ein Projekt zu arbeiten. Workcamps bedeuten aber nicht nur arbeiten und lernen, sondern auch zusammen leben, Kontakte knüpfen und Spaß haben. Seine Freiwilligendienste richtet der SCI mit lokalen Projektpartnern aus. Die Workcamps finden in 90 Ländern statt, allein in Deutschland organisiert der SCI etwa 50 pro Jahr. Neben der Arbeit im Workcamp – fünf bis sechs Stunden am Tag – beschäftigen sich die Freiwilligen im Studienteil mit Hintergrundthemen. Die Unterbringung ist häufig einfach, in Schulräumen, Zelten oder Häusern. Die Teilnehmer kochen reihum für die Gruppe. Durch die gemeinsame Arbeit und das Zusammenleben im Camp lernen sich die Teilnehmer schnell kennen. Unterstützt werden sie durch ehrenamtliche Campleiter. Campsprache ist in der Regel Englisch. Teilnehmen kann jeder – unabhängig von Alter, Nationalität oder Religion. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, im Inland 16 Jahre.

Das Hauptziel: Für den SCI steht der Beitrag im Vordergrund, den das Zusammenleben und Voneinanderlernen zu Frieden und Völkerverständigung leistet. (hk)

Weitere Informationen finden Sie unter: www.sci-d.de