Eine Fahrt des Ökumenischen Seniorenkreises von Sipplingen nach Renquishausen auf dem Heuberg im Landkreis Tuttlingen ist zu einem Ausflug mit möglicherweise weit reichenden Folgen für die Seegemeinde geworden. Die Sipplinger hatten sich im Herbst den Erntedankaltar von Renquishausen anschauen wollen. Dabei hörten sie von einer Zukunftswerkstatt, die von der 740 Einwohner zählenden Gemeinde soeben erfolgreich abgeschlossen worden war. Diese Form der Bürgerbeteiligung an der Entwicklung der Dorfgemeinschaft faszinierte die Sipplinger dermaßen, dass sie das Thema zur nächsten Bürgerinformation von Bürgermeister Anselm Neher mitnahmen. Joachim Scholz von der Bürgerselbsthilfe Sipplingen stellte das Projekt in der Informationsveranstaltung vor. Bürgermeister Anselm Neher zögerte nicht lange und begrüßte, dass aus einer Bürgerinformation so ein Bürgerdialog werden könnte. Scholz, gerade pensionierter Schulleiter der Camp hill-Schulgemeinschaft, nahm die Angelegenheit in die Hand und noch vor Weihnachten hatten die Sipplinger einen Fragebogen in ihrem Briefkasten. Die Resultate dieser Befragung stehen im Mittelpunkt des ersten Bürgerdialogs, zu dem die Gemeinde und die Bürgerselbsthilfe Sipplingen nun alle Bürger am 5. März von 14 Uhr bis 17.30 Uhr ins katholische Pfarrheim einladen.

„Dieser Nachmittag wird mit sehr kurzen Impulsreferaten zu den Themen beginnen, die in dem Fragebogen aufgelistet waren“, sagt Joachim Scholz im SÜDKURIER-Gespräch (siehe Infokasten). „Unser Ziel ist es, die Vielfalt der für Sipplinger wichtigen Themen sichtbar zu machen, sie persönlich zu gewichten und Impulse für die Weiterentwicklung zu geben.“ Konkret bedeute dies, dass sich die Anwesenden nach den Impulsvorträgen in kleinen Gruppen um die insgesamt sieben Thementische versammeln würden und dort etwa zehn Minuten lang Meinungen zum jeweiligen Thema austauschen und auf Moderationskarten festhalten könnten. Dann wechselt die Gruppe zum nächsten Thementisch. „So erreichen wir, dass sich alle Anwesenden zum jeweiligen Thema informieren können, Neues aus der Gemeinde erfahren oder erleben, wie die Dinge aus einem anderen Blickwinkel bewertet werden können. Es entsteht ein Dialog unter den Bürgern“, sagt Joachim Scholz. Den Abschluss des Nachmittags bildet die Verteilung von Unterstützungspunkten. Jeder der Anwesenden kann an die Themen, die er besonders wichtig findet, Unterstützungspunkte verteilen. „Daraus ergeben sich für die Gemeinderäte und die Gemeindeverwaltung Impulse, die sie in ihre Arbeit einfließen lassen können“, sagt Scholz.

Der erfahrene Pädagoge hat zusammen mit anderen die rund 70 Fragebögen ausgewertet, die ihm vor Weihnachten zurückgegeben wurden. Er hat die Ergebnisse in einem Kuchendiagramm festgehalten: „An der Verteilung der von Bürgern genannten Themengebiete zeigt sich, dass es in Sipplingen nicht ein großes Thema gibt, das alles andere überlagert. Vielmehr besteht für alle Themen gleichermaßen Interesse“, sagt Scholz. So zeigten ungefähr gleich viele Bürger Interesse an den Themen Bauen und Infrastruktur (20 Prozent), Familie (17 Prozent), Tourismus (13 Prozent) und Alter (15 Prozent). Dahinter rangieren die Themen Kultur (12 Prozent), Wirtschaft und Bürger (jeweils 9 Prozent) und Sonstiges (5 Prozent).

Um den ersten Bürgerdialog möglichst effizient zu gestalten, hat Joachim Scholz ein Informationsblatt entwickelt. Es soll den Teilnehmern an der 1. Zukunftswerkstatt als Leitfaden dienen und wird mit einer Einladung in den nächsten Tagen in die Briefkästen der Bürger verteilt werden. Dort sind mögliche Fragen an die Gesprächskreise des Bürgerdialogs formuliert. Joachim Scholz ist vom Erfolg überzeugt: „40 Sipplinger haben sich im Dezember angemeldet, sie werden teilnehmen.“