Klaus Dieter Silz sitzt auf gepackten Koffern. Seinen Lebensabend hatte sich der Rentner anders vorgestellt. Aus Ravensburg zog er mit seinem Wohnwagen in die Nähe seiner Tochter nach Salem. Sie hat ihm ein kleines Grundstück bei Rickenbach vermittelt, auf dem er in seinem Wohnwagen und mit seinem Hund Tommy leben wollte.

Silz richtet sich auf dem Grundstück häuslich ein

Das war vor fast zwei Jahren. Die Rickenbacher nennen die Grundstücke „Kappesländer“. Seine Tochter brachte ihn über Bekannte mit einem der Eigentümer zusammen. Da das Feld brach lag, verpachtete er das Land an Silz.

Der richtete sich daraufhin auf dem Ländchen mit seinem Wohnwagen ein. „Schon nach zwei Monaten wurde ich angesprochen, ob das denn erlaubt sei“, erinnert sich der 70-Jährige.

Silz Wohnwagen war recht nah an der Gemeindestraße zwischen Rickenbach und Baufnang aufgestellt. Auf die Fragen und Beschwerden hin setzte er den Wohnwagen zurück. Doch die Beschwerden nahmen anscheinend kein Ende.

Die Gemeinde Salem wurde aktiv und unterrichtete das Landratsamt. Daraufhin erhielt der Eigentümer des Flurstücks Nummer 156 auf der Gemarkung Rickenbach in Salem eine „baurechtliche Verfügung“.

Aufforderung, alles zu räumen

Die wurde ihm „mit Postzustellungsurkunde“ zugestellt. Darin wurde der Verpächter „aufgefordert, sämtliche auf dem Grundstück errichteten baulichen Anlagen, sowie die auf dem Grundstück gelagerten Gegenstände und Materialien unverzüglich zu beseitigen“.

Diese seien insbesondere „der aufgestellte Wohnwagen mit Vorzelt, die errichtete Einfriedung (Zaun) und das Nebengebäude/Gartenhäuschen“. Zudem wurde „die Nutzung des Grundstücks zu Wohnzwecken mit sofortiger Wirkung untersagt“.

Silz verstand die Welt nicht mehr. Hatte er doch niemanden geschadet. „Ich hatte einen Sichtschutz aufgestellt und mit dem Nebengebäude war mein Gewächshäuschen gemeint“, erläutert er. Das Gewächshäuschen sei nur 1,5 auf 1,8 Meter groß und für Tomaten bestimmt gewesen. Zaun und „Tomatenhäusle“ wurden abgebaut, doch der Wohnwagen blieb.

Eigentlich ein idyllisches Fleckchen Erde mit Blick zum Heiligenberg.
Eigentlich ein idyllisches Fleckchen Erde mit Blick zum Heiligenberg. | Bild: Mardiros Tavit

Die Räumungsverfügung des Amtes hat Silz weniger gestört als die Androhung von Zwangsgeldern. „Niemand hat mit uns vorab geredet. Es wurde gleich ein Zwangsgeld verhängt“, Silz ist verärgert. Die Verpachtung sehe aus wie eine „Straftat“.

Das Zwangsgeld lag insgesamt bei 1150 Euro zur Beseitigung des Wohnwagens (500 Euro), der Einfriedung (150 Euro) und des Nebengebäudes (500 Euro). Für die Beseitigung wurde eine Frist von gut drei Wochen eingeräumt.

Für das weitere Bewohnen des Grundstücks wurde „die Festsetzung eines Zwangsgelds in Höhe von 1500 Euro angedroht“. Die Verfügung schloss mit den Worten ab: „Für diese Entscheidung wird eine Gebühr in Höhe von 56 Euro erhoben.“ Es folgten drei eng beschriebene Seiten Rechtsbelehrung. Das war im Mai vergangenen Jahres.

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Daraufhin wurde der Wohnwagen versetzt. Der Grundstückseigentümer informierte das Landratsamt, dass der Wagen nicht mehr auf seinem Grundstück, sondern nun auf dem Nachbargrundstück steht. Woraufhin das Amt für Kreisentwicklung und Baurecht bei der Gemeinde Salem um Amtshilfe bat, „mittels GPS die genaue Lage des Wohnwagens zu überprüfen“.

Da sich der Wagen immer noch auf dem Grundstück befand, wurde eine neue Frist ausgesprochen. Bis Mitte August 2020 solle der Wagen weg, sonst sah sich das Amt „gezwungen“, dem Eigentümer das im Mai „angedrohte Zwangsgeld in Höhe von 500 Euro Euro festzusetzen“.

Klaus Dieter Silz zeigt, wie sein Wohnwagen auf den Grundstücksgrenzen steht.
Klaus Dieter Silz zeigt, wie sein Wohnwagen auf den Grundstücksgrenzen steht. | Bild: Mardiros Tavit

Das Katz- und Maus-Spiel ging weiter. Der Wagen wurde erneut versetzt, diesmal ganz an den Rand des Feldes, dort wo das Gehölz anfängt. Es folgte wieder eine GPS-Peilung. Diesmal mit einem überraschenden Ende. Der Wohnwagen stand auf vier Grundstücken. Da ein coronabedingter Lockdown und Ausgangsbeschränkungen folgten, ruhte das Verfahren. Dann kam der Winter.

Frist läuft Ende März aus

Anfang des Jahres wurde das Ganze wieder aufgenommen, die endgültige Frist für die Räumung von Amts wegen auf Ende März gesetzt. Die vier Eigentümer, auf deren Grundstücken der Wohnwagen jetzt steht, nahmen sich gemeinsam einen Anwalt und gingen nun ihrerseits gegen das „unerlaubte Aufstellen eines Wohnwagens“ vor. Silz solle „den Wohnwagen unverzüglich, spätestens bis zum 10.03.2021 von den Grundstücken beseitigen“.

Auf dem Nachbargrundstück sieht es wilder aus als bei Klaus Dieter Silz. Hier steht auch das, was bei ihm beanstandet wurde: Gartenhaus und Nebengebäude. Im Gegensatz zum Grundstück von Silz finden sich hier auch Blenden, Unrat, Paletten und eine offene große Feuerstelle.
Auf dem Nachbargrundstück sieht es wilder aus als bei Klaus Dieter Silz. Hier steht auch das, was bei ihm beanstandet wurde: Gartenhaus und Nebengebäude. Im Gegensatz zum Grundstück von Silz finden sich hier auch Blenden, Unrat, Paletten und eine offene große Feuerstelle. | Bild: Mardiros Tavit

Silz hat den Ärger satt. Er suche schon länger eine Wohnung, finde aber keine. „Ein alter Mann mit 70 Jahren und einem Hund, den will keiner“, stellt der Raucher resigniert fest. Er habe sein Leben lang gearbeitet, nun sei er von Obdachlosigkeit bedroht.

Der SÜDKURIER hat beim Landratsamt nachgefragt. Pressesprecher Robert Schwarz antwortet.

Klaus Dieter Silz arbeitete im Rollladenbau. In seiner Wehrpflicht sei er Fallschirmspringer gewesen, habe den Überlebenslehrgang absolviert. Danach war er Reifentechniker, habe vier Jahre mit Italienern im Pflasterbau gearbeitet.

„Eine Zeitlang war ich bei der Post, dann Schweißer.“ Nach dem Schweißerlehrgang war er bei einer Firma für Industrie- und Tankanlagen beschäftigt, dann war er bis zu seiner Verrentung auf Montage.

Klaus Dieter Silz mit Hündchen Tommy.
Klaus Dieter Silz mit Hündchen Tommy. | Bild: Mardiros Tavit

„Ich suche ja, finde nichts. Die setzen mich auf die Straße.“ Er gehe in keine Sozialeinrichtung. Und seinen Hund Tommy gebe er für eine Wohnung auch nicht her. „Er ist schon 14 Jahre bei mir.“ Als er seine Honda CBR hatte, fuhr Tommy bei ihm in einer selbstgebastelten Kiste auf dem Sozius mit. Sieben, acht Wohnungsanfragen liefen: „Ich warte auf die Rückrufe.“

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