Viele Vereine halten ihre Mitgliederversammlungen normalerweise im ersten Quartal des Jahres ab. Nicht nur, weil es die Satzung so vorschreibt. Wegen der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Versammlungsverbots sind Zusammenkünfte derzeit erneut nicht erlaubt. Doch die Vorstände der Vereine wollen den Mitgliedern gegenüber Rechenschaft ablegen, wie Achim Knobelspies, Vorsitzender des Skiclubs Salem, erklärt. Er fühle sich den Vereinszugehörigen ebenso wie der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet. Klaus Hoher, der dem Grasbeurener Reit- und Fahrclub vorsteht, sah sich Ende 2020 wegen anstehender Wahlen sogar veranlasst, eine Jahresversammlung mit Anwesenheit der Mitglieder einzuberufen.

Beim Skiclub kommen 90 Mitglieder online zusammen

Das elfköpfige Vorstandsgremium des Skiclubs Salem organsierte erstmals in der Vereinsgeschichte eine digitale Hauptversammlung. 90 Mitglieder kamen übers Internet zusammen: „Ich war sehr beeindruckt ob der großen Zahl“, sagt Achim Knobelspies. Für gewöhnlich seien es bei einer Präsenzveranstaltung nur etwa zehn Mitglieder mehr. Das wertet der Vorsitzende als gute Resonanz und Interesse an der Vereinsarbeit trotz der Corona-Pandemie. Für das rund eineinhalbstündige digitale Treffen nutzte der Vorstand die Videokonferenz-App Zoom. Probleme gab es gemäß Knobelspies während des Online-Formats nicht. Auch die älteren Mitglieder seien sehr gut mit der Technik rund um die virtuelle Zusammenkunft zurechtgekommen.

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Statt einer sonst üblichen Show mit Bildern der Saison 2019/20 lief eine gemeinsame Power-Point-Präsentation ab. Schließlich musste die Wintersportsaison „trotz intensiver Vorbereitungen“, wie Knobelspies sagt, coronabedingt abgesagt werden. Davon abgesehen sei es eine normale Mitgliederversammlung gewesen. Sogar ein neuer Kassenprüfer konnte gewählt und ein Gewinnspiel gespielt werden. Der zugeschaltete Ehrenvorsitzende Ralf Riethmüller sorgte für die notwendige Entlastung des Vorstands und damit für das endgültige Vorjahres-Saisonende.

Auch Abstimmung bei digitaler Versammlung möglich

Für die Abstimmungen wählte das Vorstandsgremium den Sonderweg über Gegenstimmen-Abfrage: Dabei meldeten sich nur diejenigen Mitglieder, die mit einem Vorschlag nicht einverstanden waren. Beschlüsse wurden nicht gefasst. Die erste digitale Hauptversammlung des Skiclubs Salem sei demnach erfolgreich gewesen, fasst der Vorsitzende zusammen.

Der letzte Skikurs fand in Balderschwang am 7.und 8. März 2020 statt. Seither müssen die Angebote des Vereins coronabedingt pausieren.
Der letzte Skikurs fand in Balderschwang am 7.und 8. März 2020 statt. Seither müssen die Angebote des Vereins coronabedingt pausieren. | Bild: Skiclub Salem

Reit- und Fahrclub tagt Ende 2020 trotz Pandemie-Lage in Präsenz

Klaus Hoher in seiner Funktion als Leiter des Reit- und Fahrclubs im Salemer Ortsteil Grasbeuren hatte sich trotz Pandemielage Ende 2020 gegen eine Onlineversammlung entschieden. Ein neuer Kassenwart habe dringend gewählt werden müssen und die Vereinssatzung habe keine Online-Abstimmung hergegeben. So bereitete Hoher die Sitzung entsprechend der Corona-Bestimmungen vor und meldete sie im Rathaus an. Die Mitglieder kamen im Dorfgemeinschaftshaus zusammen. Hoher betont: „Abstand halten ist bei unserem kleinen Club kein Problem.“

Laut Gesetz ist eine Hauptversammlung nicht zwingend nötig

Welche rechtlichen Regelungen gelten für die Hauptversammlung eines Vereins? Der Freiburger Rechtspfleger Bruno Kaufmann vom Registergericht, das für den Bodenseekreis zuständig ist, erläutert die Gesetzeslage. Er sagt, Hauptversammlungen müssten derzeit nur dann einberufen werden, wenn etwas höchst Dringendes vorliege. „Die Vereinsexistenz ist ohne Mitgliederversammlung nicht gefährdet“, betont er. Gebe es keine Zusammenkunft der Mitglieder, heiße dies lediglich, dass im Verein nichts laufe. „Denn innerhalb der Mitarbeiterversammlung findet das Vereinsleben statt.“ Und das Leben im Verein mache ja pandemiebedingt gerade meist Pause, das Versammlungsverbot verbiete Präsenzveranstaltungen. Wenn in der Vereinssatzung ein entsprechender Passus stehe, seien Online-Sitzungen möglich.

Bis Jahresende können digitale Versammlungen einberufen werden

Darüber hinaus verweist der Rechtspfleger auf das 2020 in Kraft getretene Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Covid-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht. Vorerst bis zum Jahresende ermöglicht es den Vorständen von Vereinen, digitale Versammlungen einzuberufen sowie digital Beschlüsse zu fassen, wenn alle Mitglieder einverstanden sind. Grundsätzlich rät Kaufmann aber dazu, Generalversammlungen auf einen späteren Termin zu verschieben. Denn je nach Altersstruktur und Computerkenntnissen sei eine virtuelle Veranstaltung für manch ein Mitglied nicht zumutbar.

Amtsinhaber können so lange im Amt bleiben, bis ordnungsgemäße Neuwahl möglich ist

Bei anstehenden Vorstandswahlen könne in der Regel der Amtsinhaber solange im Amt bleiben, bis eine ordnungsgemäße Neuwahl möglich sei. Selbst wenn ein Vorstandsmitglied sein Amt gegenüber einem anderen Vorstand niederlege, können die Amtsgeschäfte laut Kaufmann von den verbliebenen Gremiumsmitgliedern weitergeführt werden. Genaue Informationen finden sich auf der Homepage des zuständigen Amtsgerichts Freiburg.