Wenn es um die Digitalisierung in der Landwirtschaft geht, ist Roman Strasser ganz bei der Sache. „Dafür brenne ich“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Roman Strasser ist von Beruf Agrarökonom. Der 33-Jährige arbeitet als Betriebsleiter bei der Markgräflich Badischen Verwaltung in Salem. Mit einem Angestellten, zwei Auszubildenden und Saisonkräften ist Strasser für 750 Hektar Ackerfläche verantwortlich.

WhatsApp zur Koordinierung der Arbeit

Roman Strasser koordiniert den Einsatz seiner Mitarbeiter auf mehreren Äckern digital mit einem Messenger-Dienst. „Wir bilden eine WhatsApp-Gruppe und stehen so permanent in Verbindung“, sagt er. Früher habe man dafür CB-Funk eingesetzt: „Aber das war viel teurer und musste extra installiert werden.“ So kann Roman Strasser beispielsweise die Versorgung mit Saatgut und die Aussaat auf mehreren Ackerflächen optimal koordinieren. „Wir liefern das Saatgut mit einem Hänger an das Fahrzeug aus, das auf dem Acker die Aussaat verteilt. Wenn ein Mitarbeiter das Saatgut auf einem Acker fertig ausgeteilt hat, informiert er die WhatsApp-Gruppe und sagt, wohin er als nächstes fährt. Der Fahrer des Lieferfahrzeuges weiß so exakt, wann er das Saatgut zeitgenau und wo anliefern muss.“

„Service-Fahrzeuge finden uns auf dem Acker“

Doch nicht nur bei der Koordination der Arbeitseinsätze kommen Messenger-Dienste zum Einsatz. Strasser: „Früher war es immer kompliziert, Servicedienste zu den Maschinen zu lotsen, wenn dort irgendetwas zu reparieren war.“ Man habe sich an Straßen- oder Wegkreuzungen verabreden müssen, um die Service-Fahrzeuge zu dem Acker zu leiten, auf dem die Maschine steht. „Heute geht das alles per Messenger-Dienst, die Service-Fahrzeuge finden uns auf dem Acker“, sagt Strasser.

Der Bordcomputer des Traktors bietet dem Fahrer heute diverse Möglichkeiten der Aufgabenerteilung oder Information an.
Der Bordcomputer des Traktors bietet dem Fahrer heute diverse Möglichkeiten der Aufgabenerteilung oder Information an. | Bild: Schnurr, Michael

GPS-Steuerung steigert die Effizienz

Auch das gehört zur Digitalisierung: Die GPS-Steuerung der Maschinen. „Alle haben einen Empfänger auf dem Dach“, sagt Strasser. Der Traktor selbst wisse zwar nicht, wo er sich befindet, aber man könne ihm sagen, wie er sich im Raum beziehungsweise auf dem Acker bewegen solle. „Das geht beim Grubbern (Durchmischen des Oberbodens) beispielsweise mit einer Genauigkeit von 1,5 Zentimeter Abstand von einer Grubberlinie zur nächsten.“ Wenn die Fläche keine geraden Ränder besitze, komme es schnell dazu, Gebiete auszulassen oder doppelt zu bearbeiten, wenn man über mehrere Stunden ohne Computerunterstützung führe.

Computer steuert den Traktor

Strasser: „Auch durch die Verwendung von Satelliten kann ich dies verhindern. Ich kann mir die Fläche über Google Earth ansehen, sie rausnehmen und darauf die Spur porträtieren, die ich fahren will.“ Die so erstellte Datei lese er in den Computer des Traktors ein und der Rechner steuere das Gefährt exakt nach den vorgegebenen Linien. Bei der Aussaat sei die automatische Teilbreitenschaltung sehr wichtig. Damit habe er ein digitales Steuerelement zur Verfügung, durch das die Maschine genau wisse, wo sie schon gesät habe. „Saatgut ist teuer“, sagt der Agrarökonom, der als wirtschaftlich denkender Mensch weitere Vorteile aufzählt, die er beim Ackerbau durch die Computersteuerung erreichen kann: Das geht von der Einsparung des Treibstoffes, über die perfekte Standraumverteilung beim Säen, Düngen oder dem Ersatz von Pflanzenstärkungsmitteln oder Bodenhilfsstoffen bis hin zu Pflanzenuntersuchungen, die von der Maschine während der Arbeit vorgenommen werden und danach bestimmt, wo sie wie viel düngt.

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