Die gute Nachricht zuerst: Ihre Einsatzfähigkeit haben die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren aus Salem, Frickingen und Stetten im vergangenen Jahr in den Einsätzen bestens unter Beweis gestellt – trotz der Pandemie-Auflagen und deren Auswirkungen: Über sieben Monate hinweg durften sie kaum proben. Um die Wehren als systemrelevante Organe einsatzfähig zu halten und vor Ausfällen durch Covid-19-Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen zu schützen, fielen die Probetermine von März bis Juli komplett aus. Von August bis Oktober war eingeschränktes Trainieren lebenswichtiger Handgriffe in kleinen Gruppen erlaubt. Seitdem ruhen Probebetrieb und Zusammenkünfte wieder. Nur im Alarmierungsfall wird ausgerückt.

„Phasenweise rücken weniger Feuerwehrleute aus“

Diese Situation sehen die Kommandanten langfristig kritisch. Aus verschiedenen Gründen. „Das Üben ist wichtig, damit unser erlerntes Handwerkszeug nicht verloren geht“, sagt Frickingens Kommandant Josef Kessler. Gerade im Bereich Atemschutz hält Salems Gesamtkommandant Jochen Fuchs das Trainieren für unerlässlich. „Die Atemschutzträger sind erheblichen zusätzlichen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt.“ Deshalb muss die Arbeit mit Atemschutz seiner Meinung nach dringend eingeübt werden. Auch die Neulinge, die Salemer Wehr verzeichnet aktuell 18 Neuzugänge, müssen gemäß Fuchs die lebensrettenden Handgriffe im Tun mit den anderen erlernen. Insgesamt beobachtet der Salemer Feuerwehrchef, „dass phasenweise weniger Feuerwehrleute anrücken, als alarmiert wurden“. Er führt das unter anderem auf Unsicherheiten durch fehlendes Einüben zurück.

Gruppenbild mit Abstand: Bei einem ihrer aktuellsten Treffen nutzte die Salemer Feuerwehr die Gelgenheit und stellte Aktive der Abteilungswehr Mimmenhaus vor einem Einsatzfahrzeug auf.
Gruppenbild mit Abstand: Bei einem ihrer aktuellsten Treffen nutzte die Salemer Feuerwehr die Gelgenheit und stellte Aktive der Abteilungswehr Mimmenhaus vor einem Einsatzfahrzeug auf. | Bild: Freiwillige Feuerwehr Salem
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Dagobert Heß sieht „Gefahr der Entfremdung“

Stettens Feuerwehrkommandant Dagobert Heß bringt noch den Wegfall der sozialen Komponente in Form geselligen Beisammenseins ins Spiel. Wenn die berechtigten und sinnvollen Einschränkungen noch sehr lange andauern, besteht für Heß die „Gefahr der Entfremdung“ der ehrenamtlich tätigen Kräfte. Denn: „Kameradschaftspflege ist doch der Kleber der Feuerwehr und ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Ausgleich für die mitunter belastende Feuerwehrarbeit“ erläutert Heß, der auch einer von drei Stellvertretern des Kreisbrandmeisters ist.

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Übungsdefizit könnte Auswirkungen auf Jahre haben

Die Feuerwehrkameraden spürten ebenfalls den Ausfall ihrer Festlichkeiten. Zwar müssen sie laut Josef Kessler für Gerätschaften und Uniformen nicht aufkommen, hätten aber trotzdem laufende Kosten. Die würden normalerweise über das Ausrichten von Festen gedeckt, beschreibt der Frickinger Wehrchef. Ein weiteres Manko sieht Kessler in der wegen der Corona-Pandemie ruhenden Mitgliederwerbung sowie in der Ausbildung von Neulingen. Die so entstehende Lücke werde sich in den nächsten drei Jahren noch zeigen, so Kessler.

FFP2-Masken sind „Fluch und Segen“ zugleich

Die Corona-Pandemie birgt noch ein weiteres Problem. Während der Einsätze müssen FFP2-Masken getragen werden. Fuchs bezeichnet sie als „Fluch und Segen zugleich.“ Gerade weil die Rettungskräfte im Auto oder im Ernstfall den Mindestabstand nicht einhalten könnten, schützten sie vor Infektionen und somit vor personellen Ausfällen. Trotzdem erschweren die Schutzmasken das Atmen während der oft körperlich anstrengenden Feuerwehrarbeit immens. Ganz zu schweigen von eingeschränkten Sichtverhältnissen bei Brillenträgern durch beschlagene Gläser. „Wenn du als Gruppenführer mit Mund-Nasen-Schutz funken musst, leidet die Qualität der Übermittlung“, beschreibt Kessler.

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Zahl der Einsätze sank durch Corona deutlich

Alles in allem äußern sich die Feuerwehrspitzen aus Salem, Frickingen und Stetten aber zufrieden mit dem abgelaufenen Einsatzjahr. Die Alarmierungen hätten ungeachtet der Umstände erfolgreich abgearbeitet werden können. Was auch an verschiedenen Effekten durch die Pandemie lag. Aus Salem ist zu hören, dass es in der Corona-Zeit merklich weniger Einsätze gegeben habe als vor der Pandemie. Die Stettheimer Spitze freut sich über einen anderen positiven Effekt im Pandemiejahr. Weil die Einsatzkräfte verstärkt von zuhause aus arbeiteten, seien sie besser erreichbar. Sprich, die Tagesverfügbarkeit hat sich verbessert, weil viele Kameraden im Homeoffice sind. Frickingens Kommandant zieht gleichfalls positive Bilanz eines „einsatztechnisch ganz normalen Feuerwehrjahrs“.

Kommandanten vermissen Möglichkeit, Wertschätzung zu zeigen

Was alle drei Feuerwehrleiter jedoch bedauern ist, dass sie Kameraden und Kameradinnen ihre ausstehenden Beförderungen und Ehrungen nicht zuteil werden lassen können. Geehrt und befördert werden soll erst wieder, wenn sich alle versammeln können, um die nötige Wertschätzung zu erreichen, so der allgemeine Tenor.