Mit 380 registrierten Straftaten im Jahr 2020 liegt die Gemeinde Salem 9,5 Prozent unter dem Vorjahreswert sowie unter dem Fünf-Jahres-Schnitt. Im gesamten Bodenseekreis war hingegen eine leichte Zunahme von 1,9 Prozent zu beobachten, was auf mehr Fälle von Wirtschaftskriminalität zurückzuführen ist. „Da kann ein Strafverfahren mit vielen Beteiligten den Schnitt verändern“, erklärte Stephan Stitzenberger, Leiter des Polizeireviers Überlingen. Er erläuterte die Sicherheitslage in Salem in der Gemeinderatssitzung.

Salem schneidet im Vergleich gut ab

Um die Gemeinden untereinander vergleichen zu können, werde mit der sogenannten Häufigkeitszahl gearbeitet, bei der die Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner betrachtet werde. Der Leiter des Polizeireviers Überlingen stellte die Werte der Gemeinden Salem (3330), Markdorf (4869) und Uhldingen-Mühlhofen (4305) einander gegenüber, wobei Bürgermeister Manfred Härle positiv aufnahm, dass Salem im Vergleich zu den beiden anderen Kommunen besser dastehe.

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Unterdurchschnittliche Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote für Salem sei zwar etwas gestiegen, liege jedoch mit 56,8 Prozent unter dem Wert von 65,9 Prozent für den gesamten Bodenseekreis, so Stitzenberger. Gemeinderätin Ursula Hefler von der CDU fragte daher, ob die Polizei in Salem unterbesetzt sei. Der Revierleiter verneinte und verwies auf die Deliktstruktur, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Aufklärungsquote habe.

Bei Drogendelikten sei diese beispielsweise sehr hoch, da es ohne Kontrollen keine registrierten Delikte gebe. Was die Internetkriminalität betreffe, falle die Quote hingegen sehr gering aus, da die Fälle oft nicht zurückverfolgbar seien oder nach einer späten Aufklärung nicht mehr in der Statistik auftauchten.

Polizeirat Stephan Stitzenberger ist Leiter des Polizeireviers Überlingen.
Polizeirat Stephan Stitzenberger ist Leiter des Polizeireviers Überlingen. | Bild: Hilser, Stefan

Keine Kapitalverbrechen in Salem

Die Deliktstruktur in Salem setze sich wie folgt zusammen: Fälle von Diebstahl traten deutlich weniger auf – hier gab es einen Rückgang von 27,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine leichte Zunahme gab es bei Vermögens- und Fälschungsdelikten sowie bei sonstigen Straftatbeständen wie zum Beispiel Beleidigungen, auch über das Internet. Ebenfalls ein deutlicher Anstieg von 77,8 Prozent wurde bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verzeichnet, was aber laut Stitzenberger auch daran liege, dass mehr angezeigt und somit aus dem Dunkelfeld geholt werde.

Wohnungseinbruchsdiebstähle wurden 2020 in Salem in zwei Fällen registriert, Kapitalverbrechen gar keine, wie der Revierleiter betonte. Kapitalverbrechen sind die Verbrechen, bei denen das Opfer zu Tode gekommen ist, oder bei denen der Täter versucht hat, das Opfer zu töten.

Verschiebung durch die Pandemie

Folgerungen aus der Statistik seien aufgrund der geringen Fallzahl mit Vorsicht zu genießen, schränkte Stitzenberger ein. Jedoch beobachte man aufgrund der Corona-Pandemie eine Verschiebung der Deliktsfelder weg von der sogenannten Eventkriminalität zur Wirtschaftskriminalität. Kontaktbeschränkungen und der Entfall von Festen hätten die Gelegenheiten für Straßenkriminalität und Wohnungseinbrüche eingeschränkt.

Betrug durch falsche Polizeibeamte

Ein großes Problem bleibe der Betrug durch falsche Polizeibeamte oder auch falsche Bankmitarbeiter: In Salem wurden 2020 zwei Fälle angezeigt, im gesamten Kreis 188. Hierbei würden gezielt Senioren ausgewählt und die Tätergruppen gingen organisiert und arbeitsteilig vor. Meist bleibe es beim Versuch, doch wenn dieser erfolgreich sei, führe das für die Geschädigten zu hohen Schadenssummen. „Meine Bitte ist hier, dass es bei versuchten Straftaten bleibt“, unterstrich Stitzenberger. „Niemand von der Polizei ruft bei Ihnen an und fragt nach Wertsachen.“

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