Es sind schwere Zeiten für Kunst und Kultur in Corona-Zeiten. So musste auch das Kulturforum Salem seine Kleinkunst-Veranstaltungen ausfallen lassen. Aber so ganz tatenlos wollten die Mitglieder des Kulturforum es nicht hinnehmen, dass sie zwar einen Etat für Kultur in der Gemeinde Salem haben, aber den Bürgern nichts bieten sollen. So reifte die Idee einer Live-Übertragung eines Bühnenprogramms im Internet.

Ute Landenberger alias Käthe Kächele und mit Abstand im Hintergrund Klavierhumorist Konstantin Schmidt waren die ersten Künstler bei der Premiere im ehemaligen großen Sitzungssaal der Gemeinde Salem.
Ute Landenberger alias Käthe Kächele und mit Abstand im Hintergrund Klavierhumorist Konstantin Schmidt waren die ersten Künstler bei der Premiere im ehemaligen großen Sitzungssaal der Gemeinde Salem. | Bild: Mardiros Tavit

„Mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen haben wir dann alles organisiert“, erzählte Arnim Eglauer, Forum-Mitglied und Gemeinderat in Salem, und fügte hinzu, „ungefähr der Vorlauf für eine Bekanntmachung im Gemeindeblatt“. Die Premiere einer Live-Übertragung wurde also mit heißer Nadel gestrickt. Obwohl Eglauer, zuständig für die Technik, im Vorfeld quasi viel im Untergrund experimentiert hat. „Im Keller habe ich versucht, eine Youtube-Übertragung zu testen.“

Arnim Eglauer, Mitglied des Kulturforums Salem: „Mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen haben wir alles organisiert.“
Arnim Eglauer, Mitglied des Kulturforums Salem: „Mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen haben wir alles organisiert.“ | Bild: SK

Er wollte lernen und verstehen, wie das Ganze funktioniert und welche Voraussetzungen für ein gutes Live-Streaming, also eine Übertragung über das Internet, erfüllt sein müssen. „Am Anfang dachten wir, die Übertragung mit über ein Handy reicht.“ Aber schnell erkannten er und seine Mitstreiter, dass sie damit an ihre Grenzen stoßen.

Eventmanager hilft mit Technik

Hilfe fanden sie bei Stefan Burgenmeister, Eventveranstalter aus Frickingen. Er konnte mit Erfahrung und nötiger Technik aufwarten. Im Gegensatz zu einem laienhaften Ansatz standen beim Live-Streaming nun vier Scheinwerfer, zwei Kameras, ein Videomischer im großen Sitzungsraum des alten Salemer Rathauses in Neufrach. Studio und Regieraum in einem. Was fehlte, waren die Zuschauer.

Die beiden professionellen Künstler ließen sich davon nicht beirren. „Bei dem Auftritt in der Sendung Kaffee oder Tee im SWR hatte ich auch kein Live-Publikum“, erinnerte sich Konstantin Schmidt, Musikkaberettist aus Gaggenau. Er musste als erster auf die improvisierte Bühne vor den elf Salemer Teilortwappen im Sitzungssaal. Wobei bei den Naheinstellungen Buggensegel besonders ins Zentrum rückte.

Vor 29 Jahren schrieb Schmidt seinen ersten Song. Ab 2000 professionalisierte er sich, bis er 2011 ein Einkommen vollends mit seinem Musikkabarett verdiente. 2011 ist auch das Todesjahr Georg Kreislers. Auch wenn dieser Zusammenhang nicht beabsichtigt war, macht Schmidt mit seinem Programm „Schmidternacht“ einer Musikkabarett-Größe wie Kreisler alle Ehre. Vier Songs verbindet er in gut 30 Minuten mit hintersinnigen Selbstgesprächen. Spitz formuliert, herrlich hintersinnig, teilweise absurd und mit schwarzen Humor. In bester Tradition der Klavierhumoristen wie Georg Kreisler.

Die Käthe Kächele

Auf Schmidt folgte Ute Landenberger in ihrer Rolle als Käthe Kächele. Nach Musikkabarett nun 30 Minuten bestes Mundart-Comedy. Wie Schmidt trat Kächele schon öfter im Salemer Kulturforum auf. Wobei sie diesmal mit ihrem Solo-Programm vor den Live-Stream-Kameras stand. Denn mit „Die Kächeles„ tritt sie auch im Duo auf. Auch ohne Publikum zog sie ihr Schwäbisches Comedy-Kabarett, wie sie es nennt, pointiert durch.

Käthe Kächele war in ihren Aussagen sozialkritischer als Schmidt. „Wenn du in dere Lage bischt, und Künschtlerin bischt, und überhaupt nicht systemrelevant bischt, da tuscht du dich scho arg schwer“, fing sie ihr Programm an. Und als Frau sei es besonders schwer, denn sie habe „so unheimlich viel zum Sagen, aber keiner hört mir zu“. In einem Satz war die Situation der Künstler in Corona-Zeiten abgesteckt. Denn abgesagte Auftritte und kein Publikum bedeutet für die Kleinkünstler keine Einnahmen.

Aber eigentlich ging es um ihren Karl Eugen, also den Geschlechterkampf in allen Lebenslagen. Und auch der Corona-Sicherheitsmaßnahmen galt ihre Aufmerksamkeit. Herrlich unterhaltsam, wenn sie im Schnellsprech ihrem virtuellen Gegenüber die Leviten las. Ein wunderbar pointierter Parforceritt durch die skurrilen Alltagsbegebenheiten und Ehesituationen.

Aber leider ohne Publikum. Die Profi-Künstler sagten im Anschluss selber, „du wirst auch vom Publikum getragen“. Stattdessen gibt es jetzt eine Stunde beste Unterhaltung vom Kulturforum, und das jederzeit aus dem Internet abrufbar.

Eine Rezension aus besseren Zeiten:

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