Es hat schon Tradition. Eine langjährige Kooperation verbindet den Salemer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mit einer engagierten Gruppe aus Mitstreitern in Polen. Die Zusammenarbeit begann schon vor rund 30 Jahren. Sie ist bis heute zum einen geprägt von einem fachlichen Austausch, zum anderen von handfester Unterstützung bei der praktischen Arbeit.

Umweltschützer aus Polen pflegen Biotope rund um Salem

Dieses Jahr waren die fünf Aktiven unter anderem im Naturschutzgebiet Schwarzer Graben zwischen Weildorf und Rickenbach im Einsatz, wo sie zum Beispiel die kleinen Tümpel teilweise freiräumen, um sie als Biotop für Amphibien zu erhalten. Insbesondere für Laubfrösche und Grasfrösche sind die Entwässerungskanäle des Hangenbachs zu einem wichtigen Lebensraum geworden. Es ist bereits das achte Jahr in Folge, dass die Helfer aus Polen die Biotope rund um Salem pflegen. Das Engagement fußt auf einer engen Beziehung zum Biologen Karl Roth aus Salem, der ihnen auch eine Unterkunft bietet.

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Zwei Drittel der Zeit Arbeit, ein Drittel Ausflüge

„Die polnischen Freundinnen und Freunde nehmen viel Mühe auf sich“, sagt BUND-Vorsitzender Karl Roth, „und kommen mit dem eigenen Auto an den Bodensee, um in ihrem Urlaub zu arbeiten.“ Daher widmen sie zwei Drittel ihrer Zeit der Naturschutzarbeit und ein Drittel auch touristischen Unternehmungen. Sie waren bereits bei der Landesgartenschau und auf der Mainau, unternehmen Radtouren am See und besuchen Naturschutzeinrichtungen. „Wir kommen sehr gern hierher“, sagt Roman Guziak, der in der Region Wroclaw für die Naturschutzorganisation Etna tätig ist. „Wir können den Aufenthalt auch immer für einige Exkursionen nutzen.“

Im Naturschutzgebiet Schwarzer Graben bei Salem-Weildorf befreien die polnischen Aktiven einen Teil der zugewachsenen Tümpel vom Schilf, um Laichplätze für Laub- und Grasfrösche freizuhalten. Hier sind mit Karl Roth (von links) Roman Guziak, Jerzy und Ewa Zuber sowie Joanna und Piotr Pusz bei der Arbeit.
Im Naturschutzgebiet Schwarzer Graben bei Salem-Weildorf befreien die polnischen Aktiven einen Teil der zugewachsenen Tümpel vom Schilf, um Laichplätze für Laub- und Grasfrösche freizuhalten. Hier sind mit Karl Roth (von links) Roman Guziak, Jerzy und Ewa Zuber sowie Joanna und Piotr Pusz bei der Arbeit. | Bild: Hanspeter Walter

Gruppe baut Naturschutzzentrum in der polnischen Heimat auf

Ein kleine Belohnung für die Arbeit ist die Entschädigung für ehrenamtliche Helfer, die der BUND aus Mittel des Pflegeprogramms beim Regierungspräsidium beantragen kann. „Wir decken damit lediglich unsere Unkosten“, betont Roman Guziak. Was übrig bleibt, investieren die Aktiven in ein Naturschutzzentrum, das sie gerade in Polen aufbauen. Derzeit läuft in ihrer Heimat ein Schutzprogramm für Fledermäuse, für das Guziak mit seinem T-Shirt wirbt. „Während du schläfst, arbeiten wir“, ist darauf zu lesen und die Zahl der 3000 Moskitos, die die Tiere jede Nacht vertilgen.

Schilf und Seggen in kleinen Tümpeln abgemäht

Der Einsatz für den Naturschutz ist es auch, was die polnischen Stammgäste immer wieder zur Fahrt an den Bodensee motiviert. Und die persönliche Beziehung zu Karl Roth, der sich seinerseits schon im östlichen Nachbarland engagiert hat. Die erforderlichen Arbeiten stimmen Guziak und seine fünfköpfige Gruppe jeweils mit Roth im Vorfeld ab. Im Naturschutzgebiet Schwarzer Graben galt es vor allem einen Teil des Schilfbewuchses und der Seggen abzumähen, die die kleinen Tümpel zu stark überwuchert haben. Auch weil der Wasserstand deutlich zurückgegangen ist, wie Karl Roth beobachtet: „Es scheint immer noch viel zu trocken zu sein.“

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Im Winterhalbjahr regelmäßig Bekassinen zu sehen

Wie wichtig das Gebiet ist, schildert Roman Guziak mit seinen Beobachtungen. „Heute morgen haben wir wieder Bekassinen gesehen“, sagt er. Die seltenen Watvögel mit dem langen Schnabel seien im Winterhalbjahr hier regelmäßig zu sehen, erklärt Karl Roth. „Schaut her“, ruft eine Helferin und hält ein kugelförmiges Geflecht in den Händen. Es ist das kunstvoll gebaute Nest einer Zwergmaus, das der kleine Nager in luftiger Höhe an die Stängel des Schilfs hängt.

„Während du schläfst, arbeite ich“: Dieses Statement einer Fledermaus ziert auf Polnisch das T-Shirt von Roman Guziak. Und die Zahl 3000 meint die vertilgten Stechmücken pro Arbeitsnacht.
„Während du schläfst, arbeite ich“: Dieses Statement einer Fledermaus ziert auf Polnisch das T-Shirt von Roman Guziak. Und die Zahl 3000 meint die vertilgten Stechmücken pro Arbeitsnacht. | Bild: Hanspeter Walter

Auch die Waldrappe schätzen das Schutzgebiet bei Weildorf

Dass das Schutzgebiet als Lebensraum eine große Bedeutung hat, wird auch an anderer Stelle deutlich. Gar nicht weit weg vom Aktionskreis der Helfer hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten der große Trupp der Waldrappe immer wieder aufgehalten, die zu dem Ansiedlungsprojekt bei Überlingen gehören. Das Schutzgebiet bei Weildorf scheint so recht nach ihrem Geschmack zu sein. Insgesamt 31 Tiere mehrerer Generationen waren noch Anfang der Woche hier zu beobachten – zumindest mit dem Tracker. Häufig brachten sie die Nacht auf Schlafbäumen zu, weiß ihre Betreuerin Anne-Gabriela Schmalstieg. Doch das Ende des Sommerurlaubs naht. In den kommenden Tagen werden die Waldrappe ihrem Zugtrieb folgen und die lange Reise nach Italien ins Winterquartier an die toskanische Küste antreten. Und die polnischen Naturschützer werden wieder in ihr Heimatland zurückkehren.