Auf dem Affenberg ist es in den vergangenen Wochen stiller geworden. Kein Wunder, denn immer mehr Störche haben sich auf den langen und nicht ungefährlichen Weg ins Winterlager gemacht. Als erstes sind traditionell die Jungtiere gestartet, die den Weg zum ersten Mal auf sich nehmen. Es wird sich zeigen, wer die Strapaze des Fluges meistern wird und vielleicht in ein bis zwei Jahren wieder am Affenberg oder irgendwo sonst in Süddeutschland auftauchen wird, um selbst für Nachwuchs zu sorgen.

Nach dem Start in Salem ging es erst mal an den Zürichsee

Mittlerweile in Spanien angekommen ist auch der SÜDKURIER-Storch Sunny, der seinen Namen von den Mädchen und Jungen im Kinderhaus Sonnenschein in Mühlhofen hat. Anfang August unternahm Sunny erste weitere Flüge von seinem Horst aus über dem Kassenhäuschen auf dem Affenberg. Er flog nach Rickenbach oder nach Neufrach, bevor es am 9. August zum ersten Mal in Richtung Süden ging. Ziel war da der Zürichsee.

Der SÜDKURIER-Storch „Sunny“ mit seinem Sender. Auf dem Rücken sind die Antennen sowie einen Teil des Senders zu sehen. Dieser sendet täglich den Standort des Storches, der auf der kostenlosen App „Animal Tracker“ verfolgt werden kann.
Der SÜDKURIER-Storch „Sunny“ mit seinem Sender. Auf dem Rücken sind die Antennen sowie einen Teil des Senders zu sehen. Dieser sendet täglich den Standort des Storches, der auf der kostenlosen App „Animal Tracker“ verfolgt werden kann. | Bild: Reiner Jäckle

Dort, am Zürichsee, hat es Sunny ganz offensichtlich sehr gut gefallen, denn er macht rund um Mönchaltdorf, Gossau und Sulzbach eine knapp dreiwöchige Pause. Am 27. August setzte er dann aber zu einer wahren Mammuttour über Genf nach Frankreich an. Er startete morgens im schweizerischen Schwerzenbach und absolvierte über mehr als 400 Kilometer in etwa zehn Stunden bis ins französische Marnans südöstlich von Lyon.

Am nächsten Tag, dem 28. August, ging es schnurstracks Richtung Spanien: Er flog über das südfranzösische Perpignan weiter in Richtung französisch-spanische Grenze, die er gegen 18 Uhr östlich von Andorra passierte. Am folgenden Tag, dem 29. August, um die Mittagszeit flog er an Barcelona vorbei bis nach Lleida, eine größere Stadt mit rund 135 000 Einwohnern.

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Seit 31. August macht er wieder Pause in einer Region wenige Kilometer vom Lleida entfernt. Hier in Katalonien, am Fluss Segre, gefällt es Sunny offensichtlich wieder gut. Er bewegt sich in einem Radius von etwa 15 Kilometern und hält sich dort aktuell (Stand: 3. September, 13 Uhr) noch auf.

Die Hintergründe zu Projekt, Storch und Namensgebung

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Die Kinder vom Kinderhaus Sonnenschein freuten sich, dass sie den Namen des SÜDKURIER-Storches geliefert haben. Jetzt verfolgen sie Sunnys Route regelmäßig. Das Bild zeigt einen Teil der orangenen und blauen Gruppe mit dem von ihnen gestalteten Plakat.
Die Kinder vom Kinderhaus Sonnenschein freuten sich, dass sie den Namen des SÜDKURIER-Storches geliefert haben. Jetzt verfolgen sie Sunnys Route regelmäßig. Das Bild zeigt einen Teil der orangenen und blauen Gruppe mit dem von ihnen gestalteten Plakat. | Bild: Reiner Jäckle

Namenspaten aus dem Kinderhaus verfolgen Sunny sehr genau

Wohin es den Jungstorch bei seinem ersten Flug in den Süden hinzieht, weiß niemand. Allerdings gibt es zahlreiche Kinder in Mühlhofen, die den Weg von Sunny ganz genau beobachten. „Wir schauen regelmäßig in die App und verfolgen, wo der Storch gerade ist“, berichtet Dominik Mattes, Leiter des Kinderhaus Sonnenschein, das den Namen Sunny vorgeschlagen hat.

„Es ist spannend zu sehen, wie weit Sunny fliegt und vor allem, ob er auch wieder zurückkommt“, sagt Mattes. Bis es soweit ist, kann es allerdings noch eine Weile dauern, denn viele Jungtiere bleiben im Süden, bis sie geschlechtsreif sind. Das ist nach zwei bis drei Jahren. Um den eigenen Nachwuchs großzuziehen, kommen die Störche dann spätestens wieder zurück.

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Fachleute beziffern die Ausfallquote auf 70 Prozent

Viele der Jungstörche überleben die lange Reise allerdings nicht. „Wir haben im vergangenen Jahr fünf Störche am Affenberg besendert“, berichtet Andrea Flack vom Max-Planck-Institut Radolfzell, die das Projekt leitet. „Davon leben heute nur noch zwei.“ Diese Quote sei aber ganz gut. „Wir hoffen, dass es auch dieses Jahr wenigstens ein paar schaffen und wir so Erkenntnisse gewinnen, von was es abhängt, warum Störche dort ankommen oder nicht“, so Andrea Flack. Die Ausfallquote liege im Schnitt bei etwa 70 Prozent.

Hier erhielt der SÜDKURIER-Storch von Doktorantin Iris Bontekoe (links) vom Max-Planck-Institut in Radolfzell seinen Sender. Wissenschaftlerin Andrea Flack (rechts) notiert die Ringnummer. Da hieß Sunny lediglich AAM85.
Hier erhielt der SÜDKURIER-Storch von Doktorantin Iris Bontekoe (links) vom Max-Planck-Institut in Radolfzell seinen Sender. Wissenschaftlerin Andrea Flack (rechts) notiert die Ringnummer. Da hieß Sunny lediglich AAM85. | Bild: Archivbild: Reiner Jäckle

Viele Störche überwintern mittlerweile in Südspanien. Meistens finden sie genügend Futter auf den zahlreichen Mülldeponien. Einige der Störche fliegen allerdings bis nach Marokko. „Es gibt immer wieder Tiere, die sogar die Sahara überqueren“, berichtet Andrea Flack. „Diese überwintern dann in Senegal und Mali.“