Sonnenlicht fällt zur geöffneten Tür herein. Renate und Peter Kisser verräumen ihren Putzwagen. Ganz hinten im Eck haben sie ein Terrarium neu gestaltet, weil der echsenhafte Bewohner an Altersschwäche verstorben ist. Die beiden erhalten häufig ältere Tiere, da sie auch als Auffangstation für Reptilien fungieren, sie aufpäppeln und umsorgen, wenn sie wo anders nicht mehr erwünscht sind. Im Uhldinger Reptilienhaus geht auch während seiner Schließung aufgrund der infektionsschützenden Maßnahmen des Landes Baden-Württemberg das Leben weiter – und zwar im wortwörtlichen Sinne.

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„Die Tiere brauchen selbstverständlich die Wärme, das Licht und ihr Futter“, erklärt Peter Kisser und deutet auf die hell erleuchteten Terrarien. „Sechs Stunden sind die Wärmelampen am Tag etwa eingeschaltet, das sind wärmebedürftige Tiere“, ergänzt Renate Kisser. An den heißesten Stellen für Wüstenbewohner habe ein Stein schon mal an die 50 Grad Celsius. Sie betont: „Man kann hier nicht einfach die Tür zuziehen und das aussitzen.“

Inhaberin und Gründerin Renate Kisser vor der „Erinnerungswand“ im vorderen Bereich des Reptilienhauses. Hier sind Fotos und Zeitungsartikel aus den letzten viereinhalb Jahrzehnten gesammelt.
Inhaberin und Gründerin Renate Kisser vor der „Erinnerungswand“ im vorderen Bereich des Reptilienhauses. Hier sind Fotos und Zeitungsartikel aus den letzten viereinhalb Jahrzehnten gesammelt. | Bild: Lena Reiner

Normalerweise startet das Reptilienhaus am 1. April in die Saison

Reptilienhaus-Gründerin Renate Kisser trägt bei diesem Termin eine Schutzmaske und verrät nebenbei, dass sie selbst wegen einer Vorerkrankung an der Lunge besonders gefährdet durch die Viruserkrankung Covid-19 sei. Überhaupt möchte sich das reptilienbegeisterte Paar nicht über die Regelungen beklagen. Lediglich aufmerksam machen möchten sie auf ihre – unverschuldet – schwierige Situation derzeit. Normalerweise startet das Reptilienhaus nämlich am 1. April, pünktlich zu den Osterferien, in die Saison. Dann bekommen sie Besuch von Bodensee-Urlaubern und nach den Ferien von Schulklassen. Die seien überhaupt sehr gerne hier. Renate Kissers Augen leuchten: „Die fühlen sich so wohl hier, da bekamen wir auch schon als Dankeschön einen Kuchen gebacken.“

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1976 eröffneten Renate und Peter Kisser im alten Schulgebäude in Unteruhldingen ihr Reptilienhaus. Renate Kisser ist in die Faszination Reptilien hineingewachsen. „Meine Elternhaus war ein naturwissenschaftliches Museum“, erklärt die gebürtige Österreicherin. Sie hätten immer wieder beschlagnahmte Reptilien erhalten, diese präpariert und ausgestellt. Irgendwann habe ihr Vater die ersten Terrarien gebaut, ihre Eltern begannen die Tiere lebendig zu zeigen und Führungen für Schulklassen anzubieten. Dadurch war ihr Name bei Zoll und Polizei bekannt und so erhielt sie auch später Reptilien zur Pflege. „Doch das wurde irgendwann zu viel, so privat und so machten wir uns auf die Suche, fanden hier das alte Schulgebäude und dann ging das Schlag auf Schlag.“ Ein ganz besonderes Tier lebt in einem der mittigen Terrarien. Im Mai 1976 ist das inzwischen älteste Tier des Hauses geschlüpft: eine Kobra.

Das älteste Tier im Reptilienhaus: Diese Kobra ist im Mai 1976 kurz nach der Eröffnung des Reptilienhauses aus ihrem Ei geschlüpft.
Das älteste Tier im Reptilienhaus: Diese Kobra ist im Mai 1976 kurz nach der Eröffnung des Reptilienhauses aus ihrem Ei geschlüpft. | Bild: Lena Reiner

Soforthilfe des Landes ist nur ein schwacher Trost

43 Jahre betrieben die beiden die Lebend-Sammlung exotischer Tiere ohne Probleme. Sie sind stolz darauf, die ganzen Jahrzehnte ihr Projekt selbst finanziert zu haben – ohne Zuschüsse, lediglich mit den Einnahmen während der Saison. Über den Winter half ihnen alljährlich ein Überbrückungskredit, den sie mit den Geldern aus dem Saisonstart alle Jahre wieder abzahlen konnten. Nicht so in diesem Jahr: Die Soforthilfe des Landes Baden-Württemberg ist angesichts der hohen laufenden Kosten durch UV- und Tageslichtlampen und das spezielle Futter für die Tiere nur ein schwacher Trost.

Für Tränen der Rührung in den Augen, auch bei der Erinnerung daran, sorgt hingegen die großzügige Spende einer Uhldingerin, die unerwartet auf sie zugekommen sei. „Sie kam einfach vorbei und sagte, dass sie uns eine Spende für Futter geben möchte“, erinnert sich Renate Kisser. Das besondere Erlebnis hat sie extra notiert, damit sie es beim Termin mit dem SÜDKURIER nicht zu erwähnen vergisst. Auf dem karierten Blatt steht handschriftlich: „Wir möchten auf diesem Wege nochmals DANKE sagen.“

Die ersehnte Nachricht: Tierparks dürfen ab 6. Mai wieder öffnen

Ob es irgendeine Solidaritätsaktion gibt oder eine offizielle Spendenmöglichkeit? Die Kissers verneinen einstimmig. Sie freuen sich selbstverständlich über Besucher, die vorbeikommen, sobald sie wieder geöffnet haben dürfen.

Wenige Tage nach unserem Besuch folgt die ersehnte Nachricht: Das Land Baden-Württemberg gestattet die Öffnung von Tierparks ab dem 6. Mai, unter speziellen Auflagen zum Infektionsschutz. Das Reptilienhaus in der Ehbachstraße 4 öffnet ab Samstag wieder seine Pforten, vorerst mit eingeschränkten Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene liegt bei 5 statt sonst 6,50 Euro, die Familienkarte ist auf 13 Euro reduziert. Kinder zahlen weiter 3 Euro.

Affenberg Salem, ohne Besucher
Affenberg Salem, ohne Besucher | Bild: Lena Reiner/lre

Derzeit gibt es 46 Storchenhorste am Affenberg

Für die Fans des Affenbergs in Salem am Bodensee gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: Die beliebte Parkanlage öffnet am 25. Mai wieder - das Füttern der Tiere mit Popcorn ist aber nicht mehr möglich. Dadurch solle das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus für Mitarbeiter und Besucher, aber auch für die Berberaffen minimiert werden, erklärte Parkdirektor Roland Hilgartner am Mittwoch. Das Leben ging aber auch weiter, obwohl kein Publikumsverkehr erlaubt ist. Babyglück herrscht bei den namensgebenden Tieren und schon von Weitem erklingt Storchengeklapper. Auf den 46 Horsten sind manche Jungtiere bereits geschlüpft. „Für die Störche macht die aktuelle Situation keinen Unterschied. Ihre Horste sind so weit oben, da stören sie Besucher sowieso nie“, erläutert Mitarbeiterin Tanja Breuer.

Oben auf dem Storchenhorst ist alles beim Alten.
Oben auf dem Storchenhorst ist alles beim Alten. | Bild: Lena Reiner

Nur bei der Fütterung legen die gefiederten Tiere Wert auf Abstand. Selbst Tanja Breuer muss ein paar Schritte zurück machen, bevor sich die Vögel auf die Wiese trauen, auf der sie zwei Eimer Futter verteilt hat. Da Jungtiere gefräßig seien und noch keine Küken zu sich nehmen könnten, werde zusätzlich Fisch gefüttert.

Damwild scheint die Besucher zu vermissen

Das Damwild, das weiter hinten auf dem Gelände lebt, scheint die Besucher zu vermissen. Obwohl die Tiere scheu sind und auch bei unserem Besuch bei schnelleren Bewegungen zurückschrecken, haben sie sich so daran gewöhnt, dass sie Zuschauer haben, dass die Herde sich wohler zu fühlen scheint, wenn mindestens zwei Menschen ihnen beim Fressen zuschauen, schildert Breuer schmunzelnd.

Das Damwild, so scheu es ist, frisst am liebsten in Gesellschaft von Menschen.
Das Damwild, so scheu es ist, frisst am liebsten in Gesellschaft von Menschen. | Bild: Lena Reiner

Breuer kommentiert mit Blick auf das weitläufige Gelände: „Mindestabstände sind hier kein Problem.“ Aktuelle Informationen im Internet: www.affenberg-salem.de

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