„Die erste Elefantenrunde zur Landtagswahl im März“: So eröffnete Philipp Gotterbarm, Kreissprecher der Wirtschaftsjunioren Bodensee-Oberschwaben, die Salemer Gespräche. Zur Podiumsdiskussion waren die Spitzenkandidaten beziehungsweise Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke (FDP), Raimund Haser (CDU), Martin Hahn (Bündnis 90/Die Grünen) und Andreas Stoch (SPD) eingeladen. Wirtschaftsmoderatorin und Beraterin für Vernetzungs- und Kooperationsmanagement Britt Lorenzen moderierte das Gespräch mit Fragen rund um wirtschaftspolitische Herausforderungen.

„Was macht Sie als Mensch aus?“

„Ich will keine Parteiprogramme hören, sondern Politiker-Persönlichkeiten kennenlernen“, forderte die Moderatorin die Politiker heraus. Ihre erste Frage lautete dann auch: „Was macht Sie als Mensch aus?“ Im Nachhinein zeigte sich bei der rund zweieinhalb Stunden langen Gesprächsrunde, dass sich die Antworten auf diese erste Frage wie ein roter Faden durch die folgenden Antworten zogen. Der Christdemokrat Haser bezog sich auf die christlichen Werte und darauf, als Selbstständiger „die Dinge selber in die Hand zu nehmen“. Martin Hahn, Landwirt mit Leib und Seele, ist es „gewohnt, Mist wegzuräumen“. Der ehemalige Kultusminister Stoch will „Vorbild für meine vier Kinder“ sein. Rülke verspätete sich und konnte deshalb auf diese Frage keine Antwort geben.

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Antworten dann doch wieder aus dem Parteiprogramm

Schlag auf Schlag interviewte Lorenzen zu Themen wie Bildung, Arbeitsmarkt und künstliche Intelligenz. Die Antworten entsprachen dann doch eher den Parteiprogrammen, wobei die Atmosphäre locker und entspannt war. „Bis ich nach Bonndorf autonom nach Hause fahren kann, wird es ewig dauern“, verwies Hahn darauf, das autonomes Fahren ein urbanes Thema bleiben wird.

Beim Lieferkettengesetz wird‘s etwas lebhafter

Lediglich bei der Frage zum geplanten Lieferkettengesetz wurde die Diskussion etwas lebhafter. Rülke zog sich mit dem Hinweis „ich bin nicht für solche Gesetze“ raus aus dem Thema. Haser meinte, die Meinungen in der CDU seien zu dem „Bürokratiemonster“ nicht einheitlich und „auch bei mir schlagen zwei Herzen in meiner Brust“. In den Bereichen Kleidung und Lebensmittel seien schon Schulkinder sensibilisiert, sagte Stoch, eine Zertifizierungslösung müsse kommen. „Produktsicherheit ist ein hohes Gut“, sagte Hahn, er wünsche sich Verlässlichkeit auf dem Markt.

Bild: Lorna Komm
„Viele Themen wurden von den Politikern aus vielfältigen Sichtweisen beleuchtet.“
Romina Haller

Wie empfand das Publikum die Runde? Die Erwartung, Antworten auf wirtschaftspolitische Fragen zu bekommen, seien bis zu einem gewissen Grad erfüllt worden, meinte Romina Haller. Die Wirtschaftspädagogin aus Sattelbach meinte: „Viele Themen wurden von den Politikern aus vielfältigen Sichtweisen beleuchtet.“ Sie habe ihre Masterarbeit über das Thema Fachkräftemangel geschrieben und auch durch ihre Mitarbeit im elterlichen Raumgestaltungsbetrieb interessierten sie besonders die Fragen zum Fachkräftemangel im Handwerk und zur Digitalisierung im Mittelstand.

Bild: Lorna Komm
„Man ist doch wieder auf sich allein gestellt.“
Roderich Gotterbarm

Den Fachkräftemangel als großes Problem der Zeit bemängelte auch Roderich Gotterbarm, Unternehmer in dritter Generation. Ihn störe es, wenn alle den Fachkräftemangel nur mit Zuwanderern lösen wollen. „Wir haben zu viele Hochschulabsolventen, während Mittelstand und Handwerk zu wenig gefördert werden“, sagte der Leiter der Maschinenfabrik Bermatingen. Baden-Württemberg sei doch als Land der Tüftler groß geworden, wo aus kleinen Handwerksbetrieben große Firmen geworden sind. Antworten auf seine Fragen habe er in der Diskussion keine bekommen, meinte Roderich Gotterbarm: „Man ist doch wieder auf sich allein gestellt.“

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