Salem ist aktuell in weiblicher Hand. Als erste Bürgermeister-Stellvertreterin gratuliert Petra Karg normalerweise Alters- und Ehejubilaren und besucht Vereinstreffen. Doch seit etwa drei Wochen vertritt die Gemeinderätin Bürgermeister Manfred Härle, der gerade im Krankenstand ist. Ob sie sich schon an seinem Schreibtisch eingerichtet hat? Die Vorsitzende der GoL-Fraktion im Gemeinderat verneint lachend und erklärt: „Es liegt im Ermessen des Bürgermeisters, wie er seine Stellvertreter einsetzt.“

Was warten kann, wird aufgeschoben

Manfred Härle wusste im Voraus von seiner Auszeit. Er habe für seine Abwesenheit alles vorbereitet – auch die beiden Sitzungen, die Petra Karg leitete. „Es ist nicht so, dass ich da fachlich und sachlich etwas Eigenes eingebracht habe“, betont die 60-Jährige. Da sie bereits mehrere Male kurzfristig die Sitzungsleitung des Ausschusses für Umwelt und Technik übernommen hatte, war die Gemeinderätin mit dieser Aufgabe schon vertraut. Ungewohnt war hingegen, dass sie viele Dokumente unterschreiben musste, die nicht bis zur Rückkehr Härles liegenbleiben sollten, zum Beispiel Kündigungsbestätigungen und Reiseanträge. Auch an einem Schulleiter-Auswahlverfahren habe sie teilgenommen. „Aber alles, was warten kann, wird aufgeschoben“, fügt sie hinzu. Kommende Woche werde der Bürgermeister voraussichtlich wieder die Amtsgeschäfte übernehmen.

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Wenig Spielraum für eigene Akzente

Die Möglichkeiten für die Stellvertreterin, an der Spitze der Gemeindeverwaltung eigene Akzente zu setzen, sind somit gering. Manches handhabe sie dennoch anders, sagt die Stellvertreterin, beispielsweise die Ankündigung der Tagesordnungspunkte der Ratssitzungen. Ohne die entsprechende Ausbildung und genaue Kenntnis der Gesetzestexte müsse sie sich das vorher gut überlegen: „Ganz unbedarft kann man nicht reingehen“, stellt Petra Karg fest. Es sei interessant, alles mal vom Leitungsplatz aus mitzubekommen. „Wenn Herr Härle wieder zurück ist, werde ich bestimmt genauer hinschauen, wie er das macht“, sagt die 60-Jährige.

Petra Karg: „Wenn Herr Härle wieder zurück ist, werde ich bestimmt genauer hinschauen, wie er das macht.“
Petra Karg: „Wenn Herr Härle wieder zurück ist, werde ich bestimmt genauer hinschauen, wie er das macht.“ | Bild: Miriam Altmann

150 Euro Vergütung, unabhängig vom Aufwand

Aktuell muss ihr eigener Job aufgrund des zeitlichen Aufwands zurückstehen: „Das lässt sich gut machen, aber nicht auf ewige Zeit“, verdeutlicht sie. Als Erste Bürgermeister-Stellvertreterin erhält sie eine Vergütung von 150 Euro pro Monat – egal, ob sie wie jetzt dringende Amtsgeschäfte erledigt oder ob wegen Corona alle repräsentativen Aufgaben ruhen. Deshalb hatte Petra Karg mit den beiden weiteren Stellvertretern beschlossen, die Vergütung aus der pandemiebedingt ruhigen Zeit für einen guten Zweck zu spenden.

Kampfabstimmung um Stellvertreter-Posten

Dass Petra Karg das Stellvertreter-Amt bekommen hat, war eine knappe Entscheidung. Nachdem die CDU nach der Gemeinderatswahl 2019 drei Sitze an die Freien Wähler und die Grüne offene Liste hatte abgeben müssen, sahen die beiden erstarkten Parteien einen Wandel eingeläutet, der sich auch bei den Stellvertretern des Bürgermeisters widerspiegeln sollte. „Das war eine richtige Kampfabstimmung“, erinnert sich die GoL-Sprecherin. Sie sieht es als wichtig an, dass durch ihre Wahl ein politisches Gegengewicht gesetzt wurde, da der Gemeinderat selbst der Souverän sei.

„Mein Ziel ist es, so lange zu diskutieren, bis 70 oder 75 Prozent zustimmen.“
Petra Karg, Bürgermeister-Stellvertreterin

Bei ihrer Arbeit legt Petra Karg jedoch Wert auf Konsens: „Mein Ziel ist es, so lange zu diskutieren, bis 70 oder 75 Prozent zustimmen.“ Ein Gleichstand sei die schlechteste Möglichkeit und hart für jene Hälfte, die die Abstimmung verliere. Auch bei ihren Reden bei Veranstaltungen der Vereine achte sie seit jeher auf Ausgewogenheit: „Ich überlege mir selbst, was ich sage, aber ich nutze das nicht aus“, verwahrt sie sich gegen parteipolitische Einflussnahme. Vielmehr habe sie festgestellt, dass es ihr große Freude bereite, mit den Bürgern zu sprechen: „Das ist eine schöne Aufgabe.“

Will sie selbst um das Amt kandidieren?

Eine Kandidatur bei der nächsten Bürgermeisterwahl im Jahr 2028 schließt sie jedoch aus. „Dann bin ich zu alt dafür“, sagt die 60-Jährige schmunzelnd. Anschließend offenbart sie: „Tatsächlich stehe ich zu wenig gern vorne.“ Wenn es nötig sei, mache sie das aber. Das Amt des Bürgermeisters sei allerdings ein Traumjob, da man sehr viel gestalten könne und kaum jemandem Rechenschaft schuldig sei. „Wenn ich ein paar Jahre jünger wäre – wer weiß?“