„Hände in den Schoß legen bringt nichts“, erzählte Johanna Knöpfle kurz nach der Einrichtung ihrer neuen Ausstellung im historischen Forsthaus am Salemer Schloss. „Die Substanz“ hat sie ihre aktuelle Werkgruppe betitelt, die sie in den zwei Räumen im Erdgeschoss aufgebaut hat. Eine Vernissage, wie sonst üblich bei Ausstellungseröffnung, gab es nicht, und wird es auch nicht geben. Die Kunst muss auch hier der Corona-Pandemie Tribut zollen.

Die Werke an den Wänden tragen keine Titel, sind auch nicht durchnummeriert. „Die neue Werkreihe trägt als Ganzes den Titel.“ So könne sie als ein Gesamtkunstwerk interpretiert werden. Kurz vor der Corona-Pandemie mit ihren vielen Lockdowns und Ausschließungen hatte Knöpfle mit ihrem Projekt angefangen. Aber bis auf ein Bild aus dem Jahr 2019 stammen alle Bilder aus den Corona-Jahren 2020 und 2021. Trotzdem möchte die Künstlerin die Werkgruppe nicht als „Corona-Kunst“ verstanden wissen.

Johanna Knöpfle vor einem ihrer Werke in ihrer neuen Ausstellung „die Substanz“ in ihrer Galerie „L – wie Materie“ im historischen Forsthaus am Schloss Salem.
Johanna Knöpfle vor einem ihrer Werke in ihrer neuen Ausstellung „die Substanz“ in ihrer Galerie „L – wie Materie“ im historischen Forsthaus am Schloss Salem. | Bild: Mardiros Tavit

„Sie zeigen die Suche nach dem Kern, dem Westlichen – der Substanz“, schreibt sie in der Begleitschrift. Diese gibt viele Aufschlüsse über die Entstehung der Werke. Die Vielschichtigkeit dieser Entdeckungsreise in die Substanz zeigt sich schließlich auch in den verwendeten Materialien. Ölfarbe, Ölpaste, Karton, Baumwolle, Leinen, Leinöl, Papier, Epoxidharz, Bleistift und Druckfarbe wurden verwendet. Sie überlagern sich, ergänzen sich oder grenzen sich voneinander ab. Die Werke wirken eher als Collage, denn als gemalte Bilder.

Ein orangefarbener Streifen auf Baumwolle kann als Schranke oder Morgenröte gesehen werden. Als Öffnungsschlitz ins Dunkle, als Hoffnungsschlitz aus dem Dunklen oder als falsche Fährte. „Vieles bleibt im Ungewissen. Was versteckt sich? Es geht auch um Geheimnis und Geheimniswahrung.“ Knöpfle selbst sprach von „einem Ringen“ beim Schöpfungsprozess. Der geistige und emotionale Austausch mit der Künstlerin vor dem Werk ist gewollt und gewünscht.

Die Bilder wirken eher wie Collagen, denn als gemalte Kunst, da Johanna Knöpfle verschiedene Materialien benutzt.
Die Bilder wirken eher wie Collagen, denn als gemalte Kunst, da Johanna Knöpfle verschiedene Materialien benutzt. | Bild: Mardiros Tavit

Johanna Knöpfle ist ausgebildete Bildhauerin. „Doch die Malerei hat mich mein Leben lang begleitet.“ Sie sei der intuitive Teil von ihr, hierin könne sie sich emotional ausdrücken. So habe sie ihre Gedankengänge und Emotionen in den einzelnen Werken eingearbeitet. „Wenn ich unzufrieden war, wenn ich nicht auf das Wesentliche gestoßen bin, habe ich weiter gearbeitet.“

Aufgrund der Pandemie-Bestimmungen kann die Ausstellung im historischen Forsthaus derzeit nicht besucht werden. Es bleiben nur Einblicke dieser Art.
Aufgrund der Pandemie-Bestimmungen kann die Ausstellung im historischen Forsthaus derzeit nicht besucht werden. Es bleiben nur Einblicke dieser Art. | Bild: Mardiros Tavit

Ironie der Geschichte. Ihre Werkausstellung „Die Substanz“ könnte ein ungeplantes Schicksal ereilen. War die Antriebsfeder ihres Schaffens die Suche nach der Substanz und deren Offenlegung, so könnte das Ergebnis der Öffentlichkeit verborgen, und somit ein Geheimnis bleiben. Denn auch für ihre Galerie „L – wie Materie“ gilt die Bundesnotbremse. Sie bleibt vorerst geschlossen, bis die Inzidenzzahlen wieder so niedrig sind, dass eine reguläre Öffnung möglich ist.

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