Knapp 80 Prozent des Energiebedarfs in Salem werden aktuell über fossile Energieträger gedeckt. So lautete die Bestandsanalyse der Stuttgarter Ingenieurgesellschaft EGS-Plan, die von der Gemeindeverwaltung mit der Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung beauftragt worden war. In der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierten zwei Mitarbeiter die Ergebnisse der Potenzialanalyse, inwiefern Energie eingespart werden könnte und erneuerbare Energien und Abwärme lokal verfügbar wären.

Anhand von Verbrauchs- und Schornsteinfegerdaten zu mehr als 7000 Gebäuden habe man eine sehr belastbare Datengrundlage, erläuterte Tobias Nusser (EGS-Plan) dem Gremium. Der Energiebedarf von knapp 10 Megawattstunden im Jahr pro Einwohner sei im üblichen Rahmen für Kommunen wie Salem, mit einem Anteil von rund 75 Prozent an privaten Haushalten. „Die Musik spielt in der breiten Masse, dort muss der Transformationsprozess stattfinden“, betonte deshalb der Ingenieur mit Blick auf das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein.

Großes Einsparpotenzial sahen die Referenten bei der Gebäudedämmung. Als geeignete Energieträger machten sie neben Biomasse auch die Erdwärmenutzung aus. Angesichts der dezentralen Struktur der Gemeinde meinte Nusser jedoch: „Rund 80 Prozent der Wärmeversorgung wird über Wärmepumpen erfolgen.“ Das Thema Wasserstoff, nach dem sich Klaus Hoher (FDP) erkundigte, habe man berücksichtigt, doch um klimaneutrale Wärme zu erzeugen, seien die Effizienzen ausschlaggebend: „Und die sprechen klar für Wärmepumpen als die zu favorisierende Variante“, sagte Nusser.

Stephanie Straßer (FWV) fragte, wie man die 75 Prozent private Haushalte aktiviert bekomme. Auch Ulrike Lenski (GoL) gab zu bedenken, dass die gesamte Gemeinde Energie aus regenerativen Quellen beziehen müsse: „Ich sehe nicht, wie wir das schaffen, wenn wir den Bürgern nur die Potenziale aufzeigen.“ Was die Einsparmöglichkeiten an der Gebäudehülle betreffe, habe man derzeit lediglich eine Sanierungsquote von einem Prozent. Tobias Nusser bestätigte, dass viel Kommunikation und Information erforderlich sei, was die Verwaltung koordinieren müsse. Allerdings gebe es einen klaren gesetzlichen Rahmen, der neben Anreizen auch Verpflichtungen vorsehe.

Lenski hakte weiter nach. „Wo können wir Cluster bilden, damit wir für Projektierer interessant werden?“, wollte sie aufgrund der ländlichen Struktur Salems wissen. In Stefansfeld mit dem Schloss als Ankerkunde hielt sie ein Wärmenetz für eine attraktive Option. Nusser hingegen bewertete die Dezentralität als Chance: Da viele bereits mit Biomasse versorgt seien, stelle sich die Frage, ob sich jeder einem Wärmenetz anschließen würde. Auch könne man eigene PV-Anlagen und Wärmepumpen nur dezentral betreiben. Mit dem Landesamt für Vermögen und Bau sei man wegen des Schlosses aber in Abstimmung.

Auf die Frage von Petra Karg (GoL), ob man das Kanalabwasser der Kläranlage nutzen könnte, entgegnete Nusser: „Abwärme kann nur für einen Mehrwert sorgen, wenn ich entsprechende Verbraucher habe und das Temperaturniveau verwerten kann.“ Mit dem sogenannten Zielfoto schreibe man jedoch nichts vor, sondern zeige nur auf, wie es funktionieren könne. In fünf bis sieben Jahren werde die kommunale Wärmeplanung fortgeschrieben, doch für den Umbau der Wärmeerzeugung brauche es bald eine Strategie: „Man muss eine klare Zielrichtung geben, damit die Bürger qualifizierte Entscheidungen treffen können“, riet Nusser.

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