Singen und Musizieren per Video-Anruf: Seit gut zwei Wochen findet in der Salemer Musikschule wegen der Corona-Pandemie kein Präsenzunterricht mehr statt. Musikschulleiter Matthias Walser und sein Kollegium haben auf die Ausnahmesituation reagiert und den Unterricht ins Internet verlegt. Mit Hilfe von Video-Konferenzdiensten wie „Skype“ oder „Zoom“ treffen sich Musikpädagogen und Schüler derzeit zum virtuellen Austausch. Was sie in ihren ersten Onlinestunden erlebt haben, welche Probleme auftraten und wo sich Grenzen auftun, davon berichten neben dem Schulleiter, die Lehrkräfte Margit Koch-Nedela und Charlotte Ryan per Mail.

Musikschullehrerin Charlotte Ryan ist von der Wirkung des digitalen Unterrichtens überzeugt, sieht aber auch die Grenzen. Bild: Charlotte Ryan/Musikschule
Musikschullehrerin Charlotte Ryan ist von der Wirkung des digitalen Unterrichtens überzeugt, sieht aber auch die Grenzen. | Bild: Charlotte Ryan, Musikschule

„Wir sind jetzt in der zweiten Woche online und ganz überrascht, wie gut dies klappt“, schreibt Walser. Zwar sei der Online-Austausch nicht vergleichbar mit der persönlichen und direkten Unterrichtsform, aber leiste derzeit gute Dienste. Und mache sogar Spaß.

Gesangsschülerin Annika Blumenröther(rechts, auf dem Monitor des Laptops) und Pädagogin Margit Koch-Nedela musizieren in privater Atmosphäre. Bild: Reinhard Nedela/Musikschule
Gesangsschülerin Annika Blumenröther(rechts, auf dem Monitor des Laptops) und Pädagogin Margit Koch-Nedela musizieren in privater Atmosphäre. | Bild: Reinhard Nedela, Musikschule

Bis es soweit war, gab es jedoch technische Hürden zu überwinden. Für Koch-Nedela als älteste und dienstälteste Musikschullehrerin der Salemer Schule stellte die Online-Umstellung zunächst eine Herausforderung dar. Nur unterstützt durch ihrem Ehemann Reinhard habe sie die benötigte Video-Chat-Software installieren können, erklärt sie per elektronischer Post. Die ersten Stunden hätten viel Aufwand bedeutet. Koch-Nedela erzählt von anfänglich instabilen Internetverbindungen und verzögerten Übertragungen von Bild und Ton.

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Dank individueller Tipps zum Beispiel zum Umgang mit der Web-Kamera oder zum idealen Standort konnten die meisten Technikprobleme mittlerweile aus dem Weg geräumt werden.

Private Einblicke

Eine Online-Stunde funktioniert ähnlich wie bei der persönlichen Musikstunde. Der jeweilige Schüler oder die Schülerin spielt oder singt etwas vor und bekommt Rat, Hilfe und musikalische Begleitung von Lehrerseite. Hausaufgaben gibt es per Whatsapp oder E-Mail. Trotzdem das Miteinander digital abläuft, entsteht offensichtlich eine deutlich intimere Situation als gewohnt. Der Video-Chat gewähre Einblicke in die Privaträume der Chattenden. Die Lehrenden bekämen Einblicke in die Wohnsituation der Musikschüler und umgekehrt, kommuniziert der Schulleiter.

Zuhörer in der Familie

Koch-Nedela berichtet von „witzigen“ Stunden, in denen die ganze Familie eines Musikschülers im Hintergrund auf dem Sofa gesessen habe und am Unterricht teilgenommen habe. Der witzigste Kommentar sei von ihrer Gesangsschülerin Annika Blumenröther gekommen. „Hey, Margit, du stehst jetzt in meinem Kleiderschrank“, habe die ihr nach Aufstellen ihrer Video-Kamera erklärt.

Insgesamt sind die Salemer Lehrkräfte mit ihrem Corona-Provisorium sehr zufrieden, sehen aber durchaus die Grenzen der Online-Variante. Es sei definitiv nicht möglich, den gleichen musikalischen Klang oder die Tonqualität zu erreichen wie beim persönlichen Kontakt, betont Ryan. Ähnliches gelte für die Korrektur der Körperhaltung der Schüler.

Trotzdem steht die Musikpädagogin wie ihre Kollegen hinter dem Online-Angebot. „Die Video-Anrufe haben eine große positive Wirkung sowohl zum Schaffen einer Ausbildungsbasis als auch für den ganzen Menschen – emotional, psychisch und sozial“, resümiert Ryan.

 

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