Er konnte damals den Vorsitz nicht ablehnen, erzählt Klaus Müller, „da sonst keiner bereit war, stand die Existenz des Vereins auf dem Spiel“. Ohne einen Vorstand hätte sich der TSV Mimmenhausen, gegründet 1899, auflösen müssen.

Zwischen 1992 und 1996 waren es wohl dramatische Jahre im Sportverein. 1992 trafen sich die Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung, um die Auflösung des Vereins zu besprechen. Es wurde noch eine Lösung gefunden, indem der Verein in aktive Abteilung mit Handball und Rhythmische Sportgymnastik und in eine Breitsport-Abteilung mit Volleyball, Tischtennis, Leichtathletik, Turnen und Ringtennis geteilt wurde.

Doch dieses Konstrukt hielt nicht lange. 1996 wurde die Teilung aufgelöst. Müller übernahm den Vorsitz. Daraufhin bekamen die Abteilungen mit einer eigenen Kassenführung eine größere Unabhängigkeit vom Großverein. Seitdem können sie 90 Prozent ihrer Einnahmen behalten, führen die restlichen zehn Prozent an den Gesamtverein ab. „Es gab seitdem kein Streit zwischen den Abteilungen“, erinnert sich der Rentner, „in dem Gesamtverein arbeiten alle Abteilungen zusammen“.

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Und das wohl so erfolgreich, dass im Sommer eine weitere Abteilung hinzukam. Die Badminton-Spieler des FC Beuren-Weildorf bilden seit dem vergangenen Sommer die siebte Abteilung. Nach dem Zusammenschluss der Fußballer ihres Vereins mit dem Rot-Weiß Salem waren sie plötzlich heimatlos. Sie entschieden sich für den über 120-jährigen TSV Mimmenhausen.

Müller ist seit über 53 Jahren Vereinsmitglied

Selbstverständlich war es nicht, dass ein Salemer – gebürtig aus dem Teilort Stefansfeld – den Vorsitz des TSV Mimmenhausen übernahm. „Die Funktionäre hatten Bedenken und befürchteten eine Art Identitätsverlust für den Traditionsverein.“ Und das, obwohl Müller im Verein groß geworden ist. Seit mehr als 53 Jahren ist der ehemalige Vereinsvorsitzende nun Mitglied beim TSV. Heute denkt niemand mehr an sowas, aber damals war es eine andere Zeit.

Müller kam als Bub mit elf Jahren zum Fußballspielen in den Verein. Nachdem die Fußballabteilungen des TSV und des SV Neufrach 1976 zusammen gingen, spielte er beim Rot-Weiß Salem. An die Spielstätten kann er sich noch gut erinnern. „Das war kurz vor dem Bau der Halle in Mimmenhausen. Erst am Sportplatz im Kleinen Brühl, danach im Biegenöschle und dann im Sportstadion“, zählt Müller auf. Fußball spielte er bis zu seinem 23 Lebensjahr. 1987 wechselte er zum Tischtennis, selbstredend beim TSV. Noch heute spielt er in der vierten Mannschaft.

Angebot für Jugendliche ist heute größer

Heute sei das Angebot für die Jugendlichen viel größer als zu seiner Zeit. „Damals hieß es im Elternhaus, dass ich selber hinfahren soll, wenn ich Fußball spielen wolle“, erinnerte sich Müller. So fuhr er mit dem Rad zum Fußballtraining ins Nachbardorf. „Heute werden die Kinder von den Eltern bis vor die Halle gefahren.“

Auf alle Fälle seien die Eltern gefragt, wenn die jungen Talente in einer Auswahlmannschaft aufgenommen werden. „Dann heißt es an vielen Wochenenden lange Fahrten zu absolvieren.“ Das beginne schon bei den Zwölfjährigen.

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Müller lässt keinen Zweifel daran, dass eine erfolgreiche Vereinsarbeit von Menschen abhängt, die sich als Trainer und Übungsleiter einbringen. Eine gute Betreuung sei wichtig, wenn die Jugendlichen kommen und dabei bleiben sollen. „Sie sind heute viel mobiler und kommunikativer. Sie sind schnell am Wechseln.“ Heute gebe es viel mehr Sportarten, die die Jugendlichen in der Region treiben könnten, als zu seiner Zeit.

Gute Übungsleiter sind für eine gute Jugendarbeit notwendig. Hier die Handballjugend bei einem mehrtägigen Handballcamp.
Gute Übungsleiter sind für eine gute Jugendarbeit notwendig. Hier die Handballjugend bei einem mehrtägigen Handballcamp. | Bild: Mardiros Tavit

In seiner fast Vierteljahrhundert langen Arbeit als Vorsitzender habe er sehr viele Aufs und Abs im Verein erlebt. Das Angebot des Vereins sei immer sehr vielseitig gewesen. Die Turnabteilung habe sich dem Breitensport verpflichtet. Von Mutter und Kind Turnen bis hin zu den Altersgruppen.

Große Erfolge feierte die Ringtennisabteilung, „eine absolute Randsportart“. Aber von deutschen und Weltmeistertiteln ist nichts geblieben. „Die Abteilung ist nicht mehr aktiv, aber sie ist auch nicht aufgelöst.“

Volleyballer spielen in der zweiten Bundesliga

Sportlich erfolgreichen seien die Tischtennisspieler, die um den Aufstieg in die Landesliga spielten. Die Handballer haben eine große Jugendabteilung. „Die Handballer versuchen, an die Erfolge der Vergangenheit anzuschließen.“ Große Erfolge feiern aktuell die Volleyballer, sie spielen in der zweiten Bundesliga. „Das Fundament dafür hat Klaus Diwersy gelegt.“

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Und dass mit Christian Pampel ein Ex-Volleyball-Nationalspieler dazu kam, „war ein absoluter Glücksgriff“. Denn großes Geld könne der Verein nicht zahlen. Man sei auf Leute mit Engagement angewiesen.

Müller: Thomas Schmid passender Nachfolger

Auf die notwendigen Fähigkeiten eines Vorsitzenden angesprochen, fällt Müller als erstes das diplomatische Geschick ein, das jeder Vorsitzende haben sollte. „Zuhören, nicht den großen Chef spielen, andere Meinungen zulassen und mit viel Geschick den Verein in die richtige Richtung zu lenken.“ Er habe lange nach einem Nachfolger gesucht. „Wollte nicht abtreten, wenn ich alt und senil bin.“ In Thomas Schmid, damals Abteilungsleiter Handball, habe er den Richtigen gefunden.

Sein diplomatisches Geschick hat Müller auch bei den vielen Verhandlungen mit Bürgermeister Manfred Härle bewiesen. So sei bei der Sanierung der Mimmenhauser Turnhalle nur eine Umwandlung in ein Dorfgemeinschaftshaus vorgesehen gewesen. Ohne Linien für Sportfelder, Ringe oder Taue.

Gemeinsam haben sie eine Minimallösung gefunden, mit der die Dorfgemeinschaft, die Grundschule und der TSV leben konnten. Nur ein Beispiel von vielen von Müllers Zusammenarbeit mit dem Schultes. „Wir haben viel miteinander verhandelt und gestritten.“ Am Ende hatte es der Sache gedient. Bürgermeister Härle bedankte sich mit einem Brief für Müller Einsatz und gemeinsame Arbeit.