Dass die sechsjährige Nike gerade in den Rettungswagen verfrachtet wird, nimmt ihre Mutter ziemlich gelassen hin: „Tschüss, Nike! Gute Besserung!“, ruft Silke Schörner ihrer Tochter hinterher. Die lacht fröhlich, denn beim Juniorblaulichttag ist zum Glück alles nur gespielt.

Das Jugendrotkreuz Salemertal und die Jugendfeuerwehr Salem haben sprichwörtlich alles aufgefahren, was der Fuhrpark hergibt, um ihre Arbeit zu präsentieren. Damit locken sie viele Familien zum Rettungszentrum an der Schlossseeallee. „Blaulicht fasziniert“, meint Silke Schörner, „das ist für Kinder immer toll“.

Video: Altmann, Miriam

So führt Florian Kaupp vom DRK-Ortsverein etwa die Ausrüstung des Rettungswagens vor. Auch den großen Notfallkoffer nimmt Kaupp für die Kinder auseinander. Die Halskrause, die der Rotkreuzler daraus hervorzieht, möchte der siebenjährige Ole lieber nicht selbst ausprobieren. Also muss sein Vater Mario Siebert als Anschauungsobjekt herhalten. „Immer, wenn jemand etwas am Hals kaputt hat, legen wir das Ding um, damit nicht noch mehr kaputtgeht“, erklärt Kaupp kindgerecht.

Der Papa als Anschauungsobjekt: Florian Kaupp legt Mario Siebert eine Halskrause an. Dieser zeigt den zuschauenden Kindern, dass er ...
Der Papa als Anschauungsobjekt: Florian Kaupp legt Mario Siebert eine Halskrause an. Dieser zeigt den zuschauenden Kindern, dass er damit seinen Nacken nicht mehr bewegen kann. | Bild: Miriam Altmann

Jugendleiterin Carmen Schreiber zeigt die Station nebenan, wo sich die jungen Besucher Verletzungen schminken und anschließend verarzten lassen können. „Es ist etwas anderes, wenn man es wirklich sieht“, betont sie. Nachdem die Corona-Pandemie zu sinkenden Mitgliederzahlen führte, setzt das Team durch den gut besuchten Juniorblaulichttag auf einen Werbeeffekt: „Jetzt hoffen wir, dass wir neue Mitglieder bekommen, wenn die Kinder sehen, was wir machen.“ Ab dem Schuleintritt können die Kleinen dabei sein.

Carmen Schreiber, Jugendleiterin des Ortsvereins Salemertal, hofft auf neue Mitglieder für das Jugendrotkreuz.
Carmen Schreiber, Jugendleiterin des Ortsvereins Salemertal, hofft auf neue Mitglieder für das Jugendrotkreuz. | Bild: Miriam Altmann

In der Kuscheltierklinik herrscht derweil viel Betrieb: Gerade operiert Silke Helm das Einhorn der dreijährigen Leni. „Es ist die Treppe heruntergefallen und hat sich ein Bein gebrochen“, erklärt Lenis Tante, Nicole Sturm. Nach einer kurzen Zeit im Aufwachraum darf Leni den kleinen Patienten samt Verband und Traubenzucker wieder an sich drücken.

Silke Helm operiert das Einhorn der dreijährigen Leni in der Kuscheltierklinik. „Es ist die Treppe heruntergefallen und hat sich ...
Silke Helm operiert das Einhorn der dreijährigen Leni in der Kuscheltierklinik. „Es ist die Treppe heruntergefallen und hat sich ein Bein gebrochen“, erklärt Lenis Tante, Nicole Sturm. | Bild: Miriam Altmann

„Wir wollen den Kindern die Angst nehmen, falls sie einmal ins Krankenhaus müssen“, erläutert Carmen Schreiber die Idee hinter der Kuscheltierklinik. Die zehnjährige Theresa hilft bereits fleißig bei der Behandlung der Puppen und Stofftiere mit. Ob die Jugendrotkreuzlerin später einmal das Hobby zum Beruf machen möchte, weiß sie noch nicht: „Vielleicht“, meint Theresa.

Einmal Schnupfen, einmal Husten: Sissi und Klara können schnell wieder aus der Kuscheltierklinik entlassen werden. Sabine Hager-Schmid ...
Einmal Schnupfen, einmal Husten: Sissi und Klara können schnell wieder aus der Kuscheltierklinik entlassen werden. Sabine Hager-Schmid (rechts) und Theresa geben ihnen Traubenzucker als Medizin mit. | Bild: Miriam Altmann

Auch drüben bei den jungen Feuerwehrleuten ist die Berufswahl noch offen: „Ich überlege noch“, sagt die zwölfjährige Laura, die aus einer echten Feuerwehrfamilie stammt. Mit ihrer zehnjährigen Schwester Hanna betreut sie eine Station, bei der mit einer Kübelspritze das gezielte Löschen geübt wird.

Wasser marsch! Die zehnjährige Hanna ist seit einem Jahr bei der Jugendfeuerwehr und hilft den Kindern dabei, mit der Kübelspritze ...
Wasser marsch! Die zehnjährige Hanna ist seit einem Jahr bei der Jugendfeuerwehr und hilft den Kindern dabei, mit der Kübelspritze gezielt zu löschen. | Bild: Miriam Altmann

„Besonders Spaß macht es mir, mit dem Schlauch und dem Wasser zu arbeiten“, verrät Hanna, „und dass man mit dem Feuerwehrauto fahren darf.“ Auch die jüngste Schwester Vanessa möchte gerne in die Fußstapfen des Vaters treten: „Ich habe eine Jacke angehabt und gelöscht“, berichtet die Vierjährige stolz.

Schon der Papa war bei der Feuerwehr: Die zwölfjährige Laura und die zehnjährige Hanna zeigen ihrer vierjährigen Schwester Vanessa, was ...
Schon der Papa war bei der Feuerwehr: Die zwölfjährige Laura und die zehnjährige Hanna zeigen ihrer vierjährigen Schwester Vanessa, was sie schon gelernt haben. | Bild: Miriam Altmann

Bis Vanessa regelmäßig bei der Jugendfeuerwehr mitmachen darf, muss sie noch etwas warten. „Bei uns darf man erst ab zehn Jahren rein“, begründet Jugendwart Jens Sauer. Daher rechne er nicht mit vielen neuen Mitgliedern. Doch man wolle den Kindern zeigen, was bei der Feuerwehr gemacht werde, welches Material und welche Fahrzeuge es gebe.

Jugendwart Jens Sauer möchte zeigen, was man bei der Feuerwehr macht, und freut sich auf Neumitglieder ab zehn Jahren.
Jugendwart Jens Sauer möchte zeigen, was man bei der Feuerwehr macht, und freut sich auf Neumitglieder ab zehn Jahren. | Bild: Miriam Altmann

Gerade letztere stehen an dem Nachmittag besonders hoch im Kurs. Hinter den Lenkrädern diverser Feuerwehrautos sitzen stolze Knirpse und manch einer darf sogar das Blaulicht anschalten. Einer davon ist der 15 Monate alte Moritz: „Er will gar nicht mehr raus“, sagt sein Vater schmunzelnd.

Der 15 Monate alte Moritz ist fasziniert von dem großen Feuerwehrauto: „Er will gar nicht mehr raus“, sagt sein Vater Enrico ...
Der 15 Monate alte Moritz ist fasziniert von dem großen Feuerwehrauto: „Er will gar nicht mehr raus“, sagt sein Vater Enrico Lange schmunzelnd. | Bild: Miriam Altmann

Viele Kinder stehen Schlange, um einmal den Feuerlöscher bedienen zu dürfen. Etwas zögerlich macht sich die fünfjährige Charlotte in Schutzkleidung ans Werk, unterstützt von Klaus Reich von der freiwilligen Feuerwehr. „Babyleicht“, fällt ihr Urteil aus, nachdem die Flammen gelöscht sind.

Video: Altmann, Miriam (Extern)

Auch das Polizeiauto von Uwe Koester ist ein Publikumsmagnet. „Auf die Frage, welches Auto das coolste ist, haben die Kinder Polizei gesagt“, sagt Koester stolz. Laut dem Jugendsachbearbeiter wollte jedes dritte Kind, das auf dem Fahrersitz Platz genommen hatte, später bei der Polizei arbeiten.

Uwe Koester vertritt beim Juniorblaulichttag die Polizei. Er ist der Überzeugung, das coolste Auto auf dem Platz zu haben. Zahlreiche ...
Uwe Koester vertritt beim Juniorblaulichttag die Polizei. Er ist der Überzeugung, das coolste Auto auf dem Platz zu haben. Zahlreiche Kinder hätten ihm recht gegeben. | Bild: Miriam Altmann

Um die Nachwuchsgewinnung gehe es bei der Aktion jedoch weniger: „Wir wollen Berührungsängste abbauen und den Kontakt mit den anderen Blaulichtorganisationen pflegen“, erklärt Uwe Koester. Aufgrund der örtlichen Nähe nach dem Umzug des Salemer Polizeipostens sei man jetzt auch mit dabei.

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