Petra Löffler ist als Erste an der Reihe. Gelassen sitzt sie im kleinen Büro der Seniorenbetreuung Schlosssee Salem, welches an diesem Tag zum Impfraum umfunktioniert wird. Timm Ahlhelm hat gerade das Aufklärungsgespräch mit ihr geführt. „Morgen und übermorgen werden Sie sich vielleicht abgeschlagen fühlen“, kündigt er Petra Löffler kurz vor dem Setzen der Spritze an.

Augen zu und durch: Petra Löffler ist die Erste, die im Rahmen des Impftags in der Seniorenresidenz am Schlosssee von Timm Ahlhelm geboostert wird.
Augen zu und durch: Petra Löffler ist die Erste, die im Rahmen des Impftags in der Seniorenresidenz am Schlosssee von Timm Ahlhelm geboostert wird. | Bild: Altmann, Miriam (Extern)

Dann werde sie bei der morgigen Fortbildung nur meditativ anwesend sein, scherzt die Erzieherin. Die 60-Jährige ist froh, dass sie im Rahmen der Impfaktion in der Seniorenresidenz am Schlosssee ihre dritte Schutzimpfung gegen Covid-19 bekommen konnte. „Das bringt beim Arbeiten auch wieder ein Stück Sicherheit“, sagt sie nach dem Piks.

Das könnte Sie auch interessieren

Impfen vor Ort und ohne Wartezeit

Der Betreuungsverein hatte für die Bewohner der Wohnresidenz, des Cityhauses und der beiden Häuser Generation+ ein mobiles Impfteam bestellt, um ihnen ohne lange Wege oder Wartezeiten die Booster-Impfung zu ermöglichen. „Wir sind in Salem, um Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige zu impfen“, teilt Timm Ahlhelm mit. 100 Personen seien angemeldet, doch es könnten noch mehr geimpft werden: „Wir sind zufrieden über jeden, den wir impfen können“, betont der Anästhesist im Ruhestand. Deswegen kämen auch Angestellte der Gemeinde oder Mitglieder der Rettungsdienste, ergänzt Ingrid Bregenzer.

Ingrid Bregenzer (links) und Kathrin Grodde von der Seniorenbetreuung Schlosssee Salem haben einen langen Tag vor sich: Bereits im Vorfeld war viel Planungsarbeit notwendig, damit die Impfaktion reibungslos über die Bühne gehen kann.
Ingrid Bregenzer (links) und Kathrin Grodde von der Seniorenbetreuung Schlosssee Salem haben einen langen Tag vor sich: Bereits im Vorfeld war viel Planungsarbeit notwendig, damit die Impfaktion reibungslos über die Bühne gehen kann. | Bild: Altmann, Miriam (Extern)

Gemeinsam mit Kathrin Grodde arbeitet sie im Büro des Betreuungsvereins. Die Planung der Impfaktion bedeutete für beide viel Vorbereitung: Die Bewohner mussten informiert werden, viele Formulare waren auszufüllen und Listen zu führen, berichtet Kathrin Grodde. Von dieser Liste rufen sie nach und nach die Senioren an, damit sich diese rechtzeitig bereit machen und ins Foyer kommen. „Wir haben schon Erfahrung“, merkt Ingrid Bregenzer schmunzelnd an, denn zweimal seien schon Impfteams da gewesen. In weiser Voraussicht trage sie flache Schuhe, da sie davon ausgehe, den ganzen Tag im Einsatz zu sein. Das bedeute für die Teilzeitkräfte viele Überstunden, „doch wir sehen es als wichtig an“, betont sie auch im Namen ihrer Kollegin.

Bewohner sind froh über das Booster-Angebot

Christa Baumann kommt pünktlich zu ihrem Impftermin. Die Bewohnerin des Cityhauses ist erleichtert über die Möglichkeit, frühzeitig geboostert zu werden. „Ich habe Probleme mit dem Hals und der Atmung“, offenbart sie, daher sei es für sie klar gewesen, dass sie das Angebot annehme. Ihre Erstimpfung habe sie erst im Mai erhalten, weil sie noch keine 70 Jahre alt gewesen sei: „Ich wäre gern vor der Welle geimpft worden – dieses Mal hat es geklappt“, sagt die 69-Jährige. „Ich habe meinen Arm zwei Tage gemerkt, sonst hatte ich keine Probleme“, gibt sich Christa Baumann zuversichtlich, dass sie die dritte Dosis auch gut vertragen wird.

Die vorbereiteten Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna liegen bereit. Für unter 30-jährige Angestellte und Angehörige hat das mobile Impfteam den Impfstoff von Biontech im Gepäck.
Die vorbereiteten Spritzen mit dem Impfstoff von Moderna liegen bereit. Für unter 30-jährige Angestellte und Angehörige hat das mobile Impfteam den Impfstoff von Biontech im Gepäck. | Bild: Altmann, Miriam (Extern)

Neuer Job durch Pandemie

Für den Fall der Fälle hat Paul Weber ein Auge darauf, dass die 69-jährige Bewohnerin und die anderen geimpften Personen noch eine Viertelstunde zur Beobachtung bleiben. Der gelernte Restaurantfachmann hat bis November im Konzil in Konstanz gearbeitet – nun sorgt er als Fahrer dafür, dass das Impfteam zu seinen Einsatzorten kommt. „Das hat sich einfach ergeben“, sagt Paul Weber, der auch Mitglied bei den Maltesern ist, „man muss das Beste aus der Situation machen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Als nächstes lotst er die 96-jährige Emmi Koch zur Anmeldung. Für sie sei gleich klar gewesen, dass sie das Impfangebot annehme: „Freilich, wenn‘s nötig ist, machen wir‘s“, versichert die rüstige Seniorin. Die ersten beiden Impfgaben habe sie gut vertragen. „Ich hab‘ keine Bedenken“, versichert sie hinsichtlich der heutigen Impfung.

Die 96-jährige Emmi Koch hat gerade ihre dritte Covid-Impfung erhalten. Paul Weber vom mobilen Impfteam achtet darauf, dass die Bewohner nach der Impfung noch eine Viertelstunde zur Beobachtung bleiben.
Die 96-jährige Emmi Koch hat gerade ihre dritte Covid-Impfung erhalten. Paul Weber vom mobilen Impfteam achtet darauf, dass die Bewohner nach der Impfung noch eine Viertelstunde zur Beobachtung bleiben. | Bild: Altmann, Miriam (Extern)

Schutzmaßnahmen seit März 2020

Ingrid Bregenzer sieht das ähnlich. Sie ist froh, dass sich fast alle Bewohner impfen lassen. Knapp 70 von ihnen seien heute angemeldet, aber viele seien bereits von ihren Hausärzten geboostert worden. Seit dem 13. März 2020 habe das vormals offene Haus seine Türen zum Schutz der Bewohner geschlossen – hinein komme man nur nach Anmeldung und unter Einhaltung der gängigen Hygienemaßnahmen.

In der Einrichtung habe es schon Corona-Fälle gegeben, jedoch nur wenige, die mild verlaufen seien. „Wir sind bislang richtig gut gefahren“, sagt sie mit Erleichterung in der Stimme. Allerdings fehle ein Teammitglied seit einer Covid-Erkrankung aufgrund von Langzeitfolgen, bedauert Ingrid Bregenzer.

113 Impfungen bis zum Abend

Timm Ahlhelm fügt hinzu: „Das ist eine ernstzunehmende Krankheit.“ Um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen, werde gerade ein viertes mobiles Impfteam zusammengestellt. „Wir entlasten gern die niedergelassenen Ärzte“, sagt er. Die politische Zielsetzung von 30 Millionen Auffrischimpfungen bis Weihnachten sieht der Arzt jedoch nicht als realistisch: „Wir sollten keine falschen Versprechungen machen“, fordert er, denn jeder habe das Anrecht, vor der Impfung Fragen zu stellen. Die Aufklärung koste Zeit, auch wenn der administrative Teil bei der dritten Impfung geringer ausfalle.

Das könnte Sie auch interessieren

Am Ende des langen Impftages kommt das Team auf 113 Impfungen. „Es ist alles gut gelaufen“, meldet Ingrid Bregenzer abends zurück. „Ich denke, es sind alle zufrieden.“