Die pandemische Lage spitzt sich derzeit weiter zu. Laut Bundesregierung sollen die Bildungs- und Betreuungs-Einrichtungen trotzdem möglichst offen bleiben. Nach den Erfahrungen des Frühjahrs-Lockdown rüsten vielerorts Schulen digital auf. So auch in Salem. Pädagogen und Schüler der dortigen Gemeinschaftsschule (GMS) berichten von ihren Lernerfahrungen während des Lockdowns, wie gut ihr Unterricht mittlerweile digital organisiert ist und loten die Grenzen des digitalen Lernens aus.

25 Laptops kommen über Sofort-Hilfe-Programm

„Online-Lernen ist gut, ersetzt aber nicht das, wovon Schule lebt: Gespräche, Sozialkontakte, Diskussionen oder Rückfragen“, unterstreicht Konrektorin Karin Hiestand.
„Online-Lernen ist gut, ersetzt aber nicht das, wovon Schule lebt: Gespräche, Sozialkontakte, Diskussionen oder Rückfragen“, unterstreicht Konrektorin Karin Hiestand. | Bild: Martina Wolters

Mit der wichtigste Aspekt überhaupt beim Online-Lernen ist die technische Ausstattung. Denn das beste pädagogische Konzept greift nicht, wenn der eine oder andere Schüler mangels Laptop offline bleibt. „Von unseren rund 400 Gemeinschaftsschülern haben fast alle ein Endgerät“, unterstreicht die Salemer Konrektorin Karin Hiestand. Der Schulförderverein und eine großzügige Firmenspende habe das möglich gemacht. Die etwa 25 noch fehlenden Geräte sollen über ein Sofort-Hilfe-Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung angeschafft werden.

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Ehemaliger Lehrer hat Plattform erstellt

„Mit der neuen Software können wir online unterrichten, Beispielaufgaben und Erklärvideos bereitstellen oder zeitverzögert Lösungen anbieten“, erläutert Mathelehrerin Angelika Fischer.
„Mit der neuen Software können wir online unterrichten, Beispielaufgaben und Erklärvideos bereitstellen oder zeitverzögert Lösungen anbieten“, erläutert Mathelehrerin Angelika Fischer. | Bild: Martina Wolters

Begeistert zeigt sich die Pädagogin von der schuleigenen „Lernplattform Salem Connected“. Der ehemalige Lehrer Josef Fischer hatte die Software an Hand der offiziellen Plattform Moodle erstellt. Die einzelnen Fächer und ein Kalendarium mussten angelegt werden und Zugänge für Schüler erstellt werden. „Bis zur offiziellen Inbetriebnahme der Lernplattform nach Pfingsten hat es nur Behelfslösungen per E-Mail und Telefon gegeben“, erinnert sich Mathematiklehrerin Angelika Fischer an den ersten Lockdown im Frühjahr. Zusammen mit „ihrer“ neunten Klasse hat sie das neue Softwaresystem intensiv getestet und weiterentwickelt. Jeden einzelnen Schüler musste sie vorher telefonisch einweisen in das System.

Rückmeldungen sind meist positiv

“Die Plattform ist leicht zu nutzen und gut verständlich,“ sagt Lars Reichmann.
“Die Plattform ist leicht zu nutzen und gut verständlich,“ sagt Lars Reichmann. | Bild: Martina Wolters

Die Schülerrückmeldungen sind weitgehend positiv. “Die Plattform ist leicht zu nutzen und gut verständlich“, findet beispielsweise der 15-jährige Lars Reichmann. Seine Klassenkameradin Verena Maurer berichtet von manchmal auftretenden Verzögerungen bei der Übertragung im Homeschooling. Ansonsten zeigt sich die 15-Jährige zufrieden mit den gebotenen Möglichkeiten von hochgeladenen Aufgabenblättern über Lehrfilme bis zu Video-Konferenzen.

„Lehrererklärungen sind schon manchmal sinnvoll“, ist Jan Staiger sicher.
„Lehrererklärungen sind schon manchmal sinnvoll“, ist Jan Staiger sicher. | Bild: Martina Wolters

Danach gefragt, ob Lehrpersonen und realer Unterricht künftig unnötig werden könnten, verneinen die Jugendlichen. Per You-tube-Erklär-Videos lasse sich manche Aufgabe prima nachvollziehen. „Wenn ich aber etwas einmal gar nicht verstehe, dann helfen die Lehrer schon besser“, meint Neuntklässler Jan Staiger.

„Anfänglich gab es Probleme mit verzögerter Übertragung, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden“, meint Verena Maurer.
„Anfänglich gab es Probleme mit verzögerter Übertragung, aber ansonsten bin ich sehr zufrieden“, meint Verena Maurer. | Bild: Martina Wolters

Auch Pädagogen müsse fortgebildet werden

Hiestand ergänzt, Online-Lernen sei zwar gut, „kann aber das, wovon Schule lebt wie Gespräche, Sozialkontakte, Diskussionen und Rückfragen nicht ersetzen“. Mit “Salem Connected“ sei die GMS Salem aber auf unterschiedlichste Szenarien, die sich angesichts bedrohlicher Infektionszahlen ergeben könnten, „gut gewappnet“. Ebenso sei die Schule für zukünftiges digitales Lernen gut aufgestellt. Die Fünft- und Sechstklässler, die noch nicht so fit seien mit der Arbeit am PC, erhalten gemäß Hiestand wöchentlich eine Stunde extra IT-Unterricht. Ebenso müssten die Pädagogen regelmäßig fortgebildet werden. “Damit wir eine differenzierte Online-Didaktik vorhalten können“, betont Hiestand die Notwendigkeit von sinnvollen Bildungsinhalten für den Digitalunterricht.