Die Zeit drängt: Durch den Krieg in der Ukraine und den Klimawandel sei die schnelle Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen unumgänglich, erklärte Petra Karg (GoL) zuletzt in der Gemeinderatssitzung. Ihre Fraktion beantragte daher, das Potenzial für Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Gebäuden in Gemeindebesitz zu ermitteln – auch, um Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen möglichst zu verhindern: „Fläche ist nicht vermehrbar. Aus diesem Grund ist das Gebot der Stunde, so viel erneuerbare Energie wie möglich auf bereits versiegelter Fläche zu generieren.“ Die Bürger sollten in die Diskussion einbezogen und Möglichkeiten der Bürgerenergie geschaffen werden.

Möglichkeiten am Tiefbrunnen und der Neuen Mitte

Bürgermeister Manfred Härle sprach von etwa 80 öffentlichen Gebäuden in der Gemeinde. Stefanie Müller, stellvertretende Leiterin des Hochbauamts, stellte mehrere Bereiche mit hohem Stromverbrauch vor. So solle der Schaudt-Bau der Gemeinschaftsschule mit Photovoltaik bestückt werden: „Der Antrag ist schon am Laufen.“ Beim Sporthallendach sprächen statische Bedenken gegen eine solche Anlage. Geeignet seien hingegen der Tiefbrunnen in Neufrach sowie die Überdachungen der Radstellplätze und der Abgänge in die Tiefgarage der Neuen Mitte. Was die Kläranlage angehe, solle erst deren Zukunft geklärt werden: „Wir sind aber dran, weil sie einen unglaublich hohen Stromverbrauch hat“, meinte der Bürgermeister.

Die Sporthalle am Schlosssee scheidet aus: Sie eignet sich nicht für die Gewinnung von Solarstrom. Die Statik lässt hier keine ...
Die Sporthalle am Schlosssee scheidet aus: Sie eignet sich nicht für die Gewinnung von Solarstrom. Die Statik lässt hier keine Photovoltaik zu. | Bild: Miriam Altmann

Härle sieht Teilhabe von Bürgern kritisch

Ulrike Lenski (GoL) freute sich über die Rückmeldung, hatte jedoch mehr erwartet: „Unser Antrag war, Potenzialflächen vorgelegt zu bekommen“, unterstrich sie. „Wir würden gern mehr in den Prozess eingebunden werden.“ Auch die Öffentlichkeit solle verstärkt beteiligt sein, sagte sie mit Verweis auf den neu gebildeten Bürgerstammtisch. Henriette Fiedler (FWV) unterstützte den Antrag: „Wir haben seltsame Zeiten vor uns und müssen die Bürger motivieren.“ Härle versprach eine Übersicht, machte aber deutlich, dass es nicht umsetzbar sei, in zwei Jahren alle kommunalen Dachflächen mit Photovoltaik auszustatten. Die Teilhabe von Bürgern sah er wegen ungeklärter Detailfragen kritisch: „Was wir auf unseren kommunalen Dächern machen, möchten wir selbst machen.“ Wer investiere, habe Erwartungen an die Rendite.

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Räte wollen jedoch Bürger beim Ausbau ins Boot holen

Petra Karg bewertete den Zeitfaktor als kritischer: „Wir müssen so viel wie möglich möglichst schnell auf die Dächer bringen, sonst kommt es auf die Äcker.“ Man könne Dachflächen auch vermieten, um möglichst viel Solarenergie zu generieren. Ursula Hefler (CDU) sprach sich ebenfalls für Bürgerenergiegenossenschaften aus. Sie schlug ein zweigleisiges Vorgehen vor, indem die Kommune das ihr Mögliche tue und Ansätze aus der Bürgerschaft begleite: „Wir können nur davon profitieren, daher lasst uns starten mit allem, was möglich ist.“ Ralf Gagliardi (GoL) schloss sich an: „Keine Angst vor Bürgern, bitte!“ Ein Entweder-oder sei nicht mehr zeitgemäß – nun müsse ein Sowohl-als-auch gelten.

Unternehmen könnten ihre Dächer vermieten

Auch Ulrich König (FDP) erklärte, es sei notwendig, Energie selbst zu erzeugen. Im Privatbereich habe sich aber schon viel entwickelt. Als Beispiel zog er das Stefansfelder Neubaugebiet mit vielen Photovoltaik-Anlagen heran. König sagte, er gehe auch davon aus, dass sich kein Gewerbetreibender verweigern würde, wenn sich eine Genossenschaft bilde und seine Dachfläche miete. „Wir werden uns aber nicht wehren können, wenn Investoren landwirtschaftliche Flächen mieten und mit Photovoltaik bestücken.“

Der Tiefbrunnen in Neufrach könnte noch 2022 mit Photovoltaik ausgestattet werden – „vorausgesetzt, man kriegt die ...
Der Tiefbrunnen in Neufrach könnte noch 2022 mit Photovoltaik ausgestattet werden – „vorausgesetzt, man kriegt die Module“, betonte Bürgermeister Manfred Härle. | Bild: Miriam Altmann

Bürgermeister stützt Forderung nach schnellem Ausbau

Petra Herter (CDU) wollte wissen, bis wann Photovoltaik auf Tiefbrunnen und Bildungszentrum möglich sei: „Ist eine Ausschreibung bis September realistisch?“ Beim Schaudt-Bau laufe es, bekräftigte der Bürgermeister. „Der Tiefbrunnen wäre auch dieses Jahr möglich – vorausgesetzt, man kriegt die Module.“ Es sei durchaus angedacht, die im Haushalt veranschlagten 200.000 Euro auszugeben. „Da vergeben wir uns nichts, wenn wir das auf den Weg bringen“, fügte er hinsichtlich des Antrags der GoL-Fraktion hinzu, der vom Gemeinderat einstimmig befürwortet wurde.