Eigentlich möchte Gerhard Wachter nur eine Datei übers Internet herunterladen, doch seine Internetverbindung will heute einfach nicht mitspielen. Immer wieder kommt es zu Verzögerungen und langen Ladezeiten. Seit über 30 Jahren wohnen er und seine Frau in Weildorf, dem fünftgrößten Teilort Salems. Gerhard Wachter hat wenig Verständnis dafür, dass es im Jahr 2021 immer noch Schwierigkeiten mit dem Internet gibt.

Zweifel, dass Gemeinde das Thema Breitbandausbau ernst nimmt

„Ich glaube nicht, dass überhaupt anerkannt wird, dass eine schnelle und zuverlässige Internetverbindung wichtig für die Menschen hier ist“, sagt Gerhard Wachter. „Alle Welt spricht davon, dass die Digitalisierung zu den Zukunftsaufgaben gehöre. In einigen Kommunen scheint dies auch angekommen zu sein, aber nicht in allen.“ Wachter kritisiert vor allem, dass Salem nicht dem Zweckverband Breitband Bodenseekreis (ZVBB) beigetreten ist.

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Verband erhält Subventionen von Bund und Land

Der Verband möchte die Region mit einer stabilen Internetverbindung versorgen und stützt sich dabei auf finanzielle Subventionen von Bund und Land. „Warum eine 62,7 Quadratkilometer große Flächengemeinde wie Salem sich diesem Zweckverband nicht angeschlossen hat und damit auf eine derartig hohe Förderung verzichtet, bleibt mir ein Rätsel.“ Aus seiner Zeit als Gemeinderat kann er sich erinnern, dass bereits damals das Thema Breitbandausbau hitzig diskutiert wurde. „Ich erinnere mich auch an ein Unternehmen, das Konferenzen mit Firmen im Ausland führen musste und dafür immer in die Mitte gefahren ist.“

Gerhard Wachter versteht nicht, warum Salem die finanziellen Zuschüsse durch den Verbund nicht wahrnehmen möchte, um auszubauen.
Gerhard Wachter versteht nicht, warum Salem die finanziellen Zuschüsse durch den Verbund nicht wahrnehmen möchte, um auszubauen. | Bild: Lucas Peuser

Nur zehn von 23 Gemeinden im Verband vertreten

Tatsächlich sind lediglich zehn der 23 Gemeinden im Bodenseekreis im Verband vertreten. Damit sind rund 62.000 der kreisweit 218.000 Einwohner abgedeckt. Auf Nachfrage, weshalb die anderen Gemeinden dem Verband nicht beigetreten sind, antwortete der ZVBB, dass diese teilweise andere Ausbaupläne hätten.

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Doch Gerhard Wachter zweifelt an der Zweckmäßigkeit eigener Ausbaupläne der Gemeinde Salem. „Von den auf 52 Millionen Euro geschätzten Kosten fördert der Bund mit 50 Prozent (26,6 Millionen Euro) und das Land mit 40 Prozent (21 Millionen Euro) die Investition in ein schnelles Glasfasernetz. Und ausgerechnet Salem ist nicht im Verband. Das hat mich schon sehr irritiert.“

Bürgermeister Manfred Härle: „Gerade die größeren Kommunen sehen keinen Vorteil in einem Beitritt zum Verbund, da sie den Breibandausbau eigenständig besser steuern und selbst vorantreiben können.“
Bürgermeister Manfred Härle: „Gerade die größeren Kommunen sehen keinen Vorteil in einem Beitritt zum Verbund, da sie den Breibandausbau eigenständig besser steuern und selbst vorantreiben können.“ | Bild: Gemeinde Salem

Größere Kommunen möchten Ausbau selbst steuern

Bürgermeister Manfred Härle hält an seiner Argumentation fest und bestätigt, dass Salem an eigenen Ausbauplänen arbeite. „Gerade die größeren Kommunen sehen keinen Vorteil in einem Beitritt, da sie den Breibandausbau eigenständig besser steuern und selbst vorantreiben können.“ Ein eigener Weg sei geplant und die Gemeinde habe bereits einen Zuschuss für Beratungsleistungen vom Bund erhalten. „Nach Erhalt der Förderung haben wir ein Büro mit einem Markterkundungsverfahren beauftragt. Dabei wird mit den Telekommunikationsunternehmen abgeklärt, wie der Stand der Versorgung in der Gemeinde ist und ob eigene Ausbaumaßnahmen in den nächsten Jahren geplant sind.“

„Zukunft ist im Vorwahlbereich 07553 noch nicht angekommen“

Diesen Stand der Gemeinde Salem könnte Manfred Härle vermutlich auch der Internetseite DSL Regional entnehmen. Dieser Seite zufolge verfügen in Salem etwa zwei Prozent der Haushalte über einen Glasfaseranschluss und 42 Prozent der Haushalte haben eine DSL-Verbindung mit maximal 100 Mbit/s zur Verfügung. Konstantin Matern, Betreiber dieser Internetseite, sagt: „Noch ist im Vorwahlbereich 07553 die Zukunft des Lichtwellenleiters nicht angekommen. Wir hoffen daher, dass die Anbieter in der Kleinstadt Salem den Ausbau für die 11.152 Bürger weiter vorantreiben.“

Wachter: Auch Bürger in Teilorten wollen nicht abgehängt werden

Gerhard Wachter sagt zum Vorgehen der Gemeinde: „Zumindest die Frage nach dem Warum muss erlaubt sein.“ Denn auch Salems Bürger in den Teilorten hätten den berechtigten Anspruch, nicht abgehängt zu werden.