Es steht unter Denkmalschutz, es prägt das Gesicht von Weildorf – doch der Erhalt des historischen „Eiskellers“ mit seiner markanten Klinkerfassade ist mehr und mehr gefährdet. Das Gebäude, das zu einer ehemaligen Brauerei im Dorf gehörte, verlottert und zerfällt. Es wurde längere Zeit in diversen Immobilien-Portalen zum Verkauf angeboten. Doch niemand packte das Objekt erfolgreich an: Zu kompliziert die Zufahrtsrechte, zu groß der Widerstand in der Nachbarschaft gegen Veränderungen.

Konfliktpotenzial zwischen Anwohnern und Kegelbahnfreunden

Wenn in den zurückliegenden Jahren jemand versuchte, das Areal neu zu gestalten, sei es durch die angedachte Umnutzung des Eiskellers zu Wohnzwecken, oder weil jemand in dem Quartier auf freien Flächen Wohnhäuser bauen wollte, regte sich regelmäßig Widerstand in der Dorfgemeinschaft. Beispiele dafür datieren aus den Jahren 2014 bis 2016. Unter anderem meldete sich der Freundeskreis der historischen Kegelbahn zu Wort. Aber auch andere Vereine, die auf dem Platz vor dem Eiskeller Feste feiern, fürchteten Interessenskonflikte.

Jungunternehmer aus Beuren möchten den alten Eiskeller vor dem Zerfall retten. Laut Philip Kleiner, Unternehmensgründer aus Beuren, wurde der Eiskeller nie für den ursprünglich gedachten Zweck genutzt, denn die Brauerei habe schon gar nicht mehr bestanden, als dieses Kühllager mit seinem dicken Mauern errichtet wurde.
Jungunternehmer aus Beuren möchten den alten Eiskeller vor dem Zerfall retten. Laut Philip Kleiner, Unternehmensgründer aus Beuren, wurde der Eiskeller nie für den ursprünglich gedachten Zweck genutzt, denn die Brauerei habe schon gar nicht mehr bestanden, als dieses Kühllager mit seinem dicken Mauern errichtet wurde. | Bild: Hilser, Stefan

Andererseits ist Weildorf sehr daran gelegen, den Eiskeller zu retten. Mit den Jungunternehmern von „Frida Frisch“ könnte das jetzt gelingen: Katja Wollschläger und Philip Kleiner planen, den Eiskeller als Warenlager für ihre Frischwaren zu erwerben. Im Erdgeschoss könnte Obst und Gemüse gelagert werden – dank der dicken Wände ohne den Zusatz von Kühlgeräten. Im Obergeschoss wären Büroflächen vorgesehen. Und irgendwann in fernerer Zukunft, so die beiden jungen Unternehmer, die auch privat ein Paar sind, könnten im rückwärtigen Bereich des Gebäudes auch Wohnflächen entstehen. Ihr großes Plus: Sie sind im Vereins- und Dorfleben von Weildorf integriert und betonen, dass ihre Pläne stets an den Interessen der Dorfgemeinschaft ausgerichtet seien.

Wachter sieht keine Gefahr für die Kegelbahn

Gerhard Wachter vom Vorstand des Freundeskreises der historischen Kegelbahn nimmt ihnen das ab. „Ich kenne in Weildorf niemanden, der dem jungen Unternehmen Frida Frisch den Erfolg missgönnen oder gar dessen Fortentwicklung boykottieren möchte.“ Bei früheren Vorhaben, die einen Umbau des Eiskellers zu Wohnzwecken vorsah, oder bei Anträgen für neue Wohnhäuser in dem Quartier, habe die Gefahr von Interessenskonflikten bestanden. „Im vorliegenden Fall sehen wir keine Beeinträchtigung unseres saisonal begrenzten Kegelbetriebes.“

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Wohlwollen im Salemer Gemeinderat

Auch der Gemeinderat signalisierte Zustimmung. Auf dem Tisch lag ein Antrag des Unternehmens Frida Frisch für ein Überfahrtsrecht über ein gemeindliches Grundstück – über jene Fläche, die die Vereine für Vereinsfeste nutzen. Bei auswärtigen Investoren wäre das Gremium skeptisch gewesen. Hier jedoch herrschte im Gemeinderat Zuversicht, dass der Fahrzeugverkehr von „Frida Frisch“ nicht erheblich stört.

Wie Katja Wollschläger und Philip Kleiner in ihrem Antrag mitteilten, bestehe ihr Fuhrpark künftig aus maximal drei Lieferfahrzeugen in Transportergröße – und sollte eine weitere Expansion erfolgen, finde sie an anderen Standorten außerhalb von Salem statt. Sie seien im Vereinsleben so integriert, dass sie während Vereinsveranstaltungen keine Zeit für ihren Lieferservice hätten. Insofern könne es hier zu keinen Konflikten kommen.

Philip Kleiner, Grüner von „Frida Frisch“, oder Frischely, wie das Unternehmen mittlerweile heißt. Im Hintergrund der historische Eiskeller in Beuren, den das Unternehmen als Warenlager nutzen möchte.
Philip Kleiner, Grüner von „Frida Frisch“, oder Frischely, wie das Unternehmen mittlerweile heißt. Im Hintergrund der historische Eiskeller in Beuren, den das Unternehmen als Warenlager nutzen möchte. | Bild: Hilser, Stefan

Entscheidung in der nächsten Ratssitzung

Seine förmliche Zustimmung zum Überfahrtsrecht erteilte der Gemeinderat noch nicht. Vielmehr beauftragte er die Verwaltung, eine Sitzungsvorlage zu formulieren, in der das komplexe Thema der Überfahrtsrechte verständlich aufbereitet wird.

Wobei es mit den Überfahrtsrechten über das Gemeindegrundstück noch nicht getan wäre. Es ist etwas komplizierter. Um zum Eiskeller zu gelangen, muss nämlich noch ein Privatgrundstück überfahren werden. Wie Marc Dürrhammer, Mitarbeiter im Salemer Bauamt, den Räten erklärte, bestehe hierfür zwar ein im Grundbuch eingetragenes Überfahrtsrecht. Wenn „Frida Frisch“ einen Bauantrag einreicht, sei es aber nötig, dass der Eigentümer zusätzlich eine Baulast unterschreibt. Zum Bauantrag kann es aber erst kommen, wenn die Jungunternehmer sicher sein können, dass die Baulast dann auch unterschrieben werde. Eine etwas verzwickte Angelegenheit.

Räte wollen Bebauungsplan auf den Weg bringen

Der Eiskeller ist nicht das einzige Projekt in diesem Quartier, das der Gemeinderat derzeit in den Fokus nimmt. In seiner Septembersitzung genehmigte der Rat bereits den Bau eines Mehrfamilienhauses unweit der Kegelbahn. Ein Dominoeffekt könnte entstehen, wenn sich weitere Bauherren jeweils nur auf die Umgebungsbebauung berufen müssten.

Die Freien Wähler sehen deshalb den Bedarf nach einem Bebauungsplan. Angesichts der Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch wegen drohender Konflikte, müsse baurechtlich Ordnung geschaffen werden.

Veränderungssperre für das Quartier angedacht

Dem Antrag der Freien Wähler gab das Gremium einstimmig statt. Damit erhielt die Verwaltung den Auftrag, einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan vorzubereiten. Wenn dieser steht, könnte das Gremium in einem nächsten Schritt eine Veränderungssperre erlassen.

Wie den Wortmeldungen quer durch alle Fraktionen zu entnehmen war, gälte diese Veränderungssperre nicht für den Eiskeller. Denn der steht unter Denkmalschutz und kann in seinem äußeren Erscheinungsbild wenig verändert werden – was Katja Wollschläger und Philip Kleiner betontermaßen auch nicht vorhätten.

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