Salem bekommt etwas, was sich viele Bürgervertreter schon lange wünschen: mietpreisgebundenen Wohnungsbau. Der Gemeinderat hatte jetzt über ein Bauvorhaben der Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis abzustimmen. Bei zwei Gegenstimmen von Klaus Hoher und Kai Uwe Sallie, beide FDP, wurde dem Bauantrag für sechs Grundstücke im Baugebiet Stefansfeld Nord-Ost am Keltenring 55 und 57 mehrheitlich entsprochen.

Mindestens 30 Prozent unter Mietpreisspiegel

Marc Dürrhammer, Amtsleiter Bauverwaltung, erläuterte die Eckdaten: Die Kreisbaugenossenschaft habe sich verpflichtet, für einen Zeitraum von 30 Jahren die Wohnungen mindestens 30 Prozent unter dem jeweils aktuellen Mietpreisspiegel der Gemeinde Salem zu vermieten. Entstehen sollen 30 Mietwohnungen in zwei Gebäuden – vornehmlich Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen.

Schon 2018 hatte das Gremium in nichtöffentlicher Sitzung dem Verkauf der Grundstücke an die Kreisbaugenossenschaft zugestimmt. Laut Bürgermeister Manfred Härle mit einem Abschlag von 200 000 Euro an die Kreisbaugenossenschaft, „um sie in den westlichen Bodenseekreis zu holen“. Bislang hat die eingetragene Genossenschaft in Friedrichshafen, Tettnang, Kressbronn, Langenargen und Meckenbeuren Bauvorhaben realisiert.

Geschäftsführer Bernhard Küchle war in Begleitung von Kollegen und Vertretern der Baufirma Wochner zur Ratssitzung in den Prinz-Max-Saal nach Neufrach gekommen. Küchle erklärte, was in Zukunft in Salem von der Kreisbaugenossenschaft zu erwarten ist: „Unsere Mieten sind fair und bezahlbar. Wir schöpfen den Mietspiegel nicht aus.“ Um Luxuswohnen handelt es sich nicht, aber um „zeitgemäße Wohnqualität“, so Küchle. Auch sprach er von öffentlich geförderten Bauten, bei denen auf den Klimaschutz geachtet wird.

Das Neubaugebiet Stefansfeld im September 2020 aus luftiger Höhe betrachtet. Inzwischen sind die meisten Häuser, die hier noch im Bau waren, bezogen.
Das Neubaugebiet Stefansfeld im September 2020 aus luftiger Höhe betrachtet. Inzwischen sind die meisten Häuser, die hier noch im Bau waren, bezogen. | Bild: Gerhard Plessing

Jürgen Baumeister, Technischer Leiter bei der Firma Wochner, ging auf die zwei geplanten Gebäude mit gemeinsamer Tiefgarage ein: „Unser Anspruch war es, Ihnen nicht mit 30 Wohneinheiten einen massiven Wohnblock vorzustellen, sondern eine zerklüftete Bauweise.“ Wer von oben auf den Grundriss schaut, sieht insgesamt vier Gebäudekörper, zwei sind jeweils miteinander verbunden, es gibt zwei separate Treppenhäuser. Gebaut wird auf drei Stockwerken, das Obergeschoss ist in Staffelbauweise zurückgesetzt.

„Unser Anspruch war es, Ihnen nicht mit 30 Wohneinheiten einen massiven Wohnblock vorzustellen, sondern eine zerklüftete Bauweise.“
Jürgen Baumeister, Technischer Leiter

Optisch möchten die Planer Wärme erzeugen. „Wir wollen viel Glasfläche reinbringen und erdfarbene Fassaden“, sagte Baumeister. Es solle ein warmer Charakter und kein kühles Bild entstehen. Dies gefiel den Gemeinderäten. Veranschaulicht wurde das Vorhaben durch das gemeinsame Betrachten verschiedener zwei- und dreidimensionaler Zeichnungen. „Die Gebäude sollen einen hochwertigen Eindruck vermitteln“, erläuterte der Technische Leiter. Keine Billigbauweise, kein Sozialwohnungsbau waren weitere Stichworte. Das Investment liegt bei rund 7,86 Millionen Euro und wird von der KfW gefördert. So weit, so gut.

1,5 anstatt zwei Parkplätze pro Wohneinheit

In Salem sind pro Wohneinheit zwei Parkplätze vorgesehen. Dem Anspruch wird das Bauvorhaben nicht gerecht. In der Tiefgarage sollen 39 und oberirdisch sechs Parkflächen entstehen. Das ergibt 1,5 Stellflächen pro Wohnung. „Wir haben oben nur sechs Pkw-Stellplätze. Mehr sind nicht möglich, sehen aber auch nicht besonders schön aus“, sagte Jürgen Baumeister. Auch legte er dar, nicht zu viel Fläche versiegeln zu wollen. In der Tiefgarage sind zusätzlich zu den 39 Parkplätzen noch die Kellerräume, Gemeinschaftsräume und der Müllraum vorgesehen. Zwischen 80 und 100 Fahrradstellplätze sollen entstehen – einige davon oberirdisch an den beiden Häusern.

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Marc Dürrhammer berichtete: Vonseiten der Verwaltung sei gegenüber der Kreisbaugenossenschaft darauf hingewiesen worden, dass bisher von den Festsetzungen der Stellplatzsatzung nicht abgewichen worden sei. „Andererseits wurde bislang in Salem auch kein Bauvorhaben mit der Vorgabe der Mietpreisreduzierung von 30 Prozent unter dem aktuellen Mietpreisspiegel für einen Zeitraum von 30 Jahren umgesetzt, und das für 100 Prozent der Wohneinheiten“, hieß es weiter. Bürgermeister Härle bekräftigte dies ebenfalls.

Die Rückmeldungen der Ratsmitglieder zur Parkplatzfrage fielen sehr unterschiedlich aus. Petra Herter (CDU) sagte: „Wir fordern ja immer diese günstigen Wohnungen. Das mit den Stellplätzen liegt in unserer Hand. Wir haben uns immer alle an diesen zwei Stellplätzen festgehalten. Doch dieses Projekt ist nicht mit anderen vergleichbar. Es bleibt im Eigentum der Wohnbaugesellschaft.“

Petra Herter (CDU): „Wir haben uns immer alle an diesen zwei Stellplätzen festgehalten. Doch dieses Projekt ist nicht mit anderen vergleichbar.“
Petra Herter (CDU): „Wir haben uns immer alle an diesen zwei Stellplätzen festgehalten. Doch dieses Projekt ist nicht mit anderen vergleichbar.“ | Bild: Archiv

Peter Frick, auch CDU, entgegnete: „Die Stellplatzsituation kann ich nicht so einfach vom Tisch wischen. Der Keltenring ist zugestellt. Setzen Sie sich mal in ein Lösch-, Räum- oder Müllfahrzeug. Mir tun die Leute Leid, die diesen Dienst machen müssen.“

Peter Frick (CDU): „Die Stellplatzsituation kann ich nicht so einfach vom Tisch wischen. Der Keltenring ist zugestellt.“
Peter Frick (CDU): „Die Stellplatzsituation kann ich nicht so einfach vom Tisch wischen. Der Keltenring ist zugestellt.“ | Bild: Archiv

Auch Kai Uwe Sallie (FDP), der gegen den Bauantrag stimmte, argumentierte in diese Richtung: „Ich sehe die Parksituation sehr problematisch. Die Menschen, die dort wohnen, bekommen Besuch. Auch jemand, der nur in einer kleineren Wohnung wohnt, hat vielleicht einen Partner, der über Nacht bleibt. Über diese Situation muss man sich Gedanken machen. Wenn alle an der Straße parken, wie kommt ein Löschfahrzeug durch? Wo sind die Besucherparkplätze?“

Kai Uwe Sallie (FDP): „Wenn alle an der Straße parken, wie kommt ein Löschfahrzeug durch? Wo sind die Besucherparkplätze?“
Kai Uwe Sallie (FDP): „Wenn alle an der Straße parken, wie kommt ein Löschfahrzeug durch? Wo sind die Besucherparkplätze?“ | Bild: Archiv

Arnim Eglauer (SPD) fragte nach, ob die Parkplätze angemietet werden müssen. Dies bejahte Genossenschafts-Geschäftsführer Bernhard Küchle: Jeder Mietvertrag sei zwingend mit der Anmietung eines Stellplatzes verbunden. „Reicht das Kontingent, dann auch zwei“, so Küchle, der ein Car-Sharing-Modell, wie es die GoL ins Spiel brachte, nicht ausschloss: „Wir sind offen, so ein Modell zu untersuchen.“ Eine Verpflichtung, wie sie Birgit Zauner (GoL) vorschlug, ging man aber nicht ein.

Bürgermeister Manfred Härle verwies auf öffentliche Parkplätze im Stefansfelder Neubaugebiet an sich. Und sagte: Es sei ein Spagat zwischen dem Wunsch, mietpreisgebundenen Wohnraum zu schaffen, und den entsprechenden Stellplätzen. „Manchmal geht es auch darum: Machen wir da jetzt diesen Kompromiss? Ob die Stellplätze auskömmlich sind, wird sich auch in der Praxis zeigen“, meinte Härle.

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