Seit Mitte August ist in Salem ein als Ergänzung zum öffentlichen Linienverkehr gedachter Rufbus in Betrieb. Nach zweieinhalb Monaten fällt die Bilanz dieses innerörtlichen Zusatzangebots aber recht bescheiden aus. Bis zum 31. Oktober wurde es gerade einmal von 425 Fahrgästen genutzt. „Es ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten“, sagt Bürgermeister Manfred Härle. Dennoch hält er es genauso wie der Überlinger Bus-Betreiber Marc Morath für zu früh, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen.

„Es braucht eine gewisse Zeit, um so ein Projekt in der Bevölkerung zu etablieren“, weiß Marc Morath aus Erfahrung. Er betreibt seit acht Jahren bereits eine Rufbuslinie von Überlingen nach Bonndorf und seit zwei Jahren auch eine von Überlingen nach Owingen-Taisersdorf. Auch dort habe es eine Anlaufzeit gebraucht, bis sich das Angebot durchgesetzt habe, erklärt er.

Der Rufbus

Zudem sei der Rufbus in Salem einer schwierigen Zeit gestartet, nimmt der Betreiber Bezug auf die Corona-Pandemie. Die Leute gingen nicht mehr so viel aus dem Haus wie sonst, glaubt er. Wenngleich, so fügt er hinzu, die Ansteckungsgefahr im Rufbus im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln doch als sehr gering einzuschätzen sei, da dort jeweils nur ein bis zwei Fahrgäste säßen.

Für die Anlaufphase gar nicht so schlecht

Im Übrigen hält Morath die Nutzung des Salemer Rufbusses mich rund 8 Fahrgästen pro Tag für die Anlaufphase für gar nicht so schlecht. Auf der Rufbuslinie von Überlingen nach Owingen seien es noch etwas weniger. Allerdings, so räumt Morath ein, sei dort das Einzugsgebiet, gemessen an der Einwohnerzahl von Salem, auch kleiner. Auf der Rufbuslinie von Überlingen nach Bonndorf betrage die durchschnittliche Fahrgastzahl pro Tag 30.

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Die Hoffnung, dass auch der Salemer Rufbus noch in Schwung kommt, hat Bürgermeister Härle noch nicht begraben. Ein zentrales Anliegen bei der Einrichtung des Rufbusses, so begründet er seine Zuversicht, sei ja auch gewesen, die Neue Gemeindemitte mit ihrer Nah-, Dienstleistungs- und Gesundheitsversorgung an die außenliegenden Teilorte anzubinden. Wenn die neue Gemeindemitte dann im Frühjahr mit der Eröffnung des großen Edeka-Marktes vollständig in Betrieb gehe, könne das durchaus für eine Schub für die Nutzung des Rufbusses sorgen.

Morath ist überzeugt: Der Rufbus hat Potenzial

Auch Marc Morath ist fest davon überzeugt, dass der Salemer Rufbus noch einiges Potenzial hat. Als gut frequentierte Ziele weist die heutige Statistik die Haltestellen am Bahnhof, in Oberstenweiler, Rickenbach, Alpenblick in Beuren, Grundschule Mimmenhausen und Neufrach „Grüner Baum“ aus. Auch Daueraufträge zur Musikschule in Weildorf würden ganz gut angenommen.

Dennoch schielt Bürgermeister Härle auch die Kosten. Bislang, so rechnet er vor, habe jede Fahrgastbeförderung rund 80 Euro gekostet. Rund 34 000 Euro habe die Gemeinde bisher an die Firma Morath überwiesen. Davon trägt zwar der Bodenseekreis 55 Prozent. Aber auch das seien Steuermittel, betont Härle. Mit der Einrichtung des Rufbusses wolle man zwar auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber die Kosten dafür müssten auch vermittelbar sein. Wenn sich diese nicht erheblich verringern würden, müsse man sich offen gestehen, dass das Rufbus-Projekt nicht auf Dauer weitergeführt werden könne.

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