Mal leise, mal laut, mal richtig und oft falsch: Im Haus Maurer in Salem-Stefansfeld tickt es ohne Unterbrechungen – am Tag und in der Nacht. Mehr als 60 Großuhren hängen dort an den Wänden oder stehen in den Räumen. Fast jeder Platz ist ausgefüllt. Dazu kommen einige Armbanduhren, die in der Werkstatt untergebracht sind.

Uhren, Uhren und noch mehr Uhren: Wer durch die Räumlichkeiten im Hause Maurer läuft, kann mehr als 60 Großuhren zählen.
Uhren, Uhren und noch mehr Uhren: Wer durch die Räumlichkeiten im Hause Maurer läuft, kann mehr als 60 Großuhren zählen. | Bild: Mona Lippisch

Das blaue Haus in der Bodenseestraße 4 ist das Haus von Uhrmacher Andreas Maros. Hier hat er seine Werkstatt und im Erdgeschoss ein Schmuckgeschäft inklusive Augenoptik, das er mit seiner Frau betreibt. Maros ist der einzige Uhrmacher in der Umgebung. Sein Handwerk ist „quasi vom Aussterben bedroht“, erzählt er.

Dabei sei der Beruf vielfältig, herausfordernd und spannend. „Bei mir landen die verrücktesten Uhren. Von sehr alten Unikaten aus privaten Haushalten bis hin zu Kirchturmuhren„, erzählt der 56-Jährige.

Vielfältig und spannend: So bezeichnet Andreas Maros den Beruf des Uhrmachers.
Vielfältig und spannend: So bezeichnet Andreas Maros den Beruf des Uhrmachers. | Bild: Mona Lippisch

Vielfalt, Abwechslung und Liebe zur Mechanik waren am Ende die Gründe, weshalb sich Andreas Maros im Jahr 1996 für eine Ausbildung zum Uhrmacher entschieden hat. Bereits in seiner Kindheit war er von der Mechanik begeistert. „Mit zwölf Jahren habe ich zusammen mit meinem Papa meinen ersten Wecker repariert. Später habe ich mich dann mit Modellbau beschäftigt und Mofas präpariert. Die Mechanik hat mir schon immer Spaß gemacht“, sagt Maros.

Etwa 250 Großuhren – darunter Uhren wie diese, aber auch Kirchturmuhren – restauriert und überholt Andreas Maros im Jahr.
Etwa 250 Großuhren – darunter Uhren wie diese, aber auch Kirchturmuhren – restauriert und überholt Andreas Maros im Jahr. | Bild: Mona Lippisch

1999 übernahm der Andreas Maros dann gemeinsam mit seiner Frau das Salemer Unternehmen Maurer. Seitdem arbeitet er selbstständig als Uhrmacher. Neben dem Tagesgeschäft – dem Austauschen von Batterien oder Uhrenbändern und kleinen Reparaturen – beschäftigt sich der 56-Jährige mit Uhren jeglicher Art.

Andreas Maros wechselt die Batterie einer Armbanduhr. Auch solche Aufgaben gehören zu seiner täglichen Arbeit.
Andreas Maros wechselt die Batterie einer Armbanduhr. Auch solche Aufgaben gehören zu seiner täglichen Arbeit. | Bild: Mona Lippisch

„Interessant wird es bei mechanischen Uhren, sei es eine hochwertige Damenuhr oder eine Kirchturmuhr„, findet Maros. Egal ob Pflege, Restauration, das Anfertigen bestimmter Teile oder die Überholung einer Uhr – das alles macht dem Mann, der mit seiner Familie im Deggenhausertal lebt, großen Spaß.

So funktioniert eine Uhren-Überholung

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Doch nicht nur um die 250 Großuhren und viele Armbanduhren landen jedes Jahr bei Andreas Maros. „Ich habe schon Instrumente wie Polyphone und Grammophone repariert oder Rasierapparate. Eigentlich nehme ich alles unter die Lupe, was sich dreht und bewegt“, sagt er und schmunzelt.

Uhrmacher Maros in seiner Werkstatt, die sich direkt über dem Uhren-, Schmuck- und Optikergeschäft befindet.
Uhrmacher Maros in seiner Werkstatt, die sich direkt über dem Uhren-, Schmuck- und Optikergeschäft befindet. | Bild: Mona Lippisch

Weil der Beruf des Uhrmachers so selten ist, kommen die Kunden von Maros teilweise aus Stuttgart, München, Freiburg oder der Schweiz. Doch woran liegt es, dass es kaum noch Uhrmacher gibt? Wie Maros erklärt, gebe es dafür zwei Gründe: Zum einen haben handwerkliche Berufe Nachwuchssorgen, weil sich heutzutage mehr junge Menschen für ein Studium entscheiden als früher. Auch der Unterschied im Lohnniveau zwischen Handwerk und Industrie sei laut Maros zu groß.

Eine von mehr als 60 Großuhren, die derzeit bei Andreas Maros in der Werkstatt auf eine Reparatur oder ähnliches warten.
Eine von mehr als 60 Großuhren, die derzeit bei Andreas Maros in der Werkstatt auf eine Reparatur oder ähnliches warten. | Bild: Mona Lippisch

Und für jeden ist der Beruf des Uhrmachers auch nicht geschaffen, betont der 56-Jährige. „Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, sollte ein Höchstmaß an technischem Verständnis mitbringen. Bei Großuhren liegen geschwind mal 180 verschiedene Teile nebeneinander. Und das muss alles wieder passend zusammengebaut werden“, sagt Maros und lacht.

Drei Teile eines Uhrwerkes einer Armbanduhr: Weil die Teile so klein sind, hat Andreas Maros bei seiner Arbeit stets eine spezielle Brille – ähnlich einer Lupe – an.
Drei Teile eines Uhrwerkes einer Armbanduhr: Weil die Teile so klein sind, hat Andreas Maros bei seiner Arbeit stets eine spezielle Brille – ähnlich einer Lupe – an. | Bild: Mona Lippisch

Der Beruf erfordere viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Außerdem besonders wichtig: Geduld. „Manchmal muss man drei, vier oder fünf Mal von vorne anfangen, bis die Uhr wieder richtig zusammengebaut ist. Da ist wirklich Geduld gefragt.“

Für die Arbeit als Uhrmacher braucht es nicht nur wegen der Kleinteile vor allen eins: Geduld. „Manchmal kann es sein, dass man eine Uhr vier oder fünf Mal zusammenbauen muss, bis alles wieder passt“, erklärt Andreas Maros.
Für die Arbeit als Uhrmacher braucht es nicht nur wegen der Kleinteile vor allen eins: Geduld. „Manchmal kann es sein, dass man eine Uhr vier oder fünf Mal zusammenbauen muss, bis alles wieder passt“, erklärt Andreas Maros. | Bild: Mona Lippisch

Trotz oder gerade wegen diesen Aspekten ist Andreas Maros leidenschaftlich gerne Uhrenmacher. Für ihn ist der Beruf faszinierend – besonders in Anbetracht der Vielzahl an Uhren, die er schon zu Gesicht bekommen hat. „Die Vielfalt ist schier unbegrenzt“, sagt er.

Für die Überholung einer Kirchturmuhr geht es aufs Dach

So sei er zum Beispiel einmal für die Überholung einer Kirchturmuhr einer Privatperson auf das Dach eines Hauses geklettert. Denn sonst hätte der ganze Kirchturm abgebaut werden müssen.

An seinem Schreibtisch in der Werkstatt verbringt Uhrmacher Andreas Maros die meiste Zeit. Hier werden Uhren auseinandergebaut, überholt und wieder zusammengesetzt.
An seinem Schreibtisch in der Werkstatt verbringt Uhrmacher Andreas Maros die meiste Zeit. Hier werden Uhren auseinandergebaut, überholt und wieder zusammengesetzt. | Bild: Mona Lippisch

„Ich erlebe wirklich viel in meinem Beruf„, erzählt der 56-Jährige und ergänzt: „Auch Uhren aus Raketenschächten, aus ganz alten Autos oder von Motorrädern habe ich schon repariert.“ Mit jeder Uhr, die in einem „furchtbaren“ Zustand zu Andreas Maros kommt und „wunderschön“ das Haus verlässt, weiß der Uhrenmacher: Er hat seinen Traumberuf gefunden.

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