So einmütig wird Gebührenerhöhungen selten zugestimmt: Um 3,9 Prozent sollen die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung in Salem ab dem neuen Jahr steigen. Damit folgte der Ausschuss für Verwaltung und Kultur der Empfehlung der kommunalen Spitzenverbände. „Die qualitativ sehr hochwertige Betreuung unserer Kleinsten kostet uns auch sehr viel Geld“, rechtfertigte Kämmerin Julia Kneisel die Anhebung. Der Anteil der Elternbeiträge an den Gesamtkosten werde jedoch weiter sinken, der empfohlene Kostendeckungsgrad von 20 Prozent bei Weitem nicht erreicht: „2022 werden wir ungefähr auf neun Prozent hinauslaufen“, überschlug die Kämmerin.

Für das folgende Jahr komme sie auf deutlich unter acht Prozent, was dem neuen Kindergarten in Stefansfeld geschuldet sei. Bürgermeister Manfred Härle erläuterte, dass angesichts 17 neuer Vollzeitstellen mit Mehrausgaben von 1 Million Euro im Bereich Personal zu rechnen sei, dazu kämen die Abschreibungen für den Neubau. Lange sei man bei einem Kostendeckungsgrad von zwölf bis 13 Prozent gewesen, nun sei man unter zehn Prozent, Tendenz weiter fallend. „Eigentlich müsste man dramatischer an der Gebührenschraube drehen, aber die Preissteigerung wäre astronomisch.“

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Kneisel ergänzte, dass die Eltern für ihr Geld im Vergleich zu den vorgegebenen Richtsätzen der Spitzenverbände einen deutlich höheren Betreuungsumfang erhielten. „Irgendwann wird der Punkt kommen, dass wir die Betreuungsgebühren anpassen müssen“, mahnte sie daher. Da aktuell natürlich auch die Eltern belastet seien, wolle man dieses Jahr aber nicht am großen Rad drehen. Auch Ralf Gagliardi (GoL) sah Änderungsbedarf, jedoch derzeit keine Umsetzungsmöglichkeit: „Wir wünschen uns eigentlich etwas anderes, aber ich weiß auch nicht, wer das erstellen soll.“ Eine Gebührenfreiheit wäre wünschenswert, sei jedoch nicht auf kommunaler Ebene zu erreichen.

Sein Fraktionskollege Martin Möller zeigte sich mit Blick auf Inflation und steigende Energiepreise erleichtert: „Ich habe mich sehr für alle jungen Eltern gefreut, mit welch spitzem Bleistift gerechnet wurde.“ Ursula Hefler (CDU) hielt die „moderate Steigerung“ für vertretbar: „Es ist richtig und wichtig, dass wir für die Kinder Geld in die Hand nehmen, aber es ist auch in Ordnung, dass wir auch die Eltern mit ins Boot nehmen.“ Wenn man ein gutes Bildungsangebot wolle, benötige man gutes Personal – und das koste.

Auch Ulrich König (FDP) sah die Arbeit in den Kindergärten als Zukunftsleistung für die Gemeinde: „Solange wir uns das leisten können, sollten wir bei sehr mäßigen Sätzen bleiben.“ In dem Fall tue es ihm nicht weh, wenn die Kämmerin Tränen in den Augen habe, merkte König scherzhaft an. Peter Frick (CDU) verwies auf das Einmaleins der Kostenrechnung: „Wir können uns manches leisten, weil wir Gewerbe haben“, richtete er seine Worte an die Fraktionen auf der anderen Saalseite. Wenn in der nächsten Ratssitzung die weitere Entwicklung des Gewerbegebiets festgelegt werde, sollte dies im Hinterkopf behalten werden.