Wer die Vorstandssitzung der Theatergruppe Mittelstenweiler im Dorfgemeinschaftshaus besucht, spürt es gleich. Es herrscht eine unkomplizierte und zugleich freundschaftliche Atmosphäre. „Es ist wie in einer Familie“, bringt die langjährige Mimin Elisabeth Straub das Miteinander auf den Punkt.

Dass die Aufführungen in diesem 75. Jubiläumsjahr erneut ausfallen müssen, ändert am Zusammenhalt der Gruppe nichts. Auch die Lust am Theaterspielen ist nach zweijähriger Zwangspause offenbar ungebrochen. „Es ist wie eine Sucht“, weiß Theatermacher Thomas Notheis und die anderen Theaterkollegen nicken zustimmend.

Lena Gütt, 31 Jahre: „Es ist eine schöne Gemeinschaft und ich möchte die Vereinswerte, die ich vorgelebt bekommen habe, gern weitergeben.“
Lena Gütt, 31 Jahre: „Es ist eine schöne Gemeinschaft und ich möchte die Vereinswerte, die ich vorgelebt bekommen habe, gern weitergeben.“ | Bild: Martina Wolters

Danach gefragt, warum den Darstellern Dorftheater wichtig ist, kommen die Antworten wie aus der Pistole geschossen. Elisabeth Straub findet es schön, einmal in eine andere Rolle schlüpfen zu können. Thomas Notheis sagt: „Für mich ist es eine Freude, anderen Menschen eine schöne und unbeschwerte Zeit zu schenken.“ Gleichzeitig sieht der Vorsitzende das Auswendiglernen der Theatertexte als Hirntraining. Sein Stellvertreter Hubert Armbruster stellt neben dem „Gehirnjogging“ das Zusammensein im Team als für ihn bedeutsam heraus.

Der Spaß kommt bei der Theatergruppe Mittelstenweiler auch in Corona-Zeiten nicht zu kurz. „Wie in der Selbsthilfegruppe sitzen wir jetzt zusammen“, unken die Vorstandsmitglieder über ihre Zusammenkunft mit Abstand.
Der Spaß kommt bei der Theatergruppe Mittelstenweiler auch in Corona-Zeiten nicht zu kurz. „Wie in der Selbsthilfegruppe sitzen wir jetzt zusammen“, unken die Vorstandsmitglieder über ihre Zusammenkunft mit Abstand. | Bild: Martina Wolters

Auch den jüngeren Vorstandsmitgliedern liegt das Dorftheater am Herzen. Animiert von ihren Theater spielenden Eltern, sind sie nachgerückt. Die 31-jährige Lena Gütt sagt: „Es ist eine schöne Gemeinschaft und ich möchte die Vereinswerte, die ich vorgelebt bekommen habe, gern weitergeben.“

Sandrine Wächter, 32 Jahre: „Dabei zu sein macht einfach Spaß.“
Sandrine Wächter, 32 Jahre: „Dabei zu sein macht einfach Spaß.“ | Bild: Martina Wolters

Sandrine Wächter erzählt: „Schon meine Mutter hat in der Handharmonikagruppe des Theaters mitgewirkt und jetzt bin ich dabei.“. Der jüngste Laienspieler ist ebenfalls über seine Eltern zur Theaterfamilie gestoßen. Zuerst hat er in der Küche mitgeholfen. Seit neun Jahren ist der 26-Jährige von der Laienspielbühne nicht mehr wegzudenken. “Der Spaß und die Herausforderung halten sich die Waage“, findet der junge Mann. Es sei ebenso schön, den Fortschritt zu sehen, von der ersten Leseprobe bis zum Auftritt.

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Erwartungshaltung der Besucher hat sich über die Jahrzehnte verändert

Die Tradition des Dorftheaters, die in dem Salemer Teilort schon seit 1946 gepflegt wird, soll nach Meinung der Crew auf jeden Fall Bestand haben. Ähnlich wie die Spieler selbst fiebern die treuen Zuschauer dem Theatervergnügen zwischen den Jahren entgegen. Zwar haben sich die Erwartungshaltungen der Besucher verändert, sagt Thomas Notheis. Anders als noch in den Anfängen unter Feuerwehrkommandant und Regisseur Karl Duttlinger wollten die Gäste heute eher lachen und bespaßt werden. Nach den Kriegsjahren seien sie einfach nur froh gewesen, dass überhaupt etwas stattgefunden habe.

Leonard Straub, 26 Jahre: „Für mich halten sich beim Theaterspielen Spaß und Herausforderung die Waage.“
Leonard Straub, 26 Jahre: „Für mich halten sich beim Theaterspielen Spaß und Herausforderung die Waage.“ | Bild: Martina Wolters

Rund 1600 Besucher jährlich lockt das Laientheater normalerweise in den Theatersaal des 600-Einwohner- Orts. Weil die aktuellen Corona-Fallzahlen sowie die zugehörigen Auflagen weder Auftritte noch ein Fest zum 75. Jubiläum zulassen, will die Theatermannschaft wie auf der Bühne improvisieren. “Wir feiern im nächsten Jahr einfach 75 plus eins mit allen ehemaligen Spielern und Helfern“, erklärt Notheis.

Festschrift zum Jubiläum und neues Vereinslogo in Arbeit

Was dann gespielt wird, steht noch nicht fest. Nur dass es etwas Lustiges sein soll. Momentan sind die Festschrift zum Jubiläum und ein neues Vereinslogo in Arbeit. Darüber hinaus sorgt Notheis dafür, dass die Truppe über die Pandemiezeiten ohne gemeinsame Theaterproben, Feste und Ausflüge bei der Stange bleibt. Er verteilt Weihnachtsgrüße und Geschenke und die Geburtstagspost kommt in Lockdown-Zeiten einfach per WhatsApp. „So weiß jeder, es wird an ihn gedacht“, freut sich Lena Gütt. Manfred Straub betont die Harmonie zwischen Alt und Jung. In dem ausgeprägten Miteinander liege auch der Grund, warum es in Mittelstenweiler keine Nachwuchsprobleme gibt, ist sich der Vorsitzende des Theater-Fördervereins sicher.